Auf dem Anbaggerhügel

Das Gurtenfestival blöd finden gehört in Bern quasi zum guten Ton. Schliesslich ist das Musikprogramm etwa so uninspiriert und irrelevant wie jenes auf SRF3, aus Geldgründen werden viel zu viele Leute auf dem kleinen Hügel zusammengepfercht, die Foodstände sind langweilig, alles ist jedes Jahr genau gleich, kommerzig und gähn, und am Ende gehts ja eh nur um die ganze Anbaggerei, plug in, baby!, wer kümmert sich schon um die Musik (ich sage nur: Schuhbändel und Bacardi Dome, resp. neu Casa Bacardi, jaja). Der Gurten ist quasi die BEA unter den Festivals. Ein Angebot für Landeier in der Stadt. Es hat jetzt sogar schon einen John-Deere-Stand, party people!

Den Preis für die beste, weil ehrlichste Berichterstattung geht dieses Jahr deshalb an Watson. Die haben vier Tage lang über Bier und über Bier geschrieben (und über die Türkei). Wir ziehen den Hut!

Und trotzdem gehen dann am Ende immer alle, weil die Gspänli sind halt auch alle dort. Und wir müssen gestehen: Sogar wir alten Misanthropinnen hatten eine fabelhafte Zeit. So ganz ohne Erwartungen kann irgendwie nicht viel schief gehen. Und selbst musikalisch wars teilweise sehr nett, insbesondere mit Frank Turner, Nathaniel Rateliff, den Lumineers und Muse.

Ein bisschen wie Dorffest. Oder Fasnacht. Völlig okay, wenn man es ganz entspannt nimmt.

Ein paar Verbesserungsvorschläge nur: Wie die Westschweizer Festivals (Paléo, Montreux) die Dorfvereine die Bierstände betreiben lassen – das würde dem Gurten ein kleinwenig Charme verleihen. Und in Zeiten von Foodfestivals und Streetfood und Foodtrucks ein paar fantasievollere Fressstände: Das wäre schon viel. Ein paar Kunsthochschüler könnten auch noch was basteln, wie glaubs an der Kilbi jeweils, das gäbe ein kleines Gegengewicht zum Sponsorenmüll, „Kunst am Festival“ sozusagen, damit das Ganze etwas weniger durchdesignt und unpersönlich daherkommt (Corporate Identity bis hin zu den Lampenschirmen – give me a break!).

Mit dem Line-up wollen wir jetzt gar nicht anfangen. Man soll sich ja nicht zu viel vornehmen.

Wir hatten unter anderem eine fabelhafte Zeit (siehe oben), weil wir auch ein wenig gearbeitet haben. Vorerst gibts jedoch Bilder:

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Nathaniel Rateliff erklärt gerade, dass er Appenzeller Schnaps mag. Gerne hätten wir das Thema vertieft, doch wir müssen zum Date mit Wesley Schultz von den Lumineers. Der aber noch gar nicht auf dem Berg ist!

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(Bilder: Redaktion Rockette)

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