Hotel-Lobbyisten

Vor gut einem Jahr haben Jarvis Cocker und Chilly Gonzales das endlos faszinierende Album „Room 29“ veröffentlicht. Daran erinnere ich mich, wenn ich „Tranquility Base Hotel & Casino“ von den Arctic Monkeys höre, das letzten Freitag erschienen ist. 

Die faktischen Gemeinsamkeiten sind rasch eruiert. „Room 29“ handelt von einem  Zimmer in dem sagenumwobenen Hotel Chateau Marmont  in Los Angeles (Benjamin von Stuckrad-Barre schreibt in seinem Buch „Panikherz“ davon). Die Geschichten sind aus der Sicht eines philosophierenden Klaviers erzählt, das schon seit Jahrzehnten darin steht und alle Geister und Geheimnisse kennt.

Alex Turner, Frontmann der britischen Rockband Arctic Monkeys, hat das neue Album in Los Angeles geschrieben, war also ebenfalls stark von der dortigen Stimmung beeinflusst. Ausserdem entstanden die Songs allesamt an einem Klavier, in einem stillen Kämmerchen, mit starkem Fokus auf den Text.

Letztlich sind die Parallelen zwischen den beiden Platten aber viel mehr als im Internet nachlesbar – sie sind auch richtig gut zu hören. Das Klavier, der markige Gesang – manchmal wird auch einfach nur erzählt – die aufflackernde Crooner-Attitude, all das sorgt auf „Tranquility Base Hotel & Casino“ für eine ganz ähnliche Grundstimmung wie auf „Room 29“. Wobei das sechste Album der Arctic Monkeys, auf das sie ihre Fans fünf Jahre lang warten liessen, alles in allem eindeutig mehr Sonne abbekommen hat. In den Songs steckt viel mehr Pop, auch mehr als nur ein Klavier, und gesungen wird ebenfalls mehrstimmig. Die Melodien flirren nur so ineinander über, geben dem Ganzen eine ziemlich psychedelische Wirkung.

And do you celebrate your dark side
Then wish you’d never left the house?
Have you ever spent a generation trying to figure that one out?
(Arctic Monkeys: „Tranquility Base Hotel & Casino“)

Fragt mich nicht, aber ich habe in Erinnerung, dass die Arctic Monkeys mal ganz anders klangen. Nach sehr viel mehr Gitarre, nach Rock und nach Punk. Aber das war, als sie noch aussahen wie Teenager, in meinen Ohren wie so viele Rockbands klangen und ich sowieso mit ganz viel anderem beschäftigt war. Umso schöner, dass ich sie jetzt auch für mich entdeckt habe. Und ihr Album in meinem Regalfach „Hotellerie“ einen sicheren Platz findet.

ARCTIC MONKEYS: „Tranquility Base Hotel & Casino“, out (Domino Records)

JARVIS COCKER & CHILLY GONZALES: „Room 29“, out (Deutsche Grammophon)

(Bild: Facebook)

 

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