Sölled mal cho!

Die Schweiz ist für ihre Grösse (Kleine) ja grundsätzlich gesegnet mit recht vielen hochkarätigen Acts. Man zahlt hier halt noch einigermassen Gagen, und zudem gibts immer feines Catering (ich denke mal, das dürften die Gründe sein. Das sagen die Bands jedenfalls immer an den Konzerten. Also das mit dem Essen. Nicht das mit dem Geld.).

Aber es gibt Bands, die es trotzdem noch nie – oder viel zu lange nicht mehr! – in die Schweiz geschafft haben. Diese Bands und Künstler möchten wir endlich mal (wieder) live sehen, ohne ins Ausland fliegen zu müssen:

(PS: Wer fehlt auf der Liste? Bitte laut rausschreien. Oder ins Kommentarfeld schreiben.)

Ryan Adams – nein, nicht Brian Adams, ihr Banausen! Hihi. Ach, der Name ist ein Problem, ich glaube, viele Leute denken, das sei eine Brian-Adams-Cover-Band. Vielleicht ist der allerfleissigste aller Americana-Liebesliederschreiber deshalb in der Schweiz viel zu unberühmt. Oder vielleicht hat er Flugangst oder so. Jedenfalls war er ewig nicht mehr hier. (War jemand von euch 2002 an der Avo Session? Dann beneide ich euch.) (Sarah)

Pearl Jam – Das letzte Konzert in der Schweiz fand 2006 in der Bern Arena statt. Gelungen war es nicht. Wer veranstaltet auch ein Rockkonzert in einer Hockeyarena, scheinbar gänzlich ohne Erfahrung? Ihr habt Pearl Jam vergrault. Ihr Schweine. (Dominique)

PJ Harvey – Weil ich gerade eine Anfang-90er-Phase durchmache und weil ich immer in PJ verliebt war, und das letzte Mal, als ich sie sah (nein, nicht am Paléo 2011), war einfach nicht so befriedigend (in Locarno rauchten wir bei gefühlten 40 Grad gemeinsam eine Zigarette, was natürlich geblufft ist, sie war dort in der Jury des Filmfestivals, aber sie hat mich gar nicht erkannt, aber ich sie, und so platzierte ich mich neben ihr und fragte nach Feuer. Vielleicht war es auch mein Kollege, ja, wahrscheinlich, ich hab mich wohl nicht getraut). Sie gibt im April ein neues Album heraus, aber ein Konzert in der Schweiz ist nicht geplant. Bühüüü. (Nina)

Jason Isbell – Seine Qualitäten als Liederschreiber und Cowboy habe ich andernorts schon hymnisch gefeiert, aber ich würde den wahnsinnig gern auch endlich mal live sehen. 2008 spielte er mal im El Lokal, und die schrieben dazu ein wunderbares kleines Textlein („Isbell hat einfach ein Händchen für tiefgehendes, aber eingängiges Songwriting, kann mit der Gitarre umgehen und hat eine angenehm-warme Schmiergel-Stimme“ – Schmiergel-Stimme! Den märk ich mir!). Heutzutage ist er vornehmlich in Nordeuropa unterwegs, wenn er denn mal den Atlantik überquert, er hat sogar einen Song über Stockholm geschrieben, sozusagen das Bern Schwedens. Wäre im Fri-son aber sicher super aufgehoben. (Sarah)

Tom Waits – Der Herr gibt grundsätzlich nicht viele Konzerte. Das letzte in Europa 2013 in Amsterdam. Ob er je schon mal in der Schweiz gespielt hat, keine Ahnung. (Dominique)

Moloko – Ich weiss, die gibts nicht mehr, oder wie man auf english so schön sagt: Die sind disbanded. Kurz vorher, bevor sie sich (privat und musikalisch) trennten, waren sie noch auf Tour, und gaben 2003 am Gurtenfestival – als dieses noch einen nennenswerten musikalischen Anspruch hatte, oder besser: überhaupt einen Anspruch – ein gross-ar-ti-ges Konzert. Frau Murphy war angezogen wie ganz Abba in einer Person, sie war die personifizierte Fantasie einer Sängerin, so schön, so sexy, so wild, so furchtlos, aus irgend einem Grund habe ich an dieses Konzert fast orgiastische Erinnerungen. Später sah ich sie dann mal noch in Luzern, solo, sie war eine Zicke und es war furchtbar, die Magie war weg. Ich wünschte mir, die beiden kämen wieder zusammen. Und dann wiederum: So wie damals würds nie mehr werden. (Sarah)

Fiona Apple – Etwas eigenwillig ist sie, die Fiona. Aber das mit einer unglaublichen Grazie. Und sie schreibt sooo herzzerreissende Texte. (Dominique)

Billy Joel – damit ich jemandem endlich mal ein gutes Geburtstagsgeschenk machen kann. (Nina)

Jenny Lewis – Mein Allerlieblingsfräulein der Indiemusik, die Frau, die selbst im Regenbogenanzug gut aussieht: Ich würde ihr wahnsinnig gern zusehen beim Singen (und darum gehts doch einfach auch bei Konzerten. Nicht nur die Livemusik und das Gemeinsame und so. Sondern schlicht und profan: das ästhetische Erlebnis.) Einmal war sie da, 2005, damals noch mit Rilo Kiley und Conor Oberst und den Bright Eyes in der Roten Fabrik. Sowas hätte ich gern noch einmal. Diesmal aber mit mir im Publikum. (Sarah)

Kate Bush – Unvernunft öffnet die Türen zum Glück. Yes! Also am 26. September 2014 war das bei mir jedenfalls so. Nicht, dass ich zuvor nie unvernünftig gewesen wäre, NeinNeinNein, aber nicht unbedingt, was Geldausgeben für Konzerte anbelangt. But! Kate! blew! my! mind! Ich konnte noch nicht flüssig lesen, als mein Vater mir Kate Bushs Live-Konzert auf VHS (kennsch?!) nach Hause brachte. Diese Kostüme! Diese Show! Diese Stimme! Die Texte verstand ich natürlich erst viel später – und da verliebte ich mich gleich nochmals.

Seither begleitet mich Kate Bush durchs Leben. Sie live zu sehen war aber immer irgendwie utopisch. Nach der einzigen Tour 1979 setzte die Fee, Zauberin, Göttin, sie war alles für mich, keinen Fuss mehr auf die Bühne. Bis: 2014. Die 22 Konzerte im Hammersmith Apollo in London waren im Nu ausverkauft. Mir blieb der Schwarzmarkt. Mit Preisen zum grün und blau ärgern. Janu. Never ever hätte ich mir verziehen, diese einmalige Chance nicht genutzt zu haben. Also: Kate and Breakfast sozusagen, das „Bed“ war eine üble Absteige, ich blieb nur eine Nacht, und da hab ich vor lauter Euphorie eh kaum geschlafen. Schliesslich hiess das Konzert auch „Before the Dawn“, also vor der Morgendämmerung, da sass ich schon fast wieder im Flieger zurück in die Schweiz.

A Propos Schweiz: Please Kate, it is beautiful here! Sie ist bescheiden: Passt. Sie mag kleine, überschaubare Konzertsäle: Passt. Sie mag keine langen Reisen: Passt. Passt irgendwas nicht? However, ich würd wieder nach London oder Londrina (Brasilien) oder mira nach Long Island (Bahamas) fliegen, um in ihre Welt zu gelangen.

Wie viel ich 2014 für das Happening bezahlt habe? Bleibt mein Geheimnis. Aber: Die Rechnung ging am Schluss 100-mal auf! Ging es doch um nichts anderes als um drei der kostbarsten, einzigartigsten Stunden ever. Wie ein unerwarteter Kuss, ein wilder, flüchtiger Blick, eine innige Umarmung ging mir diese Nacht in London unter die Haut. Und bleibt dort. Bis heute. Forever. (Simone)

(Bild: Intro)

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