Tägg, tägg, und ihr verliebt euch

Lady Gaga und Bradley Cooper. Von der einen wusste ich, dass sie eine grossartige Frau und begnadete Künstlerin ist, deren Popsongs ich nur leider nie so wirklich mag. Der andere war für mich einfach der aus „Hangover“. „A Star is Born“ hat meine Optik ganz schön verfeinert. 

Jackson Maine (Cooper) ist ein gefeierter Country-Musiker auf dem absteigenden Ast. Sein Tinnitus wird immer schlimmer und der Alkohol hat ihn dermassen im Griff, dass er von der Hälfte seiner Zeit gar nichts mitbekommt. Ein einziges Mal hat seine Sucht einen positiven Effekt auf sein Leben: als er mangels Nachschub in eine Bar torkelt und dort auf die ehemalige Kellnerin Ally (Gaga) trifft, die gerade „La vie en Rose“ singt. Maine ist verzaubert, lernt sie kennen. Tägg, tägg, die beiden verlieben sich.

Ich hatte meine Meinung schon vor dem Film gebildet. Mir war klar, dass ich begeistert sein, weinen, schwelgen, emotional davongetragen werden würde. Das ist immer so, wenn Liebe und Drama auf Countrymusik treffen. In der Hinsicht bin ich tatsächlich die am leichtesten zufriedenzustellende Filmkritikerin des Landes. Womit ich nicht gerechnet hätte, ist, dass alles noch viel besser kommen würde. Schon nach den ersten zehn Sekunden, diesem Wahnsinnsfilmstart, wäre ich am liebsten aufgestanden und hätte laut herausgejubelt. So einen geilen Auftakt gab es noch nie – mit einem Schauspieler, von dem man gar nicht wusste, dass er Musik macht, mein ich. Wie glücklich bin ich, genau dazu einen kleinen Einspieler bringen zu können:

Die Jubellaune ist mir dann aber schnell vergangen. „A Star is Born“, der ein Remake des Remakes (1976) des Remakes (1954) des Originals von 1937 ist, hinterlässt die schmerzliche Erkenntnis, das Musik und Liebe zwar viel mit einem anstellen können, jedoch keine Garantie für Stärke, Glück und Befreiung sind. Bradley Cooper spielt ihn hervorragend, den destruktiven Glückspilz. Während seine Freundin den Durchbruch als Sängerin schafft und zum Star aufsteigt, verliert er immer mehr an Boden. Obwohl er bei so viel Liebe und Fürsorge seiner Frau allen Grund hätte, glücklich zu sein.

Lady Gaga, die an der Seite von Bradley Cooper (er gibt mit diesem Film auch sein Regiedebüt) ihre erste grosse Filmrolle spielt, knüpft mit diesem Projekt nahtlos an ihr letztes Album „Joanne“ an.  An jenes also, mit dem sie sich erstmals so richtig in meine Geschmacksphäre bewegte. Nicht, weil sie sich ungeschminkt zeigte, ich mag ihre Kostümierwut sehr. Doch sie reduzierte sich musikalisch, zeigte sich verletzlich, authentisch, wie die Netflix-Doku „Gaga: Five Foot Two“ auf berührendste Weise zeigte. Umso witziger, dass sie ihre schrille Popvergangenheit in „A Star is Born“ gleich selbst ad absurdum treibt. Herrlich, ihre Selbstironie.

Und herrlich dieser Film. Übrigens. Falls euch der junge Mann, der in einer ebenfalls sehr feinhumorigen Szene „Pretty Woman“ spielt, von irgendwoher zu kennen glaubt: Ja, es ist Marlon Williams, der bei Rockette schon mal ganz schön lustig von links kam.

FILMSTART: 04. Oktober

(Und wenn wir schon beim Thema Kino sind: In „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ könnt ihr, falls ihr das möchtet, bis zum Ende hin durchlachen. Die Komödie von Michael Steiner kommt am 25. Oktober in die Kinos und ist ein Spass. Und: Crimer hat den Titelsong geliefert und die Bieler Band Death by Chocolate einen kleinen, feinen Gastauftritt.)

(Bild: Facebook)

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