Beast from the East: der Soundtrack

London wurde kürzlich heimgesucht. Von der Bestie aus dem Osten. Oder wie wir in der Schweiz sagen würden: Es hat halt ein bisschen geschneit. Keine grosse Sache. Eigentlich. Doch in London ist eben schon alles etwas skurril. Von Crop Tops, Hamsterkäufen und verkehrter Welt auf Instagram. Und wie das immer so ist im Leben, für jede Situation gibt es den passenden Soundtrack.

Ich bin ja wirklich schon lange verliebt in London. Deshalb habe ich mich auch dafür entschieden, für eine Weile hier zu leben. Die bunte Vielfalt, immer ist etwas los, die vielen tollen Restaurants und die Musik, da gerate ich rasch ins Schwärmen.

Mein ultimativer London-Song, wie könnte es auch anders sein:

Und auch die Engländer mag ich. Ihren Humor, wie sie einen, ob im Restaurant oder an der Supermarktkasse, stets „Darling“ und „Love“ nennen oder wie effizient sie Rolltreppen benützen – hier ist „Rechts stehen, links gehen“ Gesetz. Aber was dieser armen Stadt und deren Bewohner in den letzten Tagen durchmachen musste, schrecklich.

Nun also sah London rot. Ehm, ah nein, sorry, weiss natürlich! Überall weiss. Also eigentlich nicht wirklich, denn die grossen Flocken wurden in der City ständig von Schneeregen abgelöst, der die ganze Pracht rasch zunichte machte und in grauen, rutschigen Matsch verwandelte. Dennoch, Temperaturen von bis zu -2 Grad und Schneefälle – für die Londoner bedeutete dies unübersehbar Ausnahmezustand. Vom „Beast from the East“, der Bestie aus dem Osten, war die Rede. Bei „Beast“ musste ich natürlich als erstes an die Beastie Boys denken, und bei einem Blick in die entsetzen Gesichter um mich herum, war der einzig wahre Soundtrack für diese Lage kristallklar:

Die bis zu -15 Grad und die wadenhohe Schneedecke in der Schweiz, das nenne ich Schnee, dachte ich mir. Aber ja. In den letzten Jahren habe London nie mehr richtig Schnee gesehen, die Krisenstimmung sei also angebracht. Okay, fair enough, ich will mich ja nicht über meine geschätzte Lieblingsgrosstadt lustig machen. Und kalt war mir schliesslich auch. Mehr als jemals zuvor. Immer und überall. Ganz besonders, als ich am schlimmsten Unwetterrtag ins Kino wollte, dieses aber fluchtartig wieder verliess. Der Grund dafür: Der Saal war doch tatsächlich klimatisiert. „That’s what I call crazy“.

Überhaupt kamen die ganzen Wetterkapriolen hier mehr als überraschend, warme Jacken suchte man in den Geschäften vergeblich. Gibts nicht. Dafür reichlich Sommerkleider und Bikinis. Für den Ausgang ja hierzulande völlig angebracht, im Alltag dann doch eher schwierig. Auf Facebook postet ein hiesiger Nachrichtendienst ein Video mit Tipps zum Warmanziehen von Modedesignstudenten. Schichtenlook war der Toptipp. Das Girl mit dem Crop-Top bBauchfrei) unter der Jacke lächelt dazu verschmitzt: „Heute war Waschtag.“

Britney wäre stolz gewesen:

Wer bei dem Wetter noch Zug fährt, ist übrigens selbst schuld, plötzlich lobe ich mir die SBB (oh Gott, habe ich das wirklich gerade geschrieben?!), in London geht gar nichts mehr. Und wenn, dann nur begleitet von lautstarken Durchsagen, die die Leute mahnen, auch ja vor 8 Uhr zuhause zu sein, denn ab dann ginge dann ganz bestimmt nichts mehr.

Da kann man dann laaaange warten:

Doch nicht nur nachhause hechten musste man, sondern auch in den Supermarkt, denn dort wurden Brot, Milch und Eier knapp wegen all der Hamsterkäufe. Hamsterkäufe für drei Tage Schneefall.

„Hungry. Starving.“:

Ach, ich wollte mich ja nicht lustig machen, aber lachen musste ich trotzdem immer wieder. Sorry.

Panik, Entsetzen, Abscheu, das Mädchen, das abends durch den Matsch an der Oxford Street stampfte und dabei fluchte: „Ich hoffe, wenn ich morgen aufwache, ist das alles wieder weg.“ Doch neben all dem gab es in den letzten Tagen auch ein sanft gepudertes, idyllisches, märchenhaftes Winter Wunderland London, wo alle den Schnee lieben. Alles nur einen Klick entfernt, auf Instagram.

#beastfromtheeast oder eben durch die gefilterte Scheinwelt:

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.