A date with Lina Button. Oder: Von Leoprint und Liebeskummer

Ich gebe es zu. Es gibt keinen aktuellen Grund, über Lina Button zu schreiben. Ihre neuen Singles sind bereits vor ein paar Monaten rausgekommen. Fürs neue Album steht sie erst im Studio. Bei einem Teller Spaghetti Vongole erzählt sie aber so viel über die Wirkung von Musik, übers Frausein in diesem Business, von Leoprint und Liebeskummer, dass der Text längst gerechtfertigt ist.

Wir sitzen an der Langstrasse in einem Restaurant. Im Celia. Es ist Lina Buttons Stammbeiz. Zuerst gibts mal ein Glas Prosecco. Das trinke sie nicht oft. Es wirke vielleicht etwas tussig. Aber sie sei gerade in der Laune. Einfach so. Einen Release gibts nämlich noch nicht zu feiern. Lina steht zurzeit im Studio für ihr neues Album.

Es ist ihr Viertes. Sie produziert es mit Luca Burkhalter, dem Keyboarder von Baba Shrimps. Die beiden ersten Singles „Hidden Land“ und „Take Me Away“ sind bereits herausgekommen.

Grosser Liebeskummer

Der Kellner kommt. Salat und Spaghetti Vongole bitte. Dann erzählt sie von ihrem ersten Album.

Sie sei damals, 25-jährig, verlassen worden. Von dem Mann, den sie für ihren hielt. „Der Schmerz war so gross, dass ich nicht mehr ans Tageslicht konnte“, sagt sie. Sie sei mit einem ebenfalls herzgebrochenen Freund durch die Nacht gezogen. „In der Dunkelheit konnte ich mich mit meinem Leiden verstecken.“ Das würde sie übrigens nur mir erzählen. Für grössere Zeitungen und Zeitschriften wäre ihr das zu persönlich. „Es war mein grosser Liebeskummer. Ich war einfach sehr traurig“. Aus dieser Gefühlslage seien viele Songs entstanden. Und die wollte sie irgendwo abladen. „Ich musste sie aufnehmen, ein Album produzieren und es rausbringen. Erst so konnte ich weitermachen.“

Der Salat kommt. Lina mischt sich die eigene Sauce mit Essig und Öl.

Die Musik helfe ihr.

Schon als kleines Kind hat sie sich selbst Lieder vorgesungen, um einzuschlafen oder wach zu werden. Die Wirkung der Musik sei wohl ein Grund, warum sie Musikerin wurde. Nach und während des Studiums zur Musik- und Bewegungspädagogin hat sie unterrichtet und in der Kinderband „Silberbüx“ gesungen (die Band gibts übrigens immer noch).

Jeder Tubel kanns aussprechen

Dann begann sie, ihre eigenen Songs aufzunehmen. Mit Unterrichten hörte sie auf. Sie wurde selbständige Sängerin. „Ich hatte nie einen Plan B und ich bin froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben.“ Es sei aber auch streng. An „Selbständig“ finde ich vor allem den Aspekt „ständig“ aufreibend. „Du musst immer verfügbar und immer dran sein. Ich setze Verträge mit Veranstaltern oft selbst auf, kümmere mich ums Booking, die Promo, die Betreuung von Instagram und Facebook, um Spotify …“ Sie sei oft einfach Büro Button. Zum Glück könne sie aber immer wieder kreativ sein. Songs schreiben und Musik machen.

Linas Spaghetti Vongole kommen.

In den letzten zehn Jahren hat sie ein paar hundert Gigs gespielt, sich einen Namen gemacht. Eigentlich heisst sie ja Brigitt Zuberbühler. Lina habe ihr aber gefallen. „Das chan jedä Tubel usspräche“, und Button habe einfach dazu gepasst.

Mittlerweile tritt sie auf kleinen und grossen Konzertbühnen auf, ist am Radio zu hören und in Fernsehtalkshows zu sehen. „Es ist aber immer noch schwierig als Frau in diesem Business.“ Sie habe das Gefühl, mehr leisten zu müssen. „Bei Frauen wird mit anderen Massstäben gemessen als bei Männern.“ Sie wünsche sich, dass mehr Frauen in Festival-Line-ups stehen, mehr über weibliche Künstlerinnen berichtet wird, die Schweizer Sängerinnen nicht alle in einen Topf geworfen werden.

Sie will die Spaghetti nicht aufessen. Und lässt sie einpacken. Zum Dessert gibts Tiramisù.

Und einen Modetipp. Leoprint fände sie super. Man dürfe es einfach nicht zu bieder kombinieren. „Auf keinen Fall mit einem Blazer. Besser mit zerrissenen Jeans und coolen Sneakers.“

Merci Lina.

Lina Button auf Spotify.

(Pressefoto)

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