19. Dezember: Das perfekte Geschenk für die feministische Freundin

Carrie Brownstein, rechts, mit Sleater-Kinney

Ich liebe Carrie Brownstein. Ihre skurrile Serie „Portlandia“ ist grossartig und sie selber: voller Ideen und immer aktiv.

Dabei hätte die amerikanische Autorin, Schauspielerin, Musikerin und Punkrock-Ikone in den 90er-Jahren weiss Gott auf die schiefe Bahn geraten können. Sie wuchs in einer an sich netten, jüdischen Familie auf, die sie das Gefühl, eine Familie zu haben, jedoch stets vermissen liess. Ihr Vater bekam zwei Krebsdiagnosen, war als Anwalt oft auf Reisen und zu Hause mehr oder weniger bewusst damit beschäftigt, seine Homosexualität zu unterdrücken. Die Mutter schwand in ihrer Präsenz allein schon durch ihre Magersucht dahin und war nach der Scheidung dann auch gleich ganz weg. Das alles, während viele Gleichaltrige den Drogen verfielen. Ein Glück, dass Carrie Brownstein schon immer ausreichend Gefallen daran fand, kindlich aufgedreht und trotzdem cool zu bleiben, mit Männern und Frauen rumzuknutschen, daneben ganz viel Musik zu machen und von ihrer eigenen Band zu träumen.

Über ihre Jugend, ihre Riot-Grrrl-Prägung und mehr noch über die „längste Beziehung, die ich je hatte“, die Zeit mit der kurzzeitig aufgelösten Rockband Sleater-Kinney nämlich, schrieb Carrie Brownstein das Buch „Hunger Makes Me a Modern Girl: A Memoir“. Unter dem Titel „Modern Girl – Mein Leben mit Sleater-Kinney“ ist das kurzweilige und wahnsinnig gut in der Hand liegende Werk in diesem Jahr auch auf Deutsch erschienen. Die Geschichte ist (wie das auch in meinem anderen Lieblingsbuch eines Musikers in diesem Jahr, „Road Series“ von Hugo Race, der Fall ist) in Fragmenten erzählt. Keine klassische Chronik einer Karriere, sondern eine Zusammenstellung der nennenswertesten Momente und Phasen. Das sorgt für viel Unterhaltung und einen rassigen Lesefluss.

Schön ist ja bei solchen Büchern auch immer, dass man sehr viel Musik kennenlernen kann. Sleater-Kinney zum Beispiel kannte ich nicht mal vom Namen her. Was ich inzwischen schon fast vollständig geändert habe, denn im Gegensatz zu anderen feministischen Bands aus dieser Zeit sprechen mich Carrie Brownstein, Corin Tucker (beide Gesang und Gitarre) und Janet Weiss (Drums) auch musikalisch an. Übrigens – kleine Geschichte aus dem Buch zur Bemühung der Band, „ein bisschen voller“ zu wirken: „Wir wollten wie eine vollständige Rockband klingen. Wahrscheinlich komisch, dass wir nicht einfach auf die Idee gekommen sind, eine Bassistin zu engagieren, aber das sind wir einfach nicht.“

CARRIE BROWNSTEIN: Modern Girl – Mein Leben mit Sleater-Kinney, Benevento-Verlag

Und dazu vielleicht auch gleich noch ein Sleater-Kinney-Album schenken? Zum Beispiel:

„NO CITIES TO LOVE“, out 2015 (Sub Pop) / „CALL THE DOCTOR“, out (1996)

(Bilder: Rockette (Titel) / Facebook)

Tags:

Schreibe einen Kommentar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.