„Musik ist schludrig und unberechenbar, wie das Leben“

Kürzlich schlug ein dreijähriger Kinderschädel ziemlich heftig auf meinem Nasenbein auf. Der Stoss wirkte sich dummerweise direkt auf mein Hirn aus – was ich Calexico nicht zumuten konnte. Das geplante Treffen mit den Wüstenrockern in Zürich fiel also ins Wasser.

Wie mich Youtube-Interviews im Vorfeld schon vermuten liessen, sind Calexico extrem nett. Sänger und Gitarrist Joey Burns bestätigte dies, indem er meine Fragen später mal per Mail beantwortete. Und das ist dann halt immer etwas nerdy.

Es tut mir so leid, dass ich unser Treffen in Zürich platzen liess. Wie wars in der Schweiz?
Joey Burns: Ja, schade haben wir uns nicht gesehen. Es war sehr schön, ich liebe die Schweiz.

John Convertino und Joey Burns

Was ist Ihr liebstes Schweizer Essen? 

Ich bin ein grosser Fan von Appenzeller Käse und ich glaube, ich habe den vor Jahren mal auf Tour probiert. Ich halte also in der Schweiz immer explizit danach Ausschau und suche noch den einen oder anderen Käse aus der jeweiligen Region.

Hat Sie die Schweiz jemals in irgendeiner Art und Weise inspiriert
Ja, klar. Es ist ein grossartiges Land, und die Konzerte da waren immer super. Das Land hat aber auch eine dunkle Seite, so stehen diese unfassbar schöne Natur und die beeindruckende moderne Kunst im Kontrast mit Graffitis und dem sehr streng Konservativen. Es ist interessant, und ich rede gerne mit den Leuten. 1989 war ich zum ersten Mal mit meiner Familie hier. Damals war alles  noch beängstigend clean.

Sie arbeiten gerne mit Musikern aus aller Welt zusammen. Welchen Bezug haben Sie zur Schweizer Szene?
Ich liebe die Musik von Sophie Hunger. Unser Trompeter Martin Wenk hat mit Stephan Eicher gearbeitet, und so haben wir ihn alle schon getroffen.

Sie oder irgendjemand sonst hat Ihre Musik mal Tucson-Desert-Rock genannt. Was genau ist so Tucson daran?
Das klingt nach dem Werk eines Journalisten. Ein Teil der Musik aus Tucson ist nicht wirklich Rock, er ist ziemlich schwer einzuordnen. Tucson ist eine kleine Stadt in der riesigen Sonora-Wüste, eklektisch und überraschend musikalisch. Es gibt eine interessante Kunstszene hier und viel Inspiration von dem massiven, offenen, blauen Himmel und dem vielen Licht, das wir das ganze Jahr haben. Es macht süchtig und gibt eine positive Energie. Gleichzeitig kann es die Menschen aber auch verrückt machen.

Können Sie uns eine gute Band aus der Gegend empfehlen?
Meine Lieblingsband heisst Orkesta Mendoza.

Lando Chill ist mein Liebingsrapper und Mariachi Luz de Luna werde ich immer in meinem Herzen tragen. And check out Golden Boots and Naim Amor.

Ist der Calexico-Sound bewusst so vielschichtig oder konnten Sie sich einfach nie auf einen Stil einigen?
Wir waren schon immer an allem Möglichen interessiert. Und ich denke, je mehr wir gereist sind, desto grösser ist das Spektrum geworden. Ausserdem finde ich es unnatürlich, Musik zu klassifizieren und in kleine Kistchen zu packen, nice and neat. Musik ist schludrig und unberechenbar, ein bisschen wie das Leben.

Ist diese Offenheit der Grund für die über 20-jährige Bandgeschichte von Calexico?
Es könnte Teil eines grösseren Puzzles sein. Es stimmt, dass ich den Mix aus verschiedenen Musikstilen und die vielen Zusammenarbeiten als Schlüssel für die Langlebigkeit sehe. Aber letztlich gehören auch unsere starke Arbeitsmoral und unsere Liebe für lange Busreisen und Truck-Stop-Kaffee dazu.

Die Grenze zwischen den USA und Mexiko ist Thema in vielen Calexico-Songs. Was denken Sie über den geplanten Mauerbau?
Trump sorgt für totale Verwirrung. Und er ist ein Rassist. Es ist traurig und peinlich, ihn als unseren Präsidenten zu haben. Ehrlich gesagt wird es immer mehr zu einem Albtraum.

Könnte diese Mauer die Musik und die Kunst beeinträchtigen?
Musik und Kunst können in allen Gefühlslagen und Situationen helfen. Im Gefängnis, in einem Wald, in der Nähe einer Mauer oder in einer überfüllten Stadt. Seine Gefühle künstlerisch auszudrücken kann die Leute zusammenbringen und die Welt um einen herum verändern.


CALEXICO: „The Thread That Keeps Us“, out (ANTI-Records)
LIVE: 17.03., Fri-Son, Freiburg; 18.03., X-tra, Zürich
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