Am Frauenstreiktag renn ich in den Plattenladen und kaufe die neue LP von Kate Tempest

Nie ist es so schwierig, über ein neues Album zu schreiben, wie wenn einem dessen schwermütige Schönheit den Atem raubt und die Sprache verschlägt. Kate Tempest, „The Book of Traps and Lessons“, ich versuchs.

2016, mit „Let Them Eat Chaos“ fing bei mir alles an. Gott, was lass ich meinen Bleifuss walten, wenn ich dieses Album in meinem Auto höre. Ich tu es oft. Durch diesen Zweitling hab ich überhaupt erst das Debütalbum von Kate Tempest entdeckt, „Everbody Down“ (2014), und alles andere: ihren Roman „The Bricks That Built The Houses“ (so oder auch auf Deutsch bei Bookette erhältlich), ihre Gedichte, den Zauber ihrer Live-Performance. Kate Tempest verwischt die Grenzen zwischen Musik und Literatur, ihre Alben sind tanzbare Hörbücher, stets sind beide Ebenen interessant, Text und Sound. Den ersten Block ihres Schaffens baute sie um eine Gruppe von Londonern, um deren Nächte in der Grossstadt, ihre Abgründe, Drogen, Isolierung und was sie unter solchen Umständen eben dennoch miteinander verbindet. Und dann verabschiedete sie sich von ihnen.

Wer Kate Tempest liebt, der liebt alles von ihr. Also auch das Album „The Book of Traps and Lessons“, das am Freitag erscheint. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Obwohl es ein ganz anderes ist, ein vielleicht noch literarischeres als seine Vorgänger. Ausserdem arten die Spannungen, die die Rapperindichterintheaterautorin mit ihren magischen Spoken-Word-Passagen aufbaut nicht mehr in bombastische Gewitter aus, sondern in eine Art musikalische Sonnenaufgänge. Der Sound klingt versöhnlich, lieblich, obwohl die Welt, die die Künstlerin beschreibt, weiterhin keine schöne ist. Die Menschen darin streben ganz umsonst nach Glück. Denn sie werden es nie finden, solange sie nicht innehalten, sich anschauen, sich fühlen und einfach mal zufrieden sind („Hold Your Own“).

An dieser Stelle könnte ich nun mal Rick Rubin erwähnen, den Produzenten, den Lord Kesseli der USA. Ihm ist diese betörende Kombination aus Klang und Text mitunter zu verdanken. Betörend deshalb, weil der Text stets im Vordergrund bleibt und die Musik dennoch nicht verblasst.

Noch einer zum Rumerzählen: Bei „Firesmoke“ hat der Berner Schlagzeuger Julian Sartorius Perkussion gespielt…

Ich will euch nicht weiter zutexten, nur weil ich in Kate Tempest verliebt bin. Hört euch lieber das Album an. Ihr Englisch ist ja zum Glück immer sehr gut zu verstehen, w.e.i.l. s.i.e. s.o. d.e.u.t.l.i.c.h. r.a.p.p.t. Und geht um Himmels Willen ans B-Sides Festival in Kriens. Da tritt sie auf, am Donnerstag, 13.06., also morgen.

KATE TEMPEST: „The Book of Traps and Lessons“, 14.06. (American Recordings).

(Bild: Julian Broad)

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