Da muss ein Coiffeur ran

Ich habe das Bandfoto der dänischen Rockband Go Go Berlin keine halbe Sekunde angeschaut und gewusst, diesen Herren bin ich nicht gewachsen. Also habe ich die Fragen für das Telefoninterview mit Gitarrist Mikkel Dyrehave vom musikaffinen Coiffeur Gem zusammenstellen lassen. 

Dyrehave war gerade auf dem Sprung in den Übungsraum, als ich ihn irgendwo in Dänemark erreichte. Dort haben Go Go Berlin in den letzten zwei Jahren die meiste Zeit verbracht. Sie haben Songs geschrieben und über ihre Frisuren geplaudert. Die Aufnahmen für das neue Album seien gemacht, alles Drum und Dran in der Endphase, so der Gitarrist. Wann der Nachfolger von „New Gold“ (2013) und „Electric Lives“ (2015) erscheinen und wie er heissen wird, steht jedoch noch nicht fest. Im Moment zählen für Mikkel Dyrehave sowie Frontmann Christian Vium, Anders Søndergaard (organ) und Christoffer Østergaard (drums) nur die Schweizer Konzerte vom nächsten Wochenende, an denen die Dänen einige ihre neusten Songs zum allerersten Mal präsentieren werden.

Weil Rockette Nina zu Recht danach gefragt hat, hier der wahre Grund dafür, dass ich das Erstellen des Fragebogens extern gegeben habe: Ich stecke seit einiger Zeit in einer tiefen Interviewkrise und finde JEDE Frage von mir entweder langweilig oder richtig scheisse. Und dass ich auf einen Coiffeur kam, liegt ja irgendwie auf der Hand.

Mikkel, Christian, Anders, Christoffer, Emil (nicht mehr dabei).

Wie wichtig sind euch eure Haare?

Mikkel Dyrehave: Sehr wichtig. Für viele Musiker sind die Frisuren wie ein Kleidungsstück.

Habt ihr eine persönliche Beziehung zu der Person, die eure Haare schneidet?

Ja, wir haben sogar alle die gleiche Coiffeuse. Wir haben eine Zusammenarbeit mit ihr.

Darf sie sich beim Schneiden frei fühlen oder kommt ihr mit genauen Instruktionen.

Meistens gehen wir die Sache gemeinsam an. Wir bringen beispielsweise Fotos von alten Frisuren oder suchen Inspiration bei anderen Leuten. Und sie setzt es dann auf ihre Art und Weise um.

Okay, dann hab ihr nicht dasselbe Problem wie Gem, von dem diese Fragen stammen. In der Zeit, als er noch in einer Band spielte und die typische Beatles-Pilzfrisur trug, fand er niemanden, der die richtig schneiden konnte. Also musste er sich und seinen Bandkollegen selber die Haare schneiden.

Oh, waren das seine Anfänge als Coiffeur?

Kann sein, dass es damit anfing, ja.

Unsere Coiffeuse ist sehr talentiert. Gut, wir haben auch alle ähnliches Haar, und Stirnfransen, das ist ein Vorteil. Aber wir können wirklich mit fast allem kommen, sie macht es.

Gibt es bei euch eine Frisurenvorschrift oder darf auch mal jemand aus der Reihe tanzen?

Wir haben gerade kürzlich von jeder-trägt-dasselbe zu jeder-darf-selber-entscheiden gewechselt.

Es macht ein bisschen den Anschein als würdet ihr mehr über eure Haare nachdenken als üben.

Nein! Die Haardiskussionen sind Teil des Smalltalks zwischen dem Musikmachen. Die Musik steht eindeutig im Vordergrund.

Braucht ihr Conditioner oder Haarmasken?

Ich weiss nicht, wie das die anderen machen. Ich jedenfalls nicht.

Glück gehabt, denn die nächste Frage wäre gewesen: Ist das Rock’n’Roll?

Ehrlich gesagt, ich weiss gar nicht, ob wir überhaupt soooo sehr Rock’n’Roll sind. Wir sind definitiv eine Rockband, aber wir waschen uns.

Wie oft habt ihr den Kopf der Meerjungfrau in Kopenhagen schon abschneiden wollen?

Es gibt viele Leute, die das schon getan haben. Ich selber habe die Figur noch nicht einmal je aus der Nähe gesehen. Sie ist ein bisschen isoliert und ein bigger deal für asiatische Touristen als für uns.

Was steht auf eurem Stage Rider?

Wir haben keine Sonderwünsche wie grüne M&Ms oder so. Wir sind zufrieden mit einer Flasche härterem Alkohol und ein paar Bier. Und wir mögen ausgewogenes Essen. Auf Tour lebt man ja meistens sehr ungesund, da sind wir immer froh, wenn es keine Burger oder Pizza gibt. Einmal hatten wir den Wunsch drauf, dass man uns lokales Bier serviert. Aber das war dann meisten wie eine volle Mahlzeit und wir haben wieder zum normalen Bier gewechselt.

Ihr lebt also nicht vegan.

Nein, nein, nein. Auf Tour stelle ich mir das wahnsinnig kompliziert vor. Ausserdem müssen die Veranstalter doch eh schon genug Extrawürste berücksichtigen. Ich bin mir sicher, dass sie, sobald jemand vegane Sonderwünsche hat, extra shitty Menus zubereiten, einen ganzen Salatkopf oder sowas.

Hast du modische Vorbilder?

Dylan 1965

Ja, sehr viele! Bob Dylan habe ich etwa immer für seinen Style im Jahr 1965 bewundert. Damals war er eine richtige Ikone. Shirts, Sonnenbrille… und natürlich habe ich Bowie bewundert. Und zwar immer. Als Band sind aber alle ziemlich unterschiedlich was Mode angeht. Ich mag meine T-Shirts zu eng, Christian nicht.

Weisst du was Vokuhila bedeutet?

Nein,

Vorne kurz, hinten lang.

Aaaaah, mullet!! Ja, wir hatten gerade etwas ähnliches, vielleicht ein bisschen mehr Rolling Stonesish.

Das wars eigentlich. Hast du noch eine Frage?

Nein, doch ich möchte gerne noch erwähnen, dass wir um die beiden Shows in der Schweiz explizit gebeten haben. Wir haben so gute Erinnerungen. Unser erstes Konzert da spielten wir an einem Montagabend – und es war ausverkauft. Wir lieben dieses crazy Land mit seinen super Leuten. Schon allein deshalb sollten am Wochenende so viele wie möglich vorbeikommen. Und auch, weil sie eine glückliche Band sehen werden.

GO GO BERLIN LIVE: 19.01. Kufa, Lyss; 20.01. Rote Fabrik, Zürich.

*** Für das Konzert in Lyss verlosen wir 1×2 Tickets. Und zwar hier. ***

 

Fragenlieferant Gem war unter anderem Frontmann der Bieler Band Melonmoon. Inzwischen arbeitet er bei Coiffeur Ramonaz in Luzern. Und macht noch immer Musik? Keine Ahnung, mal fragen.

 

(Pressebilder)

 

 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.