And now, we have a different kind of love

Biffy Clyro haben vor einigen Tage überraschend den kompletten gleichnamigen Soundtrack zum schottischen Independent-Film „Balance, Not Symmetry“ veröffentlicht. Der Film soll eine Art Romeo & Julia-Story aus Sicht der weiblichen Protagonistin sein. Sänger Simon Neil hat am Film mitgeschrieben und die Songs sollen ein Wechselspiel mit den Filmszenen darstellen. Grund genug, um eine ebenso kreative Review in Form eines fiktiven Liebesbriefs an „B.C.“ zu schreiben und dabei die Lyrics der neuen Songs von „Balance, Not Symmetry“ zu verwenden.

Musik war und ist meine grosse Liebe. Nichts lässt mich intensiver schreiben, fühlen und leiden. Eine meiner grossen Lieben war (und vielleicht ist?) die Band Biffy Clyro. Und wie das nun mal so ist mit der Liebe, geht man mit ihr durch dick und dünn, arm und reich, gute und schlechte Zeiten. Deshalb ist meine Review ein Liebesbrief an B.C. Darin verarbeitet sind viele Lyrics der neuen Filmmusik sowie persönliche Erinnerungen an die Band. Der neugierige Leser findet die Songs, zu den verwendeten Zeilen, in Klammern und kann mich so auf meiner Reise durch Fiktion, Liebe und Musik begleiten.

Dear B.C.

Was ich bis zu diesem Tag im Sommer vor mehr als zehn Jahren an Liebe gekannt hatte, war nichts im Vergleich dazu, was mich vom ersten Gitarrenschrammeln an mit dir verband. „Did you ever really love?“ („Jasabiab“), habe ich mich nach unserer ersten Begegnung in Nürnberg gefragt. Und mein Herz wusste: Wenn du nur meine Hand nimmst, wird alles gut. Niemand ist so, wie du. Ohne dich wäre ich lieber tot. Aber, wer hat je gesagt, Liebe sei fair („Touch“)?

Du hast mir versprochen, nie mit meinem Herzen zu spielen. Als wir gemeinsam an dieser Küste standen und der Horizont so wunderschön aussah („Following Master“).

Ich bin dir gefolgt, durch die halbe Welt. Ich habe noch diesen schüchternen Freund von dir gekannt, der irgendwie Angst bekam, wenn man ihn zur Begrüssung knuddelte. Ich habe gehört, wie deine Freunde dich hin und wieder spasshaft Popstar genannt haben und sich in Acht nahmen, weil du immer so anspruchsvoll warst und jedes Detail sitzen musste. Der berühmte Teufel wohnt bei dir nicht nur im Detail, sondern in jedem deiner Knochen („Fever Dream“). Und Fehler führten auch mal dazu, dass du mit Gitarren um dich warfst.

Du hast mein Herz und meine Seele gestohlen, es fühlte sich an, als hätte ich Fieber („All singing and all dancing“), wie ich da in der ersten Reihe stand und im Moshpit die Bodenhaftung verlor. Du hast mich aufgefangen und ich habe in den tosenden Applaus eingestimmt. Oh, mein musikalischer bester Freund, wie ich dich mit dem Kern meiner Existenz geliebt habe („Colour Wheel“).

Wie verliebt ich in die Art und Weise war, wie du dir das Mikrofon in musikalischer Ekstase an den Kopf gedonnert hast. Wie viele Kilometer ich durch viele Länder unter tosendem Gelächter mit meiner besten Freundin fuhr, um dich wiederzusehen und in deinem Gitarrenregen zu baden.

Du wolltest dir immer treu bleiben, dich nie in die Massen einreihen, unabhängig sein, deiner Kunst folgen, deine schützenden Mauern aufrecht erhalten. In freundschaftlicher Zuneigung habe ich dich stets daran erinnert, dass du nicht alleine sein musst. Wie sollen wir alle überleben, ohne jemanden zu haben, den wir halten können („Colour Wheel“)? Ich habe zu dir gehalten, als du auf der Suche nach den richtigen Puzzle-Teilen warst. Wir haben immer gesagt, wird sind für immer beste Freunde, du und ich, in diesem beautiful life in 57 Noten.

Wie oft hast du gezweifelt und dich gefragt, wo zum Teufel Gott sei („Fever Dream“)?

Und wie neidisch ich war, als immer mehr Frauen sich in dich verliebten, deine Musik immer süsslicher und massentauglicher wurde und immer mehr „uhus und ahas“ deine einst hämmernden Akkorde säumten. Mit dem Gefühl im Herzen, als hättest du dich neuen Freunden zugewandt, brach ich, obwohl ich nicht brechen wollte und sprach, obwohl ich ich nicht sprechen wollte („Sunrise“), darüber, dass ich nicht mehr mochte, wer du geworden warst. Irgendwie zu glatt, zu unrasiert. Als du in London in dieser pelzartigen Jacke statt rough und oben ohne auf der Bühne standest, mich keines Blickes mehr würdigtest, als wäre ich eine Fremde und du der grosse Popstar – da brach mein Herz. Auch ich wollte doch nur verehrt und nicht ignoriert werden („Adored“).

Ich wollte nichts sagen, dir keinen Schmerz bereiten, schliesslich warst du mir keine Rechenschaft schuldig, und es war nur in Ordnung, dass du neue Töne kenne lerntest und dich der Masse zuwandtest, die dich endlich so verehrte, wie ich es all die Jahre getan hatte.

Und wie ich da stand und zu dem Baum aufblickte, der so lange Zeit mit dir herumgereist war, dass er schon ganz knorrig und brüchig da auf der Bühne vor sich hinwiegte, fühlte es sich an, als wäre alles, was wir hatten, in Feuer und Schnee davon geschmolzen („Touch“).

Und dann, vor einigen Tagen wurde mir klar: Wir können zurückspulen. Du bist jetzt die Form einer anderen Geschichte, der Geschmack eines anderen Geistes („Tunnels and Trees“). Du brauchst die Balance, die du nun gefunden hast. Nicht die Symmetrie unserer Herzen, die uns verbunden hat („Balance, Not Symmetry“).

Ich bin froh, dass du nie wissen wirst, wie ich mich gefühlt habe die letzten Jahre. Dass mein Herz einen tiefen, traurigen Sonnenuntergang erlebt hat („Sunrise“).

Aber nun könne wir einen neuen Walzer tanzen. Du hast die Gitarren wieder eingesteckt, die „Lalas und Uhus“ durch deine zungenbrechenden Wortdreher ersetzt.

Ich werde mich nicht mehr vor dir verbeugen („Different Kind of Love“), dir nicht mehr durch die ganze Welt nachreisen. Auch ich bin älter geworden.

Aber du wirst immer mein Berg sein, eine einzigartige Liebe, die durch die neue Balance wieder zum Leben erweckt wurde. Aber ich habe das Bild von uns, das ich hatte, aufgegeben.

Und nun ist es eine ganz neue Liebe.

Weniger poetisch ich bin eine Schreiberin, schreiben war schon immer alles, was ich tun wollte, ich darf manchmal etwas kreativ-kitschig ausartenkönnte man auch sagen: Am gleichnamigen Filmskript beteiligt zu sein und diesen Soundtrack zu schreiben, hat Simon Neil und seinen Zwillingskumpanen Ben & James richtig richtig gut getan. Ich gebe zu – die letzten Alben von Biffy Clyro konnten mein Herz nicht mehr erwärmen. Es fühlte sich an, wie eine Shakespeare-esk traurig zu Ende gegangene grosse Liebe mit schmerzenden Erinnerungen an die gute alte Zeit. Damals, als mein 20-jähriges Ich schüchtern nach einem Foto und nach Drumsticks fragte, die man als Trophäe mit nach Hause nehmen konnte. Damals, als ich und meine beste Freundin bei jedem Konzert in der ersten Reihe standen, bis die Roadcrew uns schon an den Haarspitzen erkannte. Aber „Balance, Not Symmetry“ ist wie eine Granate in mein Herz geschlagen und ich habe wie angworfen erkannt, dass Liebe wachsen und gedeihen und sich auch verändern kann. Aber manchmal ist sie dennoch endlos und für immer.

BIFFY CLYRO: „Balance, Not Symmetry“, out (Warner Music)

Teaser aller Songs gibt’s hier warnermusic.de

Biffy Clyro spielen am 6. August 2019 an der Virgin Radio Rock Night im Rahmen des Heitere Open Air.

(Image Credits: Warner Music)

 

 

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