Birthday Bash in Birmingham (feat. The Kills and Bob Mould)

Birmingham steht gewiss nicht zuoberst auf einer Bucket List. Und wenn selbst der ansässige Taxifahrer einen direkt nach London schicken möchte, „It’s only 1 hour by train, you should go there!“, ja dann ist man zwar in der zweitgrössten Stadt Englands, erntet aber trotzdem so manches Unverständnis. Es gibt keine grösseren Sehenswürdigkeiten, keinen namhaften Fluss, no Royals, no-no-nothing.

Birmingham Street Art

Aber hier geht es um den 40. Geburtstag von Marcel, und da ist das Wo egal, Hauptsache Musig. Pearl Jam sind grad nirgends auf Tour, darum wurden alle möglichen Konzertvarianten in Europa nächtelang durchdiskutiert, kurzzeitig standen aus lauter Verzweiflung sogar Justin Bieber und Selena Gomez zur Debatte, for heaven‘s sake, bis ein Konzert von The Kills – eben zu Birmingham – ausfindig gemacht werden konnte. Und noch besser, ein Konzert von Bob Mould tags darauf.

The Kills, O2 Institute, Birmingham

Da stehen wir nun, im O2 Institute, nicht zu verwechseln mit der O2 Academy, beides Konzertlokale in Birmingham (Wobei, O2 Academies gibt es auf der ganzen Insel. Die spinnen, die Briten). Das Institute ist ähnlich gross wie das Bierhübeli, auch mit Galerie, aber die ist an diesem Abend geschlossen. Seltsam, denke ich mir, eine ausverkaufte Halle habe ich schon erwartet, schliesslich haben The Kills fünf lange Jahre pausiert und eben erst ein Album rausgebracht.

Merchandise The Kills Birmingham
Merch

Doch das Institute füllt sich während der bezaubernd entrückten Vorband Georgia nur langsam, sehr langsam. The Kills gehen auf Platte immer, live hingegen, na ja, geht auch, aber irgendwie wirkt das Ganze auch very britisch.

The Kills O2 Birmingham
The Kills

Alison Mosshart hat zwar eine gewaltige Bühnenpräsenz, eine Stimme, die einen warm einpackt und einlullt, Jamie Hince ist hingegen im wahrsten Sinne des Wortes blass, so farblos wie das Publikum, ein Mix aus Herren mittleren Alters und ein paar betrunkenen Brit Chicks. Es fehlt den Kills an Hits und würdigem Publikum, der Sound ist dünn und wenig prägnant, jedenfalls an diesem Abend.

Bob Mould, O2 Academy, Birmingham

Gleiche Stadt, anderes O2. Diesmal eben in der Academy, ein Komplex mit mehreren Hallen, Bob Mould spielt vor rund 300 Leuten. Nein, sorry. Er spielt nicht. Er rockt. Wenn jemand dieses Verb überhaupt verdient hat (von wegen auf den Klangteppich scheissen), dann Bob Mould. An alle Gitarristen dieser Welt, seid wie Bob. Rockt wie Bob. Bobt.

Bob Mould Thumbs up

Obwohl im besten Alter, er sieht aus wie ein emeritierter Literaturprofessor, habe ich kaum ein mitreissenderes, geileres und ohrenbetäubenderes Rockkonzert geHÖRT. (In England gibt es übrigens keine Ohrstöpsel. Weiss ich jetzt. Dank Bob.) Und wer sich nun fragt, who the fuck is Bob, dann kennt ihr vielleicht den hier, oder dann die Züri-West-Coverversion davon oder ganz, ganz sicher das hier von den Foo Fighters mit Bob. Und wenn euch selbst Hüsker Dü kein Begriff ist, kann ich auch nicht weiterhelfen. Leider spielt Bob auf dieser Europatour nur Konzerte in England und Italien, vielleicht weil die Dezibelvorschriften in den anderen Ländern einfach zu streng sind, who knows.

 

Finally, Birmingham ist gar nicht so schlimm, imfall. Kaum Touris ist zur Abwechslung doch ganz angenehm. Und wenn es um Local Heroes geht, dann sind die aus Brum ganz stolz auf Duran Duran, Electric Light Orchestra, Phil Lynott, Black Sabbath und Judas Priest. Von hier kommt nämlich der Heavy Metal. Stahlbau, you know.

THE KILLS
TV ARTE: Berlin Live 15.10.17 um 00.20 Uhr 
Konzert: 27.10.17 (Support Georgia), Volkshaus Zürich, 11.11.17, Metropop Festival, Lausanne

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