3 Gründe, heute im Bett zu bleiben

Yep. Es ist vielleicht der letzte Sommertag. Vielleicht aber auch nicht. Jetzt ist dann eh mal genug, finde ich, mit Sonnenbrand, Sonnenstich und roségeschwängerten Grillabenden. Es kommen so viele neue Alben heraus, und da muss man hinhören. Kühl und nüchtern. Heiss wird einem dann noch schnell genug bei diesen Frauen.

1. Lisa Hannigan erinnert mich an eine dunkle Zeit, als ich monatelang durch die irischen Hügel irrte, im schwarzblauen Meer endlose Runden gedreht habe, und allabendlich im Sumpf von Connemarra und schwarzem Guinness versunken bin. Das ist sehr lange her. Damals hörte ich auch viel Sinéad O’Connor, und manchmal  bekam ich keine Luft mehr, dort, in diesem grünen Paradies. Die Irin Lisa Hannigan weckt diese verdrängten Anfälle von Depression wieder, und das ist mir unangenehm, obwohl sie –  so generell – eine Wucht ist und doch mit unschuldiger Feenstimme, um weitere Klischees zu verbraten, in meinem Innersten herumwühlt. Vielleicht ist es genau das, was mich so gefangen nimmt – dieses Emotionale, diese Konfrontation. Sie selber: Während Lisa Hannigans Ex-Gspänli Damien Rice immer noch Liebeskummer hat, entwickelt sie sich weiter. Immer noch aufs Wasser fixiert (ihr erstes Soloalbum hiess „Sea Sew, das neue „At Swim“), und darauf, mit wenig viel zu sagen.

Wer nicht genug kriegen kann, so wie ich, hier mehr. Und dann gleich endlich wieder mal „Closer“ schauen. Grossartig.

LISA HANNIGAN: „AT SWIM“, out now (Play It Again Sam)

Konzert: 29. 10., Plaza, Zürich

 

2. Hannah Eppersons Album kommt erst Mitte September raus. Aber dieser eine Song reicht schon, um zu wissen – ich will mehr. Mit Geige, Stimme und Looppedal beschreibt auch die Kanadierin weite, traurige Landschaften, auch sie hat etwas Elfenhaftes. Und ausserdem zwei Varianten: Alle ihre Songs existieren im Pop-Format, wo sie sich Amelia nennt, und in Neo-Klassik (Iris), auf dem Album hat es je 5 Lieder von Amelia und Iris, und ausserdem ein dritter fiktionaler Charakter Skyler. Klingt schizophren, ist sicher nicht weit davon entfernt, so what.

HANNAH EPPERSON: „UPSWEEP“ 16.09.16 (Listen Records)

Konzert: 04.10.2016 Stiefelchnächt, Bremgarten

 

3. Joseph: „I’m Alone No You’re Not“ Das Beste hab ich mir natürlich bis zum Schluss aufgespart. Taylor-Swift-like und manchmal zu poppig, aber dann halt doch unendlich cool rauschen die Schwestern Allison, Meegan und Natalie Closner zurzeit durch die Staaten. Sie nennen sich Joseph, weil ihr Grossvater Jo in einer winzigen Stadt namens Joseph in Oregon lebte, summen, singen im Chor und schmalzen Balladen und verbreiten fröhliche Stimmung, die nicht mal nervt. Wenn Lisa Hannigan das Guinness ist, Hannah Epperson der schwere Rote, dann sind die Closner-Schwestern ein farbiger Drink mit unbedingt viel Alkohol drin und einem Strohschirmchen. Was das mit dem Im-Bett-bleiben ein bisserl schwierig macht. Vielleicht doch noch einen letzten Sonnenstich?

JOSEPH: „I’M ALONE NO YOU’RE NOT“, out now (ATO Records)

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