Die Magie zwischen zwei alten Freunden

In seiner bittersüssen Schönheit ist der Grunge das Oxymoron der Musikstile. Die scheinbare Gegenteiligkeit macht auch den schmerzlich-schönen Sound von Five Rusty Horizons aus. Das Schweizer Musikduo huldigt mit seinen ehrlichen, unverfälschten Akustiksongs den „guten alten Seattle Vibes der frühen 90er“. Die Melancholie ist ein unverkennbarer Treiber der oft beinahe zerbrechlichen Songgerüste. Trotzdem möchte die Band mit ihrer Musik vor allem Freude verbreiten und sich nicht vom Leid in die Kreativität katapultieren lassen. Nach Jahren der Funkstille hat die kreative Chemie zwischen den Schulfreunden Goran Bajic und Pat Wydler wieder Feuer gefangen und eine EP mit vier Songs hervorgebracht.

Wer Patrik „Pat“ Wydler kennt, kennt auch die Passion, die aus seinen Augen sprüht, wenn er von Musik erzählt. Und er weiss, dass der Vater und Multimedialist mindestens so umtriebig wie der berühmte „bunte Hund“ ist (ob als Stage Presenter beim Greenfield Festival, Panel Host bei der Fantasy Basel, Editor für’s Rockstar Mag und Headbangers Lifestyle, und … und …). Kaum ein Musiker, mit dem Pat nicht schon ein Foto gemacht oder den er irgendwo backstage getroffen oder am Greenfield Festival anmoderiert hat. Der Zürcher hat immer eine Anekdote auf Lager und auch auf einer langen Fahrt (zum Beispiel nach Lausanne zum Devilskin-Konzert) kommt Frau (ich) manchmal kaum zu Wort, wenn es aus dem Musikliebhaber sprüht und ich es der guten Unterhaltung wegen sehr gern sprühen lasse.

Nur eine von Patrik „Pat“ Wydlers Facetten: Panel-Host bei der Fantasy Basel. (Bild: Patrik Wydler)

Unsere seit vielen Jahren anhaltende Freundschaft wurzelt vor allem in der gemeinsamen Liebe zur Musik. Während der „Bunte Hund Pat“ einen innerhalb weniger Minuten mit dem Tourmanager der Support-Band bekannt macht und diese dann gleich ins Shirt einer seiner Bands, Sinside steckt, gibt es auch eine – ebenfalls nur scheinbar – gegenteilige Seite: Die nachdenkliche, Grunge-liebende Musiker-Seele, die von sich sagt: „Ich bin mittlerweile soweit geerdet, dass ich mich über jeden weiteren Auftritt gleich fest freue. Egal ob zu Hause auf dem Sofa für die eigene Familie oder auf einer grossen Stadionbühne – ich kann nicht sagen, dass ich da spezifische Träume und Pläne habe, wo ich noch spielen will. Ich nehme jeden kleinen Schritt wie er ist und freue mich auf die kleinen Momente, gemeinsam mit Goran unsere Songs den Leuten präsentieren zu dürfen.“ Seine verschiedenen Charakter-Facetten lebt Pat auch mit seinen aktuell zwei Bands: Während er es mit Sinside auf der Bühne partymässig krachen lässt, sind es die leisen, aber umso eindringlicheren Töne, die das noch junge Projekt Five Rusty Horizons ausmachen.

Damals… (Bild: Soul Strip)

Im Abschied einen Neuanfang gefunden

Album-Aufnahmen in Kalifornien, Auftritte mit Grössen wie Stone Sour oder Alter Bridge – die Schulfreunde Goran und Pat haben all das mit ihrer Post-Grunge-Band Soul Strip zwischen 1998 und 2008 erlebt. Aber auch den Zerfall und das Verschwinden der Band von einem Tag auf den anderen. Erst nach fünf Jahren führten erst ein zufälliges Treffen und dann ein geplanter Kaffee dazu, dass die beiden wieder zusammen Musik machen wollten. Erst einmalig im Rahmen eines letzten Konzerts, mit dem das Kapitel Soul Strip würdig verabschiedet werden sollte. Als sie wieder miteinander zu jamen begannen, kamen nicht nur das von Pat verloren geglaubte „Songwriter-Mojo“ und die einzigartige kreative Chemie zurück, die die beiden einst verbunden hatte, sondern auch die Lust, zusammen in einem Bandgefüge mit der eigenen Musik Freude zu verbreiten. „Ich möchte, dass sich die Leute gut fühlen, wenn sie unsere Songs hören und auch wen sie nach unseren Shows nach Hause gehen. Denn wir fühlen uns, gut während wir diese Songs kreieren und performen“, so Goran.

… und heute (Bild: Five Rusty Horizons/ Irene Bizic)

Und so ist es dann vielleicht auch die in der Zwischenzeit gewonnene Reife, die den vier Songs auf der EP, die am 5. Mai 2019 veröffentlicht wurde, ihre traurig schöne Melancholie verleiht und die weniger nach der Grunge-typischen schmerzlichen Rebellion, denn nach durch Erfahrungen gewachsener Besonnenheit klingt. „Ich hatte eine lange musikalische Pause. Nach über zehn Jahren intensiven Singens in zwei Bands hat dieser Break mit gut getan. Ich hab dabei erfahren, dass das Leben noch andere Dinge zu bieten hat als nur Musik. Früher gab es das nicht: Die Band war alles für mich. Was nicht nur dazu führte, dass ich mein Leben ziemlich einseitig und engstirnig lebte, sondern mich komplett ausschloss von jeglicher Idee, in meiner Freizeit etwas anderes zu machen, als Musik“, erklärt Sänger Goran.

(Bild: Five Rusty Horizons/Irene Bizic)

Die Magie zwischen zwei alten Freunden

„Für mich sind die vier Songs persönlich unglaublich wichtig, da die Art und Weise, wie sie entstanden sind, so unkompliziert und magisch zugleich war“, so Pat. Um die Songs so roh und live wie möglich zu konservieren, nahmen Goran und Pat mit dem gemeinsamen Freund Sandro Pellegrini die EP während vier Sessions auf und übergaben das Mixing und Mastering – um den Kreis in die Vergangenheit zu schliessen – dem ehemaligen Soul Strip-Drummer Damian Fink nach Los Angeles.

Unser Lieblingssong des Albums: Der zerbrechlich eindringliche „Citadel“ – „Wonderwall“ trifft auf apokalyptische Stimmung und Hoffnungsschimmer am Horizont. Das Video ist eine Hommage an verstorbene Grunge-Ikonen. 

Für das Zürcher Duo sind heute der schnelle Ruhm und grosse Träume in den Hintergrund gerückt. Authentizät und Passion sind an deren Stelle getreten. „In zehn Jahren möchte ich sagen können, dass wir ehrliche Musik aus dem Herzen geschrieben und ein Publikum damit erreicht zu haben. Ich werde stolz darauf sein, dass ich mir über all die Jahre treu geblieben bin, Stolpersteine gemeistert und niemals die Freude an der Musik verloren habe“, so Pat. „Das Konzept ‚Bühne‘ verstehe ich heute komplett anders. Ich habe mich früher in den Gedanken verflochten, auf grossen Bühnen spielen zu wollen, mit möglichst vielen Zuschauern. Doch eine intime Baratmosphäre ist und bleibt für mich unerreicht. Das persönliche Dem-Publikum-nahe-sein-Erlebnis kann man nicht leugnen und darum funktioniert es für mich heute so am besten.“ Und Pat ergänzt augenzwinkernd: „Wir spielen überall, wo wir Leute erreichen können. Sehr gerne auch unkompliziert bei dir zu Hause. Einfach keine Scheu zeigen und uns kontaktieren, wir werden kommen.“ Hier der Link zu Pats Facebook-Account für all jene, die ihn beim Wort nehmen möchten 🙂

Five Rusty Horizons, EP mit den Songs „Citadel“, „Room For A Day“, „Listening To Shine“ und dem Cover „Danger Zone“, out now (Brownsville Records)

Titelbild: Five Rusty Horizons/Irene Bizic

 

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