Clubbing und innerliche Reisen

Sophie Hunger ist weitergegangen, Cat Power bleibt, nennt ihr bald erscheinendes, zehntes Studioalbum aber trotzdem „Wanderer“.

Sophie Hunger

Dieser Einstieg funktioniert natürlich nur, wenn man die neuen Alben der beiden (Sophie Hungers „Molecules“ kam letzte Woche in die Läden, „Wanderer“ erst im Oktober) nebeneinanderlegt. Was überhaupt nicht abwegig ist, denn in der Vergangenheit erinnerte Hungers Musik nicht selten an Cat Power. Und Powers neues Album an die Schweizerin, wie sie einmal war, bevor sie nach einer Trennung durch Berliner Clubs zog, ihre Berührungsängste mit der Elektronik verlor und sich von klassischen Instrumenten weitgehend verabschiedete. „Minimal Electronic Folk“ nennt sie den neuen Sound, der auf die vier Elemente Synthie, programmierter Beat, Stimme und Gitarre reduziert ist, und mit dem sie Kritiker (fast – die BAZ findet: In Hungers neuen Songs findet man zu wenig Substanz, als dass man mit ihr auf Spurensuche gehen will) einhellig überzeugte.

Ich mag es ja gar nicht, wenn Journalisten schreiben, Sophie Hunger riskiere den Verlust von Fans, nur weil sie Neues ausprobiert und ihr das erst noch mit Bravour gelingt. Sollen die, die sich an ihrer Freude am Rumcomputern stören, doch das neue Album von Cat Power kaufen. „Wanderer“ ist nämlich auf weniger subtile Weise warm, wohlig, wunderwunderschön. Folk zum Reinschlüpfen und Träumen, für innerliche Ausflüge, während andere die Romantik in kühlen Kellerclubs finden. Aber Achtung: auch auf diesem Album versteckt sich hin und wieder eine elektronische Spielerei. Und ich meine nicht dann, wenn Cat Power in zwei Mikrofone gleichzeitig singt:

Chan Mashall aka Cat Power

Mein absoluter Lieblingssong auf „Wanderer“ ist übrigens das Rihanna-Cover „Stay“. Vor allem, weil es eins zeigt: Cat Power ist, auch wenn sie ihrer musikalischen Linie seit vielen Jahren treu bleibt, keine Künstlerin des Stillstands. Wer Zauberhaftes wie diesen Song mit nichts und wieder nichts noch tiefer unter die Haut kriechen lassen kann, der muss in seinem Leben sehr oft unterwegs gewesen sein, viel gesehen und gespürt haben. Und wem solche Nummern dann wiederum zu unaufgeregt sind, der soll doch „Molecules“ von Sophie Hunger kaufen.

 

 

Sophie Hunger: „Molecules“, out (Caroline International) / Livedaten, hier.

Cat Power: „Wanderer“, erscheint am 5. Oktober (Domino Records) / Schweizer Konzert: 29.10., X-TRA Zürich.

(Bilder: Internet)

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