Das ist grobisch

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Psychedelischer Rock, psychedelischer Soul, und jetzt: psychedelischer Pop … ist das irgendwie …? „Nein“, sagt mir Daniel Bachmann, Schlagzeuger und Sänger von Klaus Johann Grobe, „das ist nicht irgendwie besonders in.“ Eine kürzliche Trendwelle sei, im Gegenteil, sogar eher am Abflauen, und dass mir dieser Einfluss im Moment auf allen möglichen Alben begegne, wohl eher Zufall. Und überhaupt: Klaus Johann Grobe sehe sich ohnehin ganz einfach als Popduo.

Für eine Popband werden Bachmann und Keyboarder Sevi Landolt aber ganz schön oft an Psychedelic Festivals eingeladen. Von einer Szene, in der sie sich eigentlich gar nicht so sehr heimisch fühlen, wie Bachmann erzählt. Aber sie seien da nun mal reingerutscht, und an diesen Veranstaltungen, an denen viele Bands einfach so vor sich hindümpelten, sei es jeweils „ganz erfrischend, wenn mal jemand mit klaren Songstrukturen auftritt“.

Es war also gewissermassen die Psychedelic-Klientel, die Klaus Johann Grobe aus der nerdigen Pop-Ecke in ihre Welt geködert hat. Dass das Zürcher Duo dort Anklang findet, kann ich bestens nachvollziehen.

Der deutschsprachige Elektro-Sound ist zwar vorwiegend poppig, sexy, sogar ziemlich funky. Also tanzbar – aber stets in einem Euphorierahmen, in dem die Bionade in der Hand noch nicht gleich über den Flaschenrand hinausschwappt. Und die Instagram-Seite lässt uns das Duo vorerst eher an einer hippen Dachterrassen-Party als an einem abgelegenen Hippie-Festival vermuten. Aber eben: Es sind diese schrägen Töne, die Einfingerspielweise des Keyboarders, der altbackene Orgelklang, diese druffe Art, grinsend zu singen (oder besser: die skurrilen Texte vorzutragen), die Pilzli-Frisur, die Klaus Johann Grobe in der psychedelischen Ecke durchaus nicht verloren dastehen lassen. Der Sound ist abgefahren, krautig, oder wie Bachmann sagt „grobisch“. Aber vor allem ist er ist unglaublich cool. Come on, baby, wir gehn tanzen …

KLAUS JOHANN GROBE: „SPAGAT DER LIEBE“, out (Cargo Records)

Konzerte: 29.06., Mascotte, Zürich; 12.07. Les Georges, Fribourg; 14.07. Gurtenfestival, Bern.
(Klaus Johann Grobe dachten, sie hätten danach einen ruhigen Sommer. Stattdessen sind sie nun auch noch in das US-Tour-Vorprogramm des Unknown Mortal Orchestra gerutscht – auch wieder: psychedelic!)

(Pressebilder)

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