Bookette No. 3: Freaks – mal keine Chick-Lit

„Freaks“ – oder „The Anomalies“, wenn man es auf Englisch lesen möchte  – ist das erste Bookette-Buch, das super geschrieben sowie schnell und easy gelesen ist. Nicht, weil es nur etwa 200 Seiten umfasst, sondern weils Spass macht.

Rockette Nina hat der Roman zwar nicht so schnell in Stimmung gebracht wie mich. Aber sie habe davor auch zu viel Chick-Lit gelesen, gibt sie zu. Bücher also, die von hübschen, netten, gescheiten Menschen, vorwiegend Frauen, handeln, die sich beispielsweise erfolgreich als PR-Tante oder Designerin selbstständig machen, oder nach einer Trennung Hals über Kopf den Job schmeissen, um auf Reisen das ultimative Glück zu finden – wahnsinnig aufregenden Sex oder die ewige Liebe. „Freaks“ ist das komplette Gegenteil.

Der Schriftsteller und ehemalige The-Mullets-Sänger Joey Goebel wirft in seinem Debütroman aus dem Jahr 2003 einen satirischen Blick auf die Underdogs in einem Kaff in Kentucky. Da ist etwa die achtjährige, schwererziehbare Ember, deren 80-jährige Nanny Opal in Rock’n’Roll-Outfits herumläuft und ihre Altersheimkollegen mit viel Sex beglückt. Oder Ray Fuquay, ein Iraker, der in die amerikanische Kleinstadt gezogen ist, um den Mann zu finden, den er im Nahkampf eines Gefechts in Qasr al-Khubbaz angeschossen hat. Er will sich bei ihm entschuldigen. Und es gibt Aurora, eine wunderschöne, rebellierende Priestertochter, die lange gestrippt, aber noch nie Sex hatte, und den Afroamerikaner Luster, dessen dreizehn Brüder alle Jerome heissen und mit Drogen dealen. Die fünf sogenannten „Freaks“ gründen eine Band.

Während sie auf ihren ersten Auftritt hinproben, wachsen die Individuen, die in ihrem Umfeld fast schon als gemeingefährlich gelten, in Wahrheit aber über wahnsinnig viel Herz, Verstand, Humor und Kreativität verfügen, zu einer Art Familie zusammen. Einer bunten Truppe, die zwar aneckt, aber auch weiterkommt. Viel weiter als die verfaulten, ziellosen, verlorenen aber dennoch grossmäuligen Mitmenschen, die immer wieder in Erscheinung treten.

„Freaks“, das uns übrigens in einem Atemzug mit Goebels Zweitling „Vincent“ von den Misses Poe-Mitgliedern Rave Dave und Neil Nein empfohlen worden ist, wird viel zu diskutieren geben. Über die originelle Art der Figureneinführung und vor allem auch über die Bedeutung von Musik im tristen Alltag.

Deshalb: Lest das Buch und reserviert euch den Abend vom 31. Oktober. Alle weiteren Infos zum dritten Treffen des Rockette-Buchclubs findet ihr hier.

 

LEKTÜRE: „Freaks“ von Joey Goebel (Originaltitel: „The Anomalies“), erschienen bei Diogenes (2003)

(Titelbild: Rockette).

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