Chris ist tot. Scheisse.

Verdammt. Chris Cornell ist tot. Selbstmord unter Medikamenteneinfluss heisst es. Scheisse. Es trifft mich unvermittelt in meinem Bünzlidasein. Das grosse Rockstar-Sterben hat ja letztes Jahr begonnen, und so makaber es klingt, eine gewisse Routine stellt sich mit dem Ableben der Jugendhelden ein. Hier ein Video posten oder dort ein kurzes RIP, je nachdem wie fest man Fan war/ist.

Cornells Tod geht mir aber näher als andere. Ich habe im letzten Jahr vermehrt Soundgarden gehört. Erst vorletzte Woche habe ich „Down on the Upside“, das letzte Album vor ihrer Trennung 1997, zum ersten Mal ganz gehört. Weil es der Bassist von Guns’N’Roses, Duff McKagan, in einem Blog empfahl. Eigentlich empfiehlt er alle Soundgarden-Alben. Dieses hob er darin hervor. Jetzt, wo ich McKagans Text nochmals lese, erscheinen mir seine Verweise auf Jeff Buckley und Prince etwas spooky. Ich hatte das Album schon beim Release gekauft, aber ungehört ins Regal gestellt. Bis eben vorletzte Woche. Und wie Duff es treffend formuliert: „That last Soundgarden album was a fuckin’ killer!“ Zwanzig Jahre brauchte es, dass dies auch mir klar wurde. Aber vieles bei Soundgarden dauerte bei mir etwas länger. Schade eigentlich.

Denn ich habe Soundgarden schon vor ihrem grossen Durchbruch mit dem Album „Superunknown“ live gesehen, sie waren 1992 Vorband von Guns’N’Roses und tourten mit dem Album “Badmotorfinger“. Damit blöff ich gerne, obwohl ich sie damals nur als Lärm wahrgenommen habe und sie in der brütenden Hitze des Joggelis einfach unnötig die Wartezeit auf Axl & Co. verlängerten. Egal. Tante Käthi und ich haben sie gesehen, als noch keiner sie kannte.

Eben. Soundgarden trennten sich 1997, aber ich war dort schon #TeamPearlJam und es kümmerte mich nicht weiter. In dieser Zeit schaute ich jedoch einen Film mit Johnny Depp, „Benny and Joon“, darin kommt das Lied „Pushin Forward Back“ von Temple Of The Dog vor. Die Band kannte ich bis dahin nicht, und das ist mir etwas peinlich, weil dies eine Supergroup aus Mitgliedern von Soundgarden UND Pearl Jam war. Chris Cornell hatte diese Band gegründet, weil sein Freund und Sänger der Band Mother Love Bone Andrew Wood 1990 an einer Überdosis Heroin verstarb. Temple of the Dog haben nur eine Platte aufgenommen, um Andy Wood Tribut zu zollen. Sie gehört für mich noch heute zu den besten Rockplatten aller Zeiten. Schon nur das Video zu „Hungerstrike“ in dem Chris Cornell und Eddie Vedder wortwörtlich im Schilf stehen, ist unerreicht. Dann das Gitarrensolo von Mike Mc Cready in „Reach Down“, ich komm aus dem Schwärmen nicht raus.

 

Die Soloplatten von Cornell hingegen konnten mich nie restlos überzeugen. Für seine Zusammenarbeit mit DEM Timbaland musste er gar viel öffentliche Häme einstecken. Ich fand die Single „Part of Me“ toll, kann aber die Kritik am Album „Scream“ verstehen. Weder Fisch noch Vogel, weder ein gutes Dancealbum noch ein gutes Rockalbum, musikalisch einfach zu unbestimmt.

Den Bondsong „You Know My Name“ zu Casino Royale hingegen fand ich klasse. Es passte zu dem damals neuen Bond Daniel Craig, der Song liess ihn noch markiger erscheinen.

Als Sänger Zack de la Rocha die Gruppe Rage Against The Machine verliess, haben die restlichen Mitglieder mit Chris Cornell die Band Audioslave gegründet. Die ersten beiden Alben und ein Live-Konzert 2005 fand ich richtig toll. Mir kam der Zusammenschluss aber nie organisch vor, und bevor sie richtig schlecht werden konnten, haben sie sich auch schon wieder aufgelöst.

Abgesehen von seiner musikalischen Karriere hat Chris Cornell 1992 auch im Film „Singles“ mitgespielt. Der Film spielt hauptsächlich in einem Häuserkomplex in Seattle. Zu sehen ist Cornell als Pantomime, neben vielen weiteren Grungegrössen (Pearl Jam, Alice in Chains, Soundgarden). Der Film ist richtig schlecht, hat aber wohl den besten Soundtrack aller Zeiten.

Singles: Chris Cornell, Jeff Ament, Matt Dillon, Layne Staley und Cameron Crowe (v. l. n. r.)

2014 taten sich Soundgarden wieder zusammen, und ihre Tour führte sie am Sonntagabend als Headliner ans Greenfield Festival. Ich war begeistert vom Konzert, denn sie trieben ihre Melodien neunzig Minuten lang kompromisslos mit Lärm voran. Im Gegensatz zu früheren Zeiten empfinde ich ihre Musik nicht mehr nur als Lärm. Das Konzert lies Soundgarden und Cornell wieder in meinem musikalischen Universum aufleuchten.

Aktuell war Chris Cornell mit den wiedervereinten Soundgarden auf Tour, letztes Jahr gab es im Rahmen zum 25. Jubiläum sogar ein paar Konzerte von Temple Of The Dog in den USA. Ich hatte die Hoffnung, dass Temple of the Dog demnächst auch ein paar Konzerte in Europa geben würden. Die sind jetzt jäh zerschlagen. Ich werde aber an Konzerte von Eddie Vedder reisen, die sicherlich im Zeichen von Chris stehen werden.

 

Black Sun Seattle
Black Sun

Rockette Man Marcel war 2014 mit seiner Rockette-Lady auf Seattle Stalking Tour. Diese führte zu den wichtigsten Plätzen der Musik-Geschichte in Seattle. Vom Haus von Kurt Cobain zur Skulptur Black Sun, die als Inspiration zu „Black Hole Sun“ von Soundgarden gilt, zu den wichtigsten Clubs und auch zum Drehort von Singles. In einem Minivan fuhr Charity unsere kleine Gruppe durch Seattle, erzählte uns amüsant ihre persönlichen Erlebnisse und wer mit wem und überhaupt in der Seattle Musikszene. A must do in Seattle. 

 

(Bilder: pearljam.com/cinema.de/privat)

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