Anoraques verstörend schöne Liste

Gerade hat die Basler Alternative-Band Anoraque dieses Video zum Song „For Now“ veröffentlicht. Es gibt den Hauch einer Ahnung davon, mit welcher Intensität ihr Sound auf das Live-Publikum einschlägt. „For Now“ ist auf dem im Frühling erschienenen Album „Disturbing Grace“ zu finden. Und wir wollten von Anoraque jetzt einfach mal wissen: Was versteht Ihr denn eigentlich unter verstörender Musik? Die Antwort in zehn hochinteressanten Songtipps:
  1.  Stian Westerhus – „Amputation„: Das experimentelle Stück eröffnet mit einer langen instrumentalen Einleitung. Ein Teppich aus dunklen Geräuschen und Klängen unterstützt den Einstieg von Stians sehr eleganter Stimme, mit der er das Chaos in etwas Schönes umwandelt – neun Minuten Trance und der beste Fuzzsound aller Zeiten.
  2. St Vincent – „Surgeon„: St Vincent hat das einmalige Talent, Schönheit in etwas Psychotisches zu verwandeln. Der Song fängt scheinbar nett und lieblich an, aber spätestens mit der Hook „best finest surgeon, come cut me open“ wird der Song verstörend und endet in einem finalen, hektischen Gitarrensolo.
  3. Chris Weisman – „North of Suicide„: Ein weiteres Beispiel eines Songs, der schön klingt, bis man genauer auf den Text achtet: In diesem Fall wird das Tabuthema Suizid auf morbide Art besungen: „Death is like a grin.“
  4. John Frusciante – „Head (Beach Arab)„: Als das Album „Niandra Lades And Usually Just A T-Shirt“ rauskam, war John Frusciante so ziemlich auf jeder vorstellbaren Droge – vor allem Heroin. Das alleine ist eigentlich verstörend genug. Dass man diesen Umstand aber jedem der 25 Songs anhört und trotzdem noch geniale Ideen dahinter erkennt, ist richtig abgefahren.
  5. The Mars Volta – „Cassandra Gemini„: Der Song lässt beide Übersetzungmöglichkeiten von „Disturbing Grace“ zu: Verstörende Anmut, oder die Anmut verstörend – das ist pure Hektik, aber dann kommt noch ein relativ eingängiger Refrain am Schluss.
  6. Fugazi – „Latest Disgrace„: Das Ticken am Anfang verrät nichts Gutes, der Rest klingt dann wahlweise nach Nihilismus oder mühevoll gebremster Wut. Schwer einzuordnen und deshalb in dieser Liste.
  7. PJ Harvey – „Who The Fuck?„: PJ Harvey war die grösste Inspiration zur Zeit der Produktion unseres Albums. Ihr Auftreten und ihre Musik vereinen auch immer wieder Gegensätze und Kontraste, wie „Disturbing Grace“.
  8. Lydia Lunch – „Atomic Bongos„: Lydia Lunch als Frau „Ungerade“. Immer provokant und stark, aber auch kindlich und melancholisch.
  9. John Zorn & Naked City – „Snagglepuss„: Bedienen sich jeglicher Stilistik, um alles wild durcheinander aneinander zu reihen und eine spannende aber dennoch komplett überfordernde Klangwelt zu schaffen.
  10. Deerhoof – „Criminals of the dream„: Eine weitere verrückte Rockband mit Frontfrau. Unkonventionelle Grooves treffen auf schön schräge Stimmen mit komischen Songstrukturen.

Und nun der Rockette-Bonustipp: Die verstörend anmutige Musik von Anoraque, live. 10.11. Schüür, Luzern (mit Leech), 10.12. Biomill, Laufen (mit Combineharvester / L’Arbre bizarre)

(Bild: zvg)

 

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