Die Guggen und der Traum vom Fliegen

Die Fasnacht ist in den meisten Städten vorbei. Gottlob. Die Trompetenschiisser, Bööggebrätscher und Notebumser haben die bösen, bösen Wintergeister angeblich vertrieben, tagelang ihre trägen Runden durch Biel, Bern & Co. gedreht und dabei algenteppichartig eine Spur von grünrosagelben Konfetti hinterlassen. Zeit, dass die Spassvögel einen Abflug machen und ihre Piccolos und Posaunen wieder im Bastelraum parkieren. Ufff. Sorry, falls ich mit diesen Zeilen jemandem zu nahe getreten bin.

Dabei bin ich ja nicht grundsätzlich gegen Verkleidung. Motto-Partys können lustig sein. Andere stehen auf Rollenspiele. Und Blasinstrumente sind ja auch nicht zu unterschätzen. Beides bieten auch die Aeronauten morgen Freitag in Biel auf der Bühne. Im „intergalaktischen Disco-Glimmer-Kostüm und träfen Zeilen“ werde sich Mastermind Oliver Maurmann alias Guz über das aufregende Normale und die normalen Aufreger auslassen, ist zu lesen. Die Schaffhauser Kombo kocht seit 23 Jahren auf Bühnen hier und da, hält sich mit ihrem wilden Mix aus Garagenrock, Punk und Pop wacker über Wasser. Im Oktober 15 ist Album Nr. 10 erschienen, „Heinz“, die Aeronauten nennen es eine „literarische Discoplatte“. Dieser Tage flimmerte zudem in mehreren kleinen Schweizer Kinos ihr Dokfilm über die Leinwand.

Die Aeronauten gaben in den 90er-Jahren als Punkkapelle ihren Auftakt. Die Jungs orientierten sich damals stark am britischen 80er-Pop, experimentierten mit englischen und französischen Texten, später dann vor allem mit Aufnahmetechniken. Sie überlebten die jugendliche „Die-Welt-ist-doch-eh-nur-Kack-Phase“ relativ heil, singen heute vor allem in deutscher Sprache und gehören mit ihrem Schaffen jenseits des Mainstreams schon längst fest zur Schweizer Musikszene.

Der Name Aeronauten entstand übrigens, weil Kapitän Olifr M. Guz Maurmann gerne Modellflugzeuge bastelt und auch seine Bandkollegen diesen Traum vom Fliegen teilen konnten. „Denn wir sind Aeronauten und das ist unsre kleine Welt“, lautet eine Zeile aus dem Titellied der allerersten Platte. Und damit wären wir wieder bei der Fasnacht. Also was die kleine Welt anbelangt, meine ich.

 

 

DIE AERONAUTEN: 19.02.2016, Le Singe, Biel.

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