Bookette No. 2

Der Rockette-Buchclub geht in die zweite Runde: Mit einem Roman wie einem Plattenladen.

Gestern habe ich endlich mit der Rockette-Unterweisung meiner Nichte, die noch Baby ist, begonnen. Weil immer so viel love in the air ist, wenn ich sie ansehe, startete ich mit „Total Eclipse of the Heart“, Volltreffer, Nichte tanzte strampelte. Ich so, boah, das ist ja easy, und spielte Johnny Cash ab. Geschrei! Zurück zu Bonnie Tyler, yeah, Gekicher, dann wieder Geplärre bei  Johnny Cash, und dann brach ich ab, muss man ja nicht übertreiben beim ersten Mal, und zu viel Eclipse of the heart bekommt mir nicht, so bei Tageslicht.

Frank hätte das besser gemacht, glaube ich. Die Hauptfigur unseres neuen Bookette-Romans von Rachel Joyce spürt, welche Musik Menschen brauchen, um glücklich zu werden. In seinem Plattenladen treffen sich Nachbarn, Kunden und anderen Ladenbesitzer der gleichen Strasse und hören Klassik und Jazz, Pop und Punk.

Klingt nun ja, etwas, gähn. Ist es aber nicht. „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“ ist grossartig.

Aus mehreren Gründen. Dieser Mister Frank schwört auf Vinyl. Obwohl man im Jahr 1988, wie ihm zum Beispiel der EMI-Vertreter erklärt, CDs verkaufen müsse. Frank ist das egal, er mag Hidden Tracks und noch viel mehr den „Weg, den ein Album von einem Stück zum nächsten zurücklegt, mit einer Unterbrechung in der Mitte, in der man aufstehen und die Platte umdrehen muss, um sie zu Ende anzuhören“. Das Personal des Romans ist sympathisch, wenn auch nicht die Mutter von Frank, die Zeit ihres Lebens mit Peg angesprochen werden wollte und ihre Plattensammlung mehr liebte als ihren Sohn. Doch vor allem ist „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“ ein versteckter Plattenladen. Auf fast jeder Seite werden einem Tipps um die Ohren gehauen, der erste ist Genesis‘ „Invisible Touch“ (das geklaut wird, obwohl doch die früheren Sachen viel besser sind), dann folgt Aretha Franklins „Oh No Not My Baby“ (weil der Kunde eigentlich Chopin kaufen will, Frank findet, Aretha passe besser zu ihm). Oder man bekommt erklärt, warum Konzeptalben wie „Ziggy Stardust“, „At Folsom Prison“ und „The Lexikon of Love“ von ABC neben Vivaldis Jahreszeiten stehen müssen.

So. Und dieses Buch werden wir lesen und dann ein bisschen drüber reden. Bookette findet am 30. August ab 19 Uhr in unserem Büro statt (Monbijoustrasse 24 in Bern, zwei Minuten vom Bahnhof entfernt). Es gibt Bier. Und Vinyl.

Rachel Joyce: Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie (Krüger, Taschenbuch) oder The Music Shop (Penguin)

Baby-Nichte bekommt heute noch „Die vier Jahreszeiten“ zu hören, übrigens.

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