Kurts Korner: Big in Lebanon

sandmoon aus Beirut machen Musik jenseits der einfachen Kategorien. Was das bedeutet, und warum eine Ukulele Muttergefühle weckt, hat unser Gastautor Kurt Werren in einem Gespräch mit dem guten Geist hinter sandmoon, Sandra Arslanian, erfahren. Ebenso, welches Auto die Frontfrau gerne wäre.

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Euer drittes Album ist fertig, wovon handeln die neuen Songs?

Es sind fünf Songs über Liebe, Beziehungen, Tod und Beirut. Meine Geschichten.

Warum nur fünf neue Stücke?

Ich habe schon mehr. Aber die sind noch nicht fertig. Lieber fünf richtig produzierte als zehn halbbatzige Stücke. Als Indie-Künstlerin muss ich immer auch aufs Budget achten.

Auf Fotos sieht man Sie mit einer Ukulele. Sie sind doch eigentlich Pianistin?

Oft folge ich meiner Intuition. So ging ich mal in ein Musikgeschäft und da hing diese Ukulele und sagte zu mir „nimm mich!“. Die Ukulele ist wunderbar; sie zu halten fühlt sich an, als hätte man ein Baby im Arm. Ich bekam gleich Muttergefühle.

Sie sind ein grosser von Fan von Prince, richtig?

Ja, stimmt. Ich sage immer, Prince war meine erste grosse Liebe. Und genau wie bei Prince ist #InTheEnd ein vielfältiges Album mit verschiedenen Stilen: Pop, Rock, Country, Folk, sogar Blues. Unser „Sign o’ the Times“ sozusagen.

Die Kunst Ihrer Band geht aber über die Musik hinaus.

Ein wichtiges Element von sandmoon sind auch die Videos, mit denen wir die Songs illustrieren. Da arbeite ich immer mit Profis zusammen, wahren Künstlerinnen. Der Libanon ist voll davon.

Time Has Yet to Comeist das erste Video von #InTheEnd. Was können Sie darüber erzählen?

Auf dieses Video bin ich besonders stolz. Wir haben es mit Pierre Geagea gedreht, einem tauben, zeitgenössischen Tänzer aus Beirut. Pierre macht das wunderbar. Er übersetzt die Musik von sandmoon in bewegende Gefühle. Ich weinte, als ich ihm beim Tanzen zuschaute.

Warum ist das Video so verschwommen? Liegt das an meinem Bildschirm?

Haha. Das haben schon einige gefragt. Aber das muss so sein, schliesslich stand Muriel Aboulrouss hinter der Kamera, die hat schon Preise für ihre Filme gewonnen. Das verschwommene Bild symbolisiert Pierres fehlendes Gehör. Er hört mit seinem Herzen. Das sollten die Zuschauer des Videos auch tun.

Das Video hat nicht nur mich begeistert. Die Leute von BBCs fresh on the net setzten es Anfang Juni gleich auf Platz eins ihrer Playlist.

Als ich das sah, sagte ich nur „wow!“. Ich meine, ich habe mein Herzblut in dieses Lied und dieses Video gesteckt. Und dann diese Anerkennung zu bekommen, das tat gut.

Wovon, ausser von Prince, sind Sie noch beeinflusst?

Sicher von meinem familiären Hintergrund, der Migration. Ich stamme aus einer armenischen Familie, die im Libanon gelandet ist. Aufgewachsen bin ich aber in Belgien; erst später bin ich wieder nach Beirut zurückgekehrt. Das Leben zwischen den Horizonten hat mich zur Geschichtenerzählerin gemacht.

Was ist so grossartig an Beirut? Man hört viel von der unglaublich lebendigen Partyszene.

Die gibt es schon. Aber das Leben in Beirut ist nicht nur Party. Viele von uns hier haben eine love-hate Beziehung zur Stadt. Man liebt sie und möchte im nächsten Moment gleich wieder wegziehen.

Wie geht es weiter für sandmoon? Sind Sie schon bald auf grosser Tournee, in Europa vielleicht?

Mit dem Touren ist es so eine Sache. Jeden Tag in einer anderen Stadt zu spielen, ist nicht so mein Ding. Ich bleibe lieber in meiner gewohnten Umgebung und arbeite weiter an meiner Kunst.

Können Stubenhocker berühmt werden?

So berühmt werden will ich gar nicht. Aber ich möchte schon, dass die Leute mich wahrnehmen und meine Musik kennen. Ich habe kürzlich angefangen, Filmmusik zu komponieren und ich suche nach Kollaborationen mit anderen Künstlern.

Wenn Sie ein Auto wären, welches wären Sie?

Was für eine Frage! Also, ich wäre sicher kein Ferrari und auch kein Mercedes. Ich wäre ein Smart ForFour. Der ist bescheiden – smart! – und hat genügend Platz für mich, meine Ukulele und meinen kleinen Chihuahua, der schon bald bei mir wohnen wird. Ein Smart ForFour, das passt.

SANDMOON: „#InTheEnd EP“, out 23.06.

Release-Konzert: 23.06. Station, Beirut (If you happen to be in town that night, you get the chance to visit this concert for free. Just be one of the first two visitors at the cashpoint showing this article – printed on paper or on your phone)


GUESTLIST: Der Libanon ist die zweite Heimat von Kurt Werren. Der Gastautor hat für Rockette aber auch schon den neusten und vielleicht verrücktesten Musiktrend aus Japan „importiert“.

(Pressebild)

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