Das Leben mit Tumor nehmen

Weil ich unbedingt endlich darüber schreiben wollte, habe ich mir die Autobiografie von Iron Maiden-Sänger Bruce Dickinson quasi über Nacht reingepfiffen. Das geht: Es ist ein Buch zum Querlesen.

Erst bei Samson, dann rund 30 Jahre bei Iron Maiden: Frontmann Bruce Air Raid-Siren Dickinson.

Will nicht heissen, dass es langweilig ist. Im Gegenteil, es ist sehr unterhaltsam und teilweise so lustig, dass ich laut herausgelacht habe. Doch ich gebe zu, dass mich die gefühlten 200 Seiten über die Eröffnungssequenz von „The Number Of The Beast“ dann irgendwie doch nicht so sehr interessierten wie Dickinsons schwierige Zeit in der Waterboarding School, in der er den Lehrern in die Suppe pisste und Pferdescheisse vor die Türe kippen liess. Oder seine Anfänge bei Iron Maiden, die von überstrapazierten Stimmbändern und Hahnenkämpfen mit Steve Harris geprägt waren. Der Bassist, der gefälligst vor ihm in der Band war, konnte einfach nicht akzeptieren, dass der neue Frontmann, wenn er sang, im Vordergrund stehen wollte. So steckte Dickinson nicht selten ein Bass in der Nase, wenn er sich in Richtung Bühnenrand wagte.

„What Does This Button Do?“ ist aber überhaupt gar nicht nur lustig. Schliesslich hat der Autor, also Musiker, also Pilot, also Fechter, also Motivationsredner, also Bierbrauer Bruce Dickinson das Buch nach seiner Krebskrankheit (von Hand!) geschrieben. Am Anfang seines zweiten Lebens, wie er sagt. So lässt er dann in dem Buch auch wirklich keine Details über den Ablauf seiner Chemo-Behandlung aus. Detailliert beschreibt er all die Tage, an denen er gedacht habe „whatever, hauptsache, sie gehen irgendwie vorbei und ein neuer beginnt“. Dass der 59-Jährige es geschafft hat, sein Schicksal „mit Tumor zu nehmen“, liegt wohl einfach daran, dass er Brite ist. Oder dass er summa summarum unter dem Strich über das Ganze gesehen doch ziemlich viel Glück im Leben hatte.

 

 

 

 

 

 

BRUCE DICKINSON:What Does This Button Do?
Heyne Hardcore Verlag

(Bilder: Internet)

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