Das erste Mal – eine Playlist von Dream Pilot

Zum ersten Mal hat uns Jachin Baumgartner, Frontmann der Bieler Band Dream Pilot, Lieblingssongs geschickt. Songs, die sich um erste Male drehen. Wir hoffen, es ist nicht seine letzte Liste, auch wenn sie zum immer-und-immer-wieder-Anhören ist.

Der Traumpilot weiss: Sie findet ihre Rute im Schlaf. Er kennt die Verzweigungen, er kennt die Rastlosigkeit der Nacht. Er kennt die Sehnsucht, er kennt die Macht. Er ist alles und jedermann, er ist der Verlierer, der lacht. Er ist die vergebliche Reue, er ist die Angst vor der Zweisamkeit, der Treue. Er fürchtet das Bekannte und begrüsst das Neue, er ist die Schönheit der Abhängigkeit, die er gekonnt umsteuert.

Träumen ist des Traumpiloten tägliche Pflicht, deshalb zur Einstimmung: Beck – „Dreams„.

  • The First Kiss
    The Cure – „The Kiss„: 
    Das Cover ziert ein Kussmund. Die Scheibe heisst Kiss Me, Kiss Me, Kiss, Kiss Me und der erste Song The Kiss. Es dauert fast vier Minuten bis Robert Smith den ersten Ton singt. Welche andere Band macht sowas? The Cure standen für uns immer für Integrität und Robert Smith ist die Definition von cool: sein Look, die Attitude, der Sound, der unbändige Hang zur Melancholie und sein Mut zur Verzweiflung. Wann immer ich ’nen Text schreiben muss und mir nichts einfallen will, wenn die Inspiration streikt, höre ich The Cure und spätestens nach drei Songs schreiben sich die Worte von selbst…  Wir haben The Cure über die Jahre immer wieder gecovert, genauso wie Depeche Mode und The Smiths. Für mich gibt es eine Verbindung zwischen diesen drei Bands und ich weiss bis heute nicht welche, und vielleicht ist es genau das, was mich fasziniert.
  • Das erste Mal 

  • Das erste Supermodel
    Primal Scream – „Uptown„:
    Ich war in London an einem Primal Scream-Konzert in der Brixton Academy und traf dort Kate Moss im Publikum. Jahrelang hing sie als Traum, als Ikone der verruchten Schönheit über meinem Bett, aber in Realität war sie erstaunlich klein, but still sexy as fuck. Es gibt Dinge, die vegisst Mann nie…
  • Der erste Videoclip
    Dream Pilot – „We Came along this Road„:
    Und irgendwann nach all den Jahren im Proberaum, nach all den Aufnahmen, war es Zeit für unseren ersten Videoclip: Wir entschieden uns, den Clip in unserem Lieblingsclub Eldorado in unserer Heimatstadt Biel zu drehen. Wir wollten Piraten sein, die gemeinsam ins Verderben feiern… und so war es dann auch…
  • Das erste Album
    The Beatles – „Here Comes the Sun„:
    Das erste Rockalbum, das ich je gehört habe, fand ich in der Plattensammlung meiner Mum. Es war Abbey Road von den Beatles und Here Comes the Sun ist bis heute mein Lieblingssong aller Zeiten. Die Schönheit dieses Songs ist bis heute unerreicht. Hier stimmt einfach alles: der Text, die Melodie, die Harmonien, der Sound, die Produktion. Ich verehre George Harrison. Er ist einer der besten Komponisten aller Zeiten. Und ich bin überzeugt, dass er einer der coolsten Dudes ever war. Ich mag diese Szene aus dem Martin Scorsese-Film über George, in der sein Sohn Dhani erzählt, wie ihn ein Polizist bei irgend ’nem Scheiss gefasst und zu sich nach Hause gebracht hat, und wie er den Vater über sein Vergehen informieren wollte und Dhani sagt: „And my dad just told him to fuck off.“
  • Das erste Mal Polizei
    The Clash – „Police on my back„:
    Ich habe nie an institutionalisierte Macht geglaubt, und ich misstraue bis heute jedem, der eine Waffe trägt, egal ob Cop, Militär, Security oder Gangster. Gerechtigkeit hat wenig mit dem geltenden Gesetz zu tun. Menschlichkeit sollte meines Erachtens ein Ideal und keine Entschuldigung sein. Jeder von uns trägt Verantwortung für sein Handeln und dieses sollte nicht durch Paragraphen, sondern durch Mitgefühl und Überzeugung  bestimmt sein.
  • Das erste Mal Himmel
    Jeff Beck – „Angel (Footsteps) Live at Ronnie Scott‘s„:
    Ich hatte den besten Gitarrenlehrer, den ich mir je hätte wünschen können, denn eines Tages zeigte er mir Jeff Beck und von diesem Tag an war für mich alles anders. Ich erkannte, dass es keine Rolle spielt wie viele Scales du kennst, wie schnell du spielen kannst. Das einzige was zählt ist, dass du deinen eigenen Sound findest. Man erkennt Jeff Beck, ab dem ersten Ton. Er hat diesen einzigartigen Anschlag, dieses Vibrato und vor allem spielt er immer mit extrem hohem Risiko. Er kennt keine Angst, er wagt immer ein bisschen mehr als alle andern. Der Typ ist furchtlos. Ich hätt ihn übrigens mal fast getroffen als ich bei seinem Mechaniker in London gelebt habe, doch leider war Jeff zu dieser Zeit auf Tour.
  • Das erste Mal Led Zeppelin
    Led Zeppelin – „When the Levee breaks„: Es gibt Momente, die vergisst man nie. Wie das erste Mal, als ich Led Zeppelin hörte. Dieser Song ist schlicht perfekt: der beste Drumsound ever! Wir haben die Platte am selben Abend mindestens vier Mal durchgehört, bis die Nachbarn die Polizei riefen.
  • Das erste Tape
    Nick Drake – „Northern Sky„:
    Sie war auf der Durchreise und konnte die reservierte Jugendherberge nicht finden. Ich bezweifle bis heute, dass es diese jemals gab. Sie hatte den programmatischen Namen Lucy Hope, kam aus dem Norden Englands, und zum Abschluss unserer gemeinsamen Abende schenkte sie mir ihr einziges Reisetape: Side A Tori Amos Side B Nick Drake. Ich bewundere Nick Drake vor allem für seinen Mut zur Zerbrechlichkeit.
  • Das erste Mal Gott
    The Young Gods – „September Song: Es war 1990, ich war 12 Jahre alt und ein Kollege zeigte mir das Album The Young Gods play Kurt Weill und ich wusste vom ersten Ton an: This is it! Das ist genial! Klassische Instrumente sampeln und daraus was Neues machen. Die Young Gods waren der grösste Einfluss für uns bei Dream Pilot. Alles was sie tun und vor allem WIE sie es tun ist so, wie man meines Erachtens Kunst machen sollte. Als ich nach 16 Konzerten das Glück hatte, ihren Sänger Franz Treichler zu treffen, war ich nervös wie ein Schuljunge, der sein Idol trifft. Und er war genau so bescheiden und reflektiert wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte. Ich hab ihm bei unserem Treffen eine Karte mit der Aufschrift „Seeds“ geschenkt und er hat dies sogar in der Dokumentation Lonely Pioneers über seine Band erwähnt….

Was will man nach so einer Liste noch schreiben? Nach so viel spürbarer Leidenschaft, so viel Liebe für Musik und all den schön geschriebenen Geschichten drumrum. Ausser vielleicht, dass Dream Pilot morgen ihr drittes Album veröffentlichen. Eine ziemlich explosive Angelegenheit. Man sollte sich auf keinen Fall täuschen lassen von dem Rock, dem Pop und dem Funk – denn eigentlich ist „Afterglow“ vor allem sehr punk (hört doch bitte gerne auch besonders aufmerksam auf die Texte).

DREAM PILOT: „Afterglow“, out 11.11. (oh, homesick)

RELEASE-KONZERT: 11.11. Eldorado, Biel. (Support: Jengi)

(Bild: zvg)

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