„Ab jetz spile mr numä no Hits“

Betrunkene, kranke und unmotivierte Musiker. Damit hatte der Bieler Sänger und Songwriter Stude eine zeitlang zu kämpfen. Jetzt hat er es aber geschafft, mit seiner Band Studeyeah eine EP herauszubringen. „Usgrächnet i de Ferie“ heisst sie. Wir waren am Releasekonzert und haben davor mit dem Frontmann gesprochen.  

Ab jetz spile mr numä no Hits, sagte Mark Stude“ Stalder am Samstag im Le Singe. Mit seiner Band Studeyeah spielte er das Releasekonzert ihrer neuen EP Usgrächnet i dä Ferie. Und tatsächlich ist das Publikum schnell begeistert. Nicht nur von den Hits. Auch vom Witz des Frontmanns, von der Choreographie seines Basketballtrainers und den versierten Musikern.

 

Badewanne und Cervelat

„In meiner Band sind alles Profis. Das kannst du gern schreiben.“ Das sagte Stude, als wir ihn ein paar Tage vor der Plattentaufe besuchen. Er lacht leise. Dabei hüpfen seine Schultern auf und ab. Der grosse, schlanke Mann sitzt in der Küche seiner Wohnung in der Bieler Altstadt. Neben ihm steht eine Badewanne, auf dem Gasherd eine Pfanne mit Rösti. Irgendwo liegt noch ein wochenalter Cervelat. Doch dazu später mehr.

„Mini Band isch e müede Hufe“

Seit zwei Jahren arbeiten die Musiker auf die Plattentaufe hin. 2016 gaben sie ihr erstes Konzert. „Schon damals war unser Plan, eine EP aufzunehmen. Damit wollen wir an ein Label gelangen, unter dem wir ein Album herausbringen können“, sagt Stude.

Die Band besteht aus Bieler Musikern: Crimson an der Gitarre, Hugo Panzer am Schlagzeug und Henry Strongbox an den Keys. Stude selbst spielt Bass und singt. „Auf dieser EP haben alle ihren Beitrag geleistet. Wir arbeiten gut zusammen, obwohl wir einige Durchhänger hatten“, wie Stude sagt. Davon zeugt ein Song auf der EP, der auf tatsächlich Erlebtes zurückgeht. „Mini Band isch ä müede Hufe, nume sufe u sufe, kes Gspüri zum Groove, i cha nüme schnufe nume no choze, nume äs huere Umägemotze.“ Heisst es dort. „Manchmal fehlte tatsächlich die Disziplin“, erzählt Stude. Dann hatten sie aber einen Auftritt im Berner Dachstock. „Danach bekamen wir sehr gute Rückmeldungen. Das hat uns extrem Aufwind gegeben.“ Mit der neuen Energie konnten sie schliesslich die sieben Songs für die EP fertigstellen und im Yagwud-Records-Studio von Sirup Gagavil in Biel aufnehmen.

Tanzen in der Alters-WG

Nicht nur die Stimmung in der Band hat Stude in einem Song verarbeitet. Fast alle seiner hauptsächlich berndeutschen Stücke sind von Alltagssituationen inspiriert. So beklagt er sich in älteren Songs etwa darüber, dass Brockenhäuser teuer sind, besingt die Freundlichkeit, die im Migros-Restaurant Grenchen herrscht, und auf einem Song der neuen EP beschreibt er die Vorzüge einer Kapsel-Kaffeemaschine. Aber auch sozialkritische Aspekte finden Eingang in seine Texte. Im Song „Autersheim“, zu dem seine Band gerade ein Video herausgebracht hat, geht es darum, dass die alten Leute zwar „Kohle“ ins Heim bringen, aber Essen aus der Dose bekommen und früh ins Bett müssen. Und dass er, wenn er einmal alt ist, mit seinen Kollegen in eine WG ziehen will, um dort Reggae zu hören.

 

 

 

Reggae ist ganz allgemein ein Leitmotiv der Platte. Fast jeder Song enthält thematisch und musikalisch solche Elemente. So beispielsweise „Island Man“ oder das Stück mit österreichischem Sprechgesang, „Numba One“. „Reggae und Rap sind meine Hauptstilrichtungen“, sagt Stude. „Das geht zurück auf meine wichtigsten Einflüsse: Bob Marley und Snoop Dogg.“

Krank in den Ferien

Neben Reggae und Rap enthalten die Songs auch elektronische Komponenten. Besonders „Cervelats“, aus dem die Titelgebende Zeile „Usgrächnet i de Ferie“ stammt. Dort geht es darum, dass man in den Ferien krank wird, weil man einen alten Cervelat gegessen hat.

 

 

Um auf die neue EP aufmerksam zu machen, hat Stude wochenlang einen Cervelat bei sich rumliegen lassen. Im Internet konnte anhand eines Fotos geschätzt werden, wie lange er schon bei Stude in der Küche liegt. „Schau hier ist er. Bis jetzt hat er etwa sechs Wochen dort gelegen.“ Stude holt eine noch ganz passabel aussehende Wurst neben der Röstipfanne hervor. „Die werde ich jetzt nicht essen, sonst bin ich ausgerechnet an der Plattentaufe krank“, sagt Stude. Und wieder hüpfen seine schlanken Schultern auf und ab.

Krank war Stude wahrlich nicht an der Plattentaufe. Er begeisterte das Publikum. Nach dem Gig verkaufte und signierte er Usgrächnet i de Ferie“ auf Vinyl und CD und freut sich bereits aufs nächste Konzert.

 

Stude mit seiner neuen Platte.

 

STUDEYEAH: „USGRÄCHNET I DE FERIE“, CD und Vinyl-Platte sind ab dem 7. Februar bei Vinyl Biel und auf www.studeyeah.com erhältlich.

 

(Bilder: Julia; Beitragsbild: zVg)

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