Bien joué

„Bien Joué!“ Mit diesen Worten kommentierte Franklin James Fisher, Sänger von Algiers, mein Tun. Aus dem Augenwinkel schaute er nämlich, was ich da hinter seinem Rücken so treibe. Ich habe im Foyer des Alhambra ein Poster von der Pinnwand geklaubt, um es dann von ihm signieren zu lassen. Aber halt. Meine Rockette D. sagt immer, ich solle die Leser an die Hand nehmen und meine Gedanken zu Ende bringen. Darum spulen wir an den Anfang der Geschichte.

Algiers

Ich spienzle immer mal, wo Algiers, die Band, um welche es eben hier geht, auftritt.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung mehr, warum ich auf sie aufmerksam geworden bin. Der einzige der Band, der sonst noch bekannt ist, ist Matt Tong, der bei Bloc Party mitspielte. Aber vielleicht war es auch der Spiegel, der in einem Artikel den Sound von Algiers mit Marvin Gaye, MC5, Industrial Dub und Gospel umschrieb. Nett. Für mich ist es einfach nur Rock. Wenn auch nicht immer mit Gitarren. Und wer jetzt der Meinung ist, Rock brauche zwingend Gitarren, kann mir sicher die Frage beantworten, in welchem Song die Young Gods Guns N‘ Roses sampeln. Hat zwar absolut keinen Zusammenhang mit Algiers, aber die Frage wollte ich schon immer mal stellen (Anm. d. Red.: Und schon hat er wieder den Faden verloren …).

Nachdem Algiers letzten Sommer als Vorband von Depeche Mode unterwegs waren, spielten sie letzte Woche in Genf. Dort im Rahmen des Antigel Festivals im Alhambra, als Support Act von Blonde Redhead. Das habe ich per Zufall irgendwo in den Wirren der Social Media mitbekommen. Zwei Bands von diesem Kaliber für 38 Stutz, das ist man sich als Deutschschweizer auch nicht mehr gewohnt. Das Alhambra ist sowieso ein schönes Konzertlokal, ein ehemaliges Theater, mit Sitz- und Stehplätzen und schöner Clubatmosphäre. Also haben wir spontan Tickets gekauft und Hotel gebucht.

Wir waren früh im Alhambra und konnten uns gute Sitzplätze sichern (Das Alter, jä nu). Bis zum Konzertbeginn war es noch etwas hin, so nutzte Dominique die Zeit, um sich im Influenzen zu üben.

 

Vor dem Lokal entdeckte ich noch Polar, den Veranstalter des Antigel. Ihn habe ich vor Jahren mal ins Kofmehl gebucht, und schon damals erzählte er mir, dass er ein Festival namens Antigel gründen möchte, wo Konzerte an speziellen Orten wie Busdepots, Schwimmbäder oder auch Gefängnissen stattfinden sollten. (Geredet habe ich dann nicht mit ihm, er war vertieft in eine Diskussion mit dem Drummer von den Blonde Redheads).

Algiers legten um Punkt 20 Uhr los. Wie soll ich den Sound beschreiben? Schwierig, ich stelle mir aber amüsiert die Depeche-Mode-Fans vor, auf die diese Band losgelassen wurde. Algiers haben eine klare Haltung, spielen mit viel Druck und vor allem die Gesangsloops von Franklin James Fisher sind faszinierend. Entfernt erinnert mich der Stil an TV on the Radio, jedoch mit Nine-Inch-Nails-Einschlag.

Nach 60 Minuten war das Algiersfest vorbei und ich hoffte, dass Blonde Redhead die Vorband kontern können. Gelang ihnen aber nicht, gesanglich war das leider sehr, sehr dünn. Aber was will man machen, wenn der Sänger der Vorband auch in einem Gospelchor bestehen könnte.
So schlichen wir nach ein paar Songs hinaus ins Foyer. Da lehnte ein relaxter Franklin James Fisher an einem Stehtisch und unterhielt sich mit Bekannten. Während das Paar vor uns die gleiche Idee hatte, nämlich die soeben erstandene LP signieren zu lassen, zwängte ich mich hinter sie und nahm das Konzertplakat hinter Fisher ab. Dies kommentierte dieser eben mit „Bien joué!“.  Ganz Profi, hatte er einen Marker dabei und signierte sowohl die LP als auch das Plakat, auf dem leider nur ein Foto der Blonde Redhead drauf ist. Das habe ich aber erst zu Hause bemerkt.

 

Marcel

Marcel ist Rockette Man. Also liiert mit einer der Rocketten. Am liebsten schnurret er nur rein, aber da seine Rockette im Moment grad nicht so Zeit hat, muss er selber ran. Geschult durch die CD-Sammlung seiner Tante Käthi ist er musikalisch top qualifiziert (Guns’N’Roses, Hothouse Flowers, Depeche Mode, U2 uvm.) Er war Aftershow DJ von Rednex und Krokus. Ha. Ha. Und er hat Britney Spears auf zwei verschiedenen Kontinenten live gesehen. Das hat er nicht einmal bei Pearl Jam geschafft. Noch nicht.

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