„Ich verkörpere so ziemlich alles, was für Reibung sorgt“

Vor 13 Jahren kam Brandy Butler aus Philadelphia als Aupair in die Schweiz. Mittlerweile ist sie  Vollzeitmusikerin, Mutter und liebend gerne „stuck“. Die kleine Schweiz liefere zwar weniger Inspirationen als etwa die USA, doch sei man viel schneller in aller Welt, um sie zu holen, sagt sie. Ihr erstes Soloalbum ist zu grossen Teilen unter der Wüstensonne New Mexicos entstanden.

In der Schweiz ist Reibung oft unerwünscht. Wer eine ausgeprägte eigene Meinung hat, schwimmt in der Regel gegen den Strom.

Ich verkörpere so ziemlich alles, was für Reibung sorgt: Ich bin Amerikanerin, ich bin gross, ich bin dick, ich bin schwarz, ich bin eine Frau, ich bin queer.

In meiner Musik geht es nicht um eine Message, dafür habe ich viel zu viel zu sagen. Bei mir sind eher die Emotionen wichtig. Ich bin Geschichtenerzählerin und wünsche mir, echte Momente vermitteln zu können, von denen die Leute das Gefühl haben, es könnten auch ihre Momente sein.

In Frankreich verstehen mich die Leute sofort. Was ich mache, wie ich es präsentiere. Andernorts gelte ich als gute Sängerin, in Frankreich werde ich intensiver wahrgenommen.

Die Songs auf meinem neuen Album habe ich in der Wüste geschrieben. Das hat mir so geflasht. Die Wüste hat mich krass berührt, ich hab mich verstanden gefühlt an diesem riesigen, ruhigen, einsamen Ort. Es ist mir wichtig, dass durch meine Musik die Erinnerung an dieses Gefühl aufkommt.

Was ich unter Erfolg verstehe? Erika Stucky ist Erfolg für mich. Egal was sie macht, alle lieben es. Sie macht ihr Ding, spielt hundert Konzerte im Jahr, kann reisen und hat trotzdem ihre Ruhe. Das Gefühl dass die Leute dich schätzen, egal ob du Hendrix-Lieder singst oder Örgelimusik machst, das ist Erfolg.

Dass in den USA konkurrenzmässig alles viel strenger ist, hat mir hier sehr geholfen. Den Drive zu haben, mein Ding zu machen und es bis zum Ende durchzuziehen. Ich bin happy in der Schweiz.

 

BRANDY BUTLER & THE BROKENHEARTED: „THE INVENTORY OF GOODBYE“, out

 

GUESTLIST: Wenn Worte nicht mehr ausreichen, um eine Künstlerin oder ein Künstler zu beschreiben, holen wir Fotografin Barbara Hess zu Hilfe.

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