Conor Oberst rauf und runter

Conor Oberst schüttelt Songs aus dem Ärmel wie andere Leute Meinungen. Seit seinem Debut 1998 hat er 14 Studioalben (mit Bright Eyes, Desaparecidos, Monsters of Folk und solo) produziert. Keines schaffte den Erfolg von Bright Eyes‘ „I’m wide awake, it’s morning“ (2005, darauf ist „First day of my life“, ihr erinnert euch). Aber gerade hat der Songwriter aus Omaha ein neues Solo-Album veröffentlicht, es heisst „Ruminations„, und ich kann nicht aufhören, es rauf und runter zu spielen. Lange her, dass es mir mit einem Album so ging.

Viel akustische Gitarre, Klavier und Mundharmonika, dazu Obersts charakteristische brüchige Stimme, aus der die ganze Teenage Angst einer Generation klingt, und diese Texte, die man lesen muss, um sie halbwegs zu verstehen: Es ist pur und traurig und schön.

Conor Oberst ging es die letzten Jahre nicht so gut, eine junge Frau hatte 2013 Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn erhoben (die sich schliesslich als „100% falsch“ erwiesen), in seinem Hirn wurde eine Zyste entdeckt, er hatte mit Alkohol und für einen Mittdreissiger crazy hohem Blutdruck zu kämpfen. Jetzt ist er – nach Jahren in New York – zurück in seiner alten Heimat, in Nebraska, und wiederkäut (to ruminate) allen Kummer der letzten Zeit zu grossartig einsamem, pessimistischem Indie Folk.

Conor Oberst: RUMINATIONS (Nonesuch Records) LIVE: Am 20. Januar 2017 im Kaufleuten, Zürich.

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