Blaue Augen und Musik aus Island @Gurtenfestival

Asche über unser Haupt. Am liebsten würden wir uns selbst in den Allerwertesten treten. Und zwar dafür, dass wir kein Foto mit Ásgeir (ausgesprochen: Aus-geirsch)  gemacht haben.

Der stille Isländer hat uns nicht nur musikalisch beeindruckt, auch beim Treffen war er extrem sympathisch und natürlich. Und schöne blaue Augen hat er auch. So blau wie das Polarmeer, an dem seine Heimat, die kleine Vulkaninsel Island, liegt.

Mit vollem Namen heisst er übrigens Ásgeir Trausti Einarsson. Kein echter Isländer ohne ein „-son“ am Ende des Nachnamens, oder? Hach, diese Isländer. Ganz weit vorne liegt bei mir die Erinnerung an die Isländische Fussballnationalmannschaft an der EM 2016, die der Welt unter anderem gezeigt hat, wie man richtig zu klatschen hat. Wie ein echter Wikinger, eben. HUH! Ásgeir kennt das Klatschen auch von seinen Konzerten – total „overused“ findet er es.

Aber zurück zum Thema. Gemeinsam mit dem 25-jährgen Singer-Songwriter sitzen wir backstage auf einer Bank mit Blick über Bern. Er sei erst vor ein paar Stunden angekommen und habe seither nur Interviews gegeben, erzählt uns  Ásgeir. „Which ist cool.“ Vor meinem inneren Auge spielt sich gerade eine Szene auf rauer See ab, wo ein Schiff voller blonder, blauäugiger Wikinger unterwegs ist, die alle ruhig und stark in die Ferne schauen und die kalte Luft tief einatmen. Dass sie wohl eher gesoffen, gegrölt und vielleicht noch Schweinewerfen oder sonst was Makaberes gespielt haben, weiss ich natürlich auch, aber lasst mir bitte meine Tagträume. Egal, ich schweife schon wieder ab. Zurück zu unserem etwas schüchtern wirkenden Isländer (der ganz sicher keine Tiere herumwirft).

Also Ásgeir, wie gefällt es dir denn in der Schweiz?  „I love it!“ Besonders die Aussicht vom Gurten habe es ihm angetan. „I’m falling in love with Switzerland now“, sagt er weiter. By the way, der isländische Akzent im Englischen kommt auch ziemlich gut *räusper*.

Aufgewachsen ist Ásgeir in einem kleinen Dorf namens Laugarbakki mit nur 40 Einwohnern. Zeitweise war er gar das einzige Kind im Ort. Hey, da kommt mir mein Heimatort am Bielersee (um die 800 Einwohner) doch gleich nicht mehr ganz so kaffmässig vor, yeah! Nachvollziehbar, dass ihn da grössere Städte anfangs überwältigen. Inzwischen habe er sich aber daran gewöhnt und könne Grossstädte wie New York, London oder Berlin sogar geniessen – für ein paar Tage zumindest, dann reicht’s ihm dann doch wieder.

Aber wie sieht es denn dann mit dem Lärm und den Menschenmassen an Festivals aus? Immerhin tummelten sich auf dem Gurten täglich 20’000 Menschen. Das wäre dann Laugarbakki mal wie viel? Als Künstler mag er Festivals durchaus. Dass er als solcher auch einen gewissen Raum hat sich zurückzuziehen, erleichtert ihm dies natürlich. Zudem geniesst er die Gelegenheit, seine Musik neuen Menschen, die noch nie zuvor von ihm gehört haben (schuldig!), näherbringen zu können.

Sein erstes Album – ein riesen Erfolg in Island – war komplett auf Isländisch, beim Zweiten („Afterglow“) hat er dann auf Englisch gewechselt. „Icelandic is always gonna be closer to my heart“, sagt er. Aktuell arbeitet Ásgeir an einem neuen Album, wieder in seiner Muttersprache, das voraussichtlich Ende dieses oder dann nächstes Jahr erscheinen wird. Auf dem Gurten gab er übrigens auch ein paar Songs in Isländisch zum Besten.

(Bild: Facebook)

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