Arch Enemy live. Frau White-Gluz ist zu viel. Echt.

Arch Enemy spielten am 30. Juni im Z7 in Basel. Arch Enemy ist eine Melodic-Death-Metal-Band aus Schweden mit einer Frau als Sängerin. Die Frontfrau, Alissa White-Gluz, ist seit 2014 im Dienst. Und ich sags mal so: Alissa und ich werden keine best friends foreva.  

Es war im achten Monat des zweitausendundachtzehnten Jahres nach Christus, als Frau White-Gluz das Volk auf dem Summer-Breeze-Schauplatz besang … Als Arch Enemy am Summer-Breeze-Festival in Deutschland spielten, nervte ich mich ziemlich schnell über das ständige „Clap your hands!“, „Sing it!“ und andere Aufforderungen gegenüber dem Publikum, die die Frontsängerin von sich gab.

Man streitet sich ja oft darüber, was nun besser sei: Wenn die Band auf die Bühne kommt, ohne Gelaber spielt und sich dann verzieht, oder wenn die Band mit dem Publikum interagiert und sich beim Abschied bedankt. Nun denn, seit Alissa weiss ich, dass es auch eine dritte Möglichkeit gibt: HALT DIE FRESSE!

Wann immer ich nach dem Summer Breeze das Faktum des ewigen Gelabers von Arch Enemy in eine Runde warf, kam meist die Antwort: „Aber sie ist eine Frau und macht das ganz gut. Für eine Frau“. Ja bei aller Liebe, liebe Männer! Habt ihr eigentlich in euren altbackenen Hirnen das Mittelalter überwunden und können wir jetzt BITTE über Musik reden? Bei Männern sagt man ja auch nicht: „Naja, der nervt zwar, aber hey: er ist ein Mann und macht sein Ding ganz gut, darum drücken wir ein Auge zu.“

Ich drückte und drückte kein Auge zu, sondern starrte mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund auf die Bühne und glotzte die Alissa an. Ich ging zum Konzert, weil ich der Meinung war, dass der Auftritt am Summer Breeze alles in allem sehr gut war: Die Musik stimmte, die Power stimmte, die Show war gut. Die Frontfrau ist echt ein Energiebündel. Aber eben, dieses dauernde „One more time“ und „Make some noise“ war einfach too much. Trotzdem gab ich ihr noch eine Chance.

Wieder spielten die Musiker makellos, der Sound war super. Doch schon im ersten Lied animierte Frau White-Gluz das Publikum VIER VERFICKTE MAL!!! Grund genug, um das mal zu zählen. Ich hab mir also quasi eine Strichliliste mit Animationen der Frontfrau gemacht.

Kriterien: Sie mussten ausgesprochen sein. Wenn sie zum Beispiel sagte „clap your hands, sing with me“, dann gab das einen Strich. Die Gestik wurde nicht mitgezählt. Wenn sie also ihre Hände hinter die Öhrchen hielt (das heisst ja, wir müssen singen oder eben lauter singen) oder wenn sie animierend in die Hände klatschte, ohne was zu sagen (also etwa so wie in einem Wasseraerobic-Kurs für Senioren ein Animateur die müden Teilnehmer zu unterhalten versucht), dann wurde das nicht gezählt.

Was sie so von sich gab, habe ich ebenfalls notiert und möchte es euch keinesfalls vorenthalten:

–          Sing it

–          I can’t hear you

–          I can’t fucking hear you

–          Clap your hands

–          Make some noise

–          Hands in the air

–          Everybody scream

–          One more time

–          Let’s go

–          Hoo hoo hoo (was man so macht, wenn man will, wenn das Publikum in die Hände klatscht)

–          Peoopleeee

So. Alissa White-Gluz hat uns in 90 Minuten 45 Mal aufgefordert, zu klatschen, zu singen oder rumzumöööggen. fünfundvierzig Mal. FÜNF.UND.VIERZIG!!!!!! Das heisst, sie hat alle zwei Minuten ein Song unterbrochen, um uns zu animieren. Und wie gesagt, alle wortlosen Gesten NICHT mitgezählt – das waren mindestens nochmals so viele. HERRGOTTNOMAL!

Aber ich will gnädig sein und die Frage in den Raum stellen: Woher kommt das? Folgende Möglichkeiten habe ich mir als Begründung überlegt:

  1. Das Publikum ist ihrer Meinung nach zu lahm (im Z7 wie auch am Summer Breeze Festival)
  2. Sie hat einen Kratzer in ihrer Platte und wiederholt sich nicht absichtlich
  3. Das macht man in Schweden nun mal so und die bisherigen schwedischen Bands, die ich live gesehen habe, machen das alle falsch
  4. Das ist eine neue Art von Wasseraerobic-Kurs für Metaller: Ich nenn’s den Konzaerobic-Kurs

Was auch immer es sein mag. Das geht nicht!

Darum eine Bitte an alle Bands da draussen: Bitte, BITTE labert nicht rum. Ihr habt das nicht nötig. Arch Enemy hat das auch auf keinen Fall nötig. Kommt auf die Bühne, haut rein, sagt während des Konzerts vielleicht kurz (KURZ) ein zwei Dinge und spielt, was das Zeug hält. Denn wollte ich überanimiert werden, ginge ich in ein scheiss All-Inclusive-Hotel.

(Bild: Facebook Arch Enemy)

GUESTLIST: Aline Hug, Nidwaldnerin in Bern, geht stets all in – das passt zum Namen wie ein Stempel auf die Stirn. Die Helden: Lemmy Kilmister, Jimi Hendrix, Jim Morrison. Mag: Konzerte, CDs, unangebrachten Humor, viel Metal. Und viel Nicht-Metal. Und so.

Tags:

One thought

  • Endlich spricht das mal jemand aus! Es wird zuviel gelabert an Konzerten. Manchmal auch von der Bühne herab, meistens aber vom Publikum. Ich mag da altmodisch sein, aber verd** nochmal, it’s all about Music! Labern kann man anderswo! Danke.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.