Der Nichtsänger

Die Hamburger Schule, seine Musik, das 1984er-Album namens „Supermüll“, laut Musikmagazin Spex „die beste deutsche Platte der achtziger Jahre“, seine langjährige Heimat Bern … über soooo vieles lässt sich mit Tilman Rossmy diskutieren. Doch so richtig lebhaft wird das Gespräch mit dem Frontmann der deutschen Band Die Regierung eigentlich erst beim Thema Nashville.

Die Serie „Nashville“, ja. Tilman Rossmy hat schon alle Staffeln gesehen. Ich noch nicht. Deshalb bin ich dankbar, dass er sich mit der Offenbarung des Endes zurückhalten kann. Darauf gekommen sind wir übrigens beim Stichwort Bluebird Cafe, einem der Hauptschauplätze in der US-Countryserie mit Hayden Panettiere, Bruce-Springsteen-Lookalike Sam Palladio oder Clare Bowen.

Rossmy hatte schon mit der echten Betreiberin des Lokals zu tun, als er ihr vor einiger Zeit ein paar seiner Songs zur Kritik unterbreitete (Rückmeldung: Zu viele Reime). Songs seiner Band Die Regierung, die er auf Englisch übersetzte und an ein Studio in Nashville mailte, in dem die neue Version mit örtlichen Countrymusikern aufgenommen wurde. Eine lustige Sache. Das Lied „1975“, das im Original so klingt, gibts nun eben auch so. Schön auch „Willkommen Zuhause“, oder eben „Welcome Home„.

 

Tilman Rossmy hört zu Hause fast nur Country. Und zwar nicht zwingend alte Klassiker, sondern eher „uncoole, aber geile Country-Songs“ wie „Just Add Moonlight“ von der Eli Young Band oder „Waylon and Willie (and a Bottle of Jack)“ von David Lee Murphy. Bisher sei er drum rum gekommen, zu erklären, was für Musik Die Regierung macht. Aber wenn ich schon frage, dann habe die Band in den 80ern wohl mit sowas wie Trashrock oder Trashpunkt angefangen und lasse sich inzwischen in der Kategorie Alternative Rock ansiedeln. Eine Einordnung bedeutet dem Songschreiber allerdings nicht viel. „Viel wichtiger ist mir unser Nichtkönnen“, sagt er. Das Erwähnen der Tatsache, dass er und seine Mitmusiker seinerzeit als Nichtmusiker und Nichtsänger eine Band gegründet hatten. Und dass er genau genommen bis heute kein Sänger sei.

Als 2017 (nach 23-jähriger Bandpause!) das fünfte Album von Die Regierung nicht nur erschienen, sondern vom deutschen „Rolling Stone“ sogleich auf Platz 25 der 50 besten Alben gesetzt wurde, lebte Tilman Rossmy schon rund zehn Jahre in Bern. Wo er Familie hat und als selbstständiger Software-Entwickler tätig ist. Er sei in erster Linie deshalb in der Schweiz hängen geblieben, weil seine Frau nach einem pragmatischen Parameter-Vergleich zum Schluss kam, dass der Lohn hier besser und das Leben entsprechend einfacher sei. Als leidenschaftlicher Skifahrer und Naturfreund sei ihm das recht.

Zu seinem kürzlichen 60. Geburtstag schenkt sich der Regierungssänger eine kleine kleine Tour mit seiner Band. Das einzige Schweizer Konzert hat der Berner Musiker Ray Wilko eingefädelt, der ebenfalls spielen wird. Für Tilman Rossmy ist relativ klar, wie der Abend ausgehen wird:

 

Und eben, Tilman Rossmy hat noch viel viel mehr zu erzählen, als dass er bereits weiss, wie „Nashville“ endet. Wir verweisen mit freundschaftlichen Grüssen auf das „Bund“-Interview und die RaBe-Sendung von Gisela Feuz.

 

DAS KONZERT: Die Regierung und Ray Wilko (solo), 26. August, ISC Bern.

DAS AKTUELLE ALBUM: „Raus“, out 2017 (Staatsakt)

(Video: Barbara Hess, pictura.ch; Titelbild: Facebook)

 

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