3. Nachts auf der Couch

Mel B chillt auf dem Sofa im Hogwarts-Sweater. Und entdeckt so einiges. Zum Beispiel The Districts. Ein Tipp.

Neulich um 23 Uhr: Ich sah fern. Natürlich bin ich bis weit nach Mitternacht auf dem Sofa versumpft. Macht nichts, ich habe tolle Musik entdeckt.

Es begann mit einem gewohnt anstrengenden und neurotischen Woody-Allen-Streifen, der als mehr bessere Hintergrundberieselung diente, während ich Instagram durchforstete und mich darauf konzentrierte, die Augen offen zu behalten. Ohne Erfolg. Als ich nach Mitternacht wieder aufwachte, war der Film zu Ende. Umschalten kam nicht in Frage, dafür war die Fernbedienung zu weit weg. Aufstehen kam schon gar nicht in Frage. Die einen nennen es pure Bequemlichkeit, ich nenne es eine eine geniale Entscheidung, denn ansonsten wäre ich wohl nie auf Ray’s Reeperbahn Revue gestossen, eine Perle von Musik-Sendung. So ganz alleine und schon im Dämmerzustand, hat mich Ray, der englische Moderator mit Glatze, gleich amüsiert. Zu Beginn wählte er zum Beispiel via Kamera-Swiping durchs Publikum zwei „BarTinder“ aus.

Wie Teletext mir verrät, handelt es sich bei der Show um eine Aufzeichnung vom September. Anlässlich des Reeperbahn-Festivals in Hamburg begrüsst der gute Ray jeweils bis zu vier musikalische Gäste in seiner Talkshow. Jeder Gast spielt ein kleines Akustik-Liveset mit 1-2 Songs – maximale Spielzeit 7 Minuten. Die „BarTinder“ sorgen dabei für stets geölte Stimmbänder. Nach der Performance setzt sich Ray mit den Musikern zum relaxten Interview hin. Locker, spassig, genau wie es uns Rocketten gefällt.

Ray heisst übrigens mit Nachnamen Cokes. Und war in den 90ern ganz schön bekannt. Der heute 59-Jährige moderierte von 1992 bis 1996 die Sendung MTV’s Most Wanted. Ein revolutionäres Programm, da Ray als erster Moderator weltweit seine Crew in die Live-Sendung einband. Seine MTV-Karriere endete mit einem Wutanfall auf St. Pauli, als Die Toten Hosen statt wie angekündigt live nur auf einer Leinwand zu sehen waren. Es folgten diverse Ups and Downs. 2009 kehrte er wieder an den Ort seines Eklats zurück und übernahm die Moderation des jährlichen Reeperbahn-Festivals.

Zum Glück. Die Show gefällt mir und hält mich weiter wach. Und dann passierts. Zwei Jungs mit Gitarre und Struwwelkopf setzen sich. Und überzeugen mich mit nur einem Song voll und ganz. Indie Rock vom Feinsten. Jetzt bin ich hellwach. The Districts nennt sich ihre Band. Sie stammen aus Pennsylvania und sind eigentlich zu viert. Ihr Sound erinnert mich ein wenig an Modest Mouse. Und so klingen The Districts:

Apropos erinnern, optisch ist Sänger Rob Grote meiner Meinung eine Mischung aus den Schauspielern Shia LaBeouf und Gaten Matarazzo, dem lustigen Dustin aus Stranger Things.

Guckst du: Shia LaBeouf
Guckst du: Gaten Matarazzo (Dustin in der Serie Stranger Things).

Ich freue mich jedenfalls riesig über die Entdeckung. Danke Reeperbahn-Festival. Danke Ray. Und aus dieser Freude entstand schliesslich dieser Text. Nachts. Auf der Couch. Im Hogwarts-Sweater.

Später betritt dann übrigens auch noch eine ganze Meute (so heissen sie auch gleich) an Musikern die Bühne. Saxophon, Tuba, Trompete, Xylophon, das volle Programm. Und hübsche rote Uniformjäcken mit goldenen Knöpfen tragen sie auch noch alle. Da kann dann auch Ray nicht mehr an sich halten und hüpft auf der Bühne umher, als hätten ihm die „BarTinder“ eine Tequila-Infusion verpasst.

Von wegen bis in alle Nacht fernsehen lohnt sich nicht, ich bereue nichts.

Bild: Facebook; Gifs: giphy.com

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