Die Depression ist vorbei

Ich sage es viel zu selten: Bloggen ist scheiss-anstrengend. Ich bin bei Rockette also nicht immer so gaga selig wie ich aussehe, wenn ich mich etwa an Gary Lightbodys Oberkörper lehne. 

Beispielsweise plagt mich seit Wochen das schlechte Gewissen, weil ich noch immer nichts über das Album II von The Universe By Ear geschrieben habe. Es ist am 4. März erschienen und ich hatte dem Basler Trio eine originelle Story versprochen. Doch dann stellte sich bei mir ein ultimativ schreibdepressiver Zustand ein. Jeder Satz, den ich seither tippe, klingt langweilig bis beschissen, von meinen doofen Nicht-Ideen will ich erst gar nicht anfangen. Nicht mal Alkohol hilft.

Das zweite Album von The Universe By Ear ist in dem Zustand so ein bisschen Boost und Überforderung zugleich. Einerseits holt mich diese Rocklawine ganz schön fix aus der Lethargie heraus; andererseits nieten mich allein die vielen Schubladenwörter, die mit ihr anrollen, gleich wieder nieder. Stoner, Punk, Prog Rock, Psychedlic Brain Blues, wie die Band selber es nennt. Gitarrist Stefan Strittmatter hatte schon recht, als er uns vor zwei Jahren im Rockette-Interview mit sich selbst sagte, seine Band mache „keine Pommes-Ketchup-Mucke„. Das ist Rock für Gourmets. Solche, deren Geschmacksnerven noch nicht dermassen vom Glutamat abgetötet sind, dass sie nicht merken, dass es sich hier wohl um deftige Kost, aber sicher nicht um Fast Food handelt.

Ich höre in letzter Zeit sehr viel Schlager. Glutamat. Doch so betäubt, dass mir die Vielschichtigkeit, die Wucht dieser Band und die Nuancen in den einzelnen Songs entgehen, bin ich zum Glück noch nicht. Es ist wirklich extrem, welche Spannbreite an Stimmungen The Universe by Ear bieten. Man mag am Anfang denken, da komme gleich die volle Dröhnung College Punk. Doch schon über die zwei nächsten Song hinweg, wird es melodiöser, mehrstimmig, rockiger. Und auf einmal ist da nur noch eine Geräuschkulisse, die mich an ein ultra hochstehendes elektronisches Konzert einmal nachts in einem Park erinnert. Und von da aus geht es weiter, soweit, dass mir irgendwann mein allerliebster Titel der Welt einfällt: Neil Youngs „Dead Man Theme„. Danke, The Universe By Ear, ich glaub bin geheilt.

THE UNIVERSE BY EAR: Album II, out (Sireena Records)

Und weil ich so euphorisiert bin, schreib ich gleich weiter. Dennis Kiss & The Sleepers, die Band aus Baden, von der ich glaube, dass wir humortechnisch auf der haargenau gleichen Wellenlänge sind, haben kürzlich eine neue EP veröffentlicht. „Awake“ heisst sie. Konsequent, nach „Asleep„. Sie ist um Welten weniger komplex als das Album von The Universe By Ear. Aber auch das ist richtig geile Rockmusik, bloss ist das Kopfkino hierzu dann eher in Super 8 und keine Halluzination in der Gestalt nie dagewesener Farben und Formen. Und weil meine kleine Review, die ich in meinem richtigen Job geschrieben habe, nirgends abgedruckt worden ist, deponier ichs halt hier: Die fünf Songs auf „Awake“, die Namen wie „Amen“ oder „The Bar“ tragen, klingen, als hätte man den Kopf in den Schoss der Musiker gelegt, während sie spielen. Natürlich, echt und nah. Ich bin grad nicht sicher, ob ich es schon mal gesagt habe: Ich liebe diese huere Band, obwohl sie immer zu weit weg oder an Abenden spielt, an denen ich nicht kann. Zum Beispiel diesen Freitag, 3. Mai, im Werkk Baden (Plattentaufe).

DENNIS KISS & THE SLEEPERS: Awake, out (Lauter)

(Pressebild)

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