Dieser „Dogshit“ will mir was sagen

Irgendetwas sagt mir, zwischen mir und Dennis Kiss & The Sleepers aus Baden, da ist was.

Kürzlich habe ich spätnachts die Scheisse meines Hundes liegen lassen. Säckli vergessen. Und in der Dunkelheit hätte ich den Haufen sowieso nicht gefunden. Am nächsten Morgen stand ich dann selber in haargenau diese Scheisse rein.

„You’re only as big as the deal you fucking are“.

Das ist eine Zeile aus dem Song „Dogshit“ von Dennis Kiss & The Sleepers. Dass ich die Band kurz nach meinem Kacktritt entdeckt habe, kann doch wohl kein Zufall sein.

Ohne das Video hätte ich vermutlich jedem geglaubt, der mir verklickert hätte, dieser Song sei von The Kooks. Doch es war gerade umgekehrt, ich habe das Video angeklickt, bevor ich überhaupt erst die Kopfhörer aufhatte. Und so löste die erste Begegnung mit „Dogshit“ eher eine Art Gefühls-Déjà-vu aus. Eine Empfindung, die mich noch selten betrogen hat, nämlich die, dass ich auf etwas gestossen bin, das mich längerfristig beschäftigen wird.

Sowas muss man nicht erklären. Es bringt doch keinem was, wenn ich jetzt sage: Ich mag Dennis Kiss & The Sleepers, denn die Band ist lustig, sie nimmt sich selber nicht zu ernst, ohne dabei doof zu wirken. Oder wenn ich, die nichts so sehr hasst wie inszenierte Lustigkeit, ihr unverkrampftes, feines Gespür für Skurriles lobe. Obwohl es genau das ist, was mich einnahm, bevor der Ton da war.

Brauchbar ist schon eher die Aussage, dass die Debüt-EP „Asleep“, die das Indie Folk Quintett im April taufte, eine beeindruckende Ernsthaftigkeit aufweist. In den Texten, über denen die Selbstreflexion, Gefühle und der stetige Blick auf Menschen und Alltagssituationen stehen, und auch in der Musik, die sich in zahlreichen Facetten präsentiert. Vom temporeichen Folk-Pop über langsame Teile mit stimmungsvoller Bläserbegleitung bis hin zur US-Wüstensound ist alles zu finden – ausser auf die breite Masse zugeschnittene Möchtegernhits. Halleluja.

Es ist schon ein bisschen lange her, seit ich mich in die Jury eines Jugendbandwettbewerbs verirrt habe, den Death by Chocolate gewann. Aber ich erinnere mich, dass ich meinte, Gitarrist Thomas Schläppi sei Schanzenspringer Simon Amman ich die Bieler damals mit einer ähnlichen schwesterlichen Zuneigung und einem Gefühl von längerfristiger Verbundenheit ins Herz schloss. Und ich sags ja, es gibt Empfindungen, die betrügen mich selten.

 

DENNIS KISS & THE SLEEPERS: „Asleep“ (EP) out

LIVE: 07.09., Bar59, Luzern; 14.09. Rathaus, Lichtensteig; 15.09. Cozy Conzerts, Visperterminen; 05.10. Gonzo, Zürich oder im Juli schon hier.

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