Dirty Barbarie #2

Lust und Trieb sind neben der Musik sehr zentrale Themen an der Barbarie. Und wenn wir in diesem Zusammenhang von Sünden sprechen wollen, dann ist die grösste Sünde wohl die, für den Sex extra das Festivalgelände zu verlassen. 

Die Topstory haben wir ja im ersten Teil der legendärsten Barbarie-Anekdoten bereits geschildert bekommen. Es gab aber auch mal ein Jahr, da haben sich zwei Mädels auf der Bühne einem spontanen Liebesakt hingegeben. So wild, dass die derweil auftretende Band kaum mehr funktionieren konnte. Nun können wir sagen: Tut das ruhig auch, ab heute Abend auf der Bühne, auf dem Chessu, auf der Esplanade in Biel. Aber passt um Gottes Willen auf, dass euch kein Motorrad plattfährt.

Weitere Geschichten aus rund 30 Jahren Barbarie:

Fehlende Action

Es war ein Sonntagabend, damals noch auf der legendären Fussballwiese hinter dem Gaskessel. Die letzte Band der damaligen Festivalausgabe hatte gerade mit ihrem Set begonnen. Backstage hatten wir das Tor zur Strasse geöffnet, um Amps und Instrumente einer anderen Band, die am Nachmittag gespielt hatte, wieder in den Bus zu verladen. Da schiesst ein gewisser Herr – nennen wir ihn D – mit seinem Motorrad durchs offene Tor hinter die Bühne (das Gefährt war eine durchaus schmucke alte Zündapp 125 … ich hab mich fast ein wenig verguckt … ins Motorrad).

Kleine Zwischennote, nur um Ds zuweilen ausuferndes Temperament etwas zu umschreiben: Der Besagte ist in Biel, sagen wir, stadtbekannt. Ich glaube es gibt hier keine nur halbwegs schlaue Beiz, die ihm noch kein – zumindest vorübergehendes – Beizenverbot ausgesprochen hat.

Aber zurück zu seinem Vorhaben: Offenbar war der liebe D dem gerade auf der Bühne Dargebotenen wenig zugetan und liess unter Aufheulen des Motors verlauten: „HE! BARBARIE! MAL WIEDER ETWAS MEHR ACTION AUF DER BÜHNE!“. Um das gleich selber umzusetzen, richtete er sein Vorderrad auf die Materialrampe aus, wirbelte mit dem Hinterrad gehörig Dreck auf und wollte mit Vollgas von hinten auf die Bühne brettern. Was D nicht wusste, direkt hinter dem Vorhang des Bühnen-Eingangs stand das Drumpodest. Mit vereinten Kräften – nach drei Tagen Barbarie ist keiner mehr knackfrisch – konnten wir D gerade noch davon abhalten, mit Anlauf den Drummer zu überfahren, sein schönes Motorrad zu schrotten und sich selber eine Fahrt mit der Ambulanz zu buchen.

Die Bühne steht auf zirka 1,2 Metern Höhe, und ein Verpassen der Rampe ist zu später Stunde eher wahrscheinlich. Klar, etwas Punk muss sein, aber das Regionalspital hat an einem solchen Wochenende (Braderie!) eh schon mehr als genug zu tun.

Mäsi vom Barbarie-Team

Konsumgeschichte

An einem Samstagabend, kurz bevor die beiden Frauen auf der Bühne rummachten, hat sich ein international bekannter Musiker mangels gewünschter bewusstseinserweiternder Substanzen (die wir so leider nicht liefern konnten) mit acht Gläsern, 15 bereitgestellten Vodka-Flaschen und Energy Drinks in Fahrt gebracht, schliesslich den Zaun angeschrien, um danach seiner Band lakonisch „the rest is for you“ zu sagen.

Mäsi
Um wen es sich bei dem Musiker handelt, gibts, wenn wir das richtig verstanden haben, in der Sendung „Ufdräääiht“ zu hören. Er ist definitiv kein Unbekannter!

 

Die Story geht noch weiter. Beziehungsweise, sie hat schon viel früher angefangen, und das erklärt dann vielleicht auch das Bedürfnis des Künstlers nach Drogen. Er und seine Band waren mit einem für Schweizer Verkehrsregeln viel zu schweren Bus unterwegs. Entsprechend hatten die Herren Schweizer Zöllner an einem Grenzübergang in der Ostschweiz mächtig die Köpfe geschüttelt und den Musikern die Einreise verweigert.

Ich bekam einen Anruf von einem leicht nervösen, angepissten Bandmanager. Mit der Bitte, ein zusätzliches Fahrzeug zu organisieren und an die Grenze zu schicken. Nach reichlichen Abklärungen und viel zu teuren Varianten von Fahrzeugmieten, kam mir in den Sinn, dass die Schwester meiner Geschäftspartnerin im Rheintal wohnt und eine Autogarage besitzt. Und jetzt kommts. Diese allerliebste Schwester packte, sobald über das Unglück informiert, Sandwiches und Getränke in ihren alten VW-Bus, fuhr damit an die Grenze und übergab ihr Fahrzeug der Band. So kam es, dass diese mit Instrumenten und einem Teil des Materials im orangen Hippie-Bus im Backstage der Barbarie einfuhr. Der Frontmann stieg aus, umarmte mich und sagte: „Yeah man, that’s really cool! Do you have Speed man?“

Marc vom Barbarie-Team

Rockstargeschichte à la Jessi

Wir schreiben das Jahr 1991. Tinu und ich hatten unsere erste Band. Wir hiessen damals Be Quiet, spielten etwas zwischen Punk, Metal und Rock und die Barbarie war wohl unser zweites oder drittes Konzert. Nicht schlecht, wenn man schon zu Beginn der „Karriere“ etwas mehr Platz auf der Bühne hat.

Das Barbarie-Komitee hatte vorab alle Infos per Post zugeschickt. Ja damals war das noch Post, nix da mit SMS oder Mail. Couvert, Papier drin, mit Buchstaben bedruckt, unglaublich, wie haben wir das nur gemacht? Nun, wir haben die Spielzeit falsch interpretiert. Wir haben die Aufbau- und Abbauzeiten dazu gerechnet. Voll geschockt von einem 90-minütigen Gig haben wir extra und unter Hochdruck noch vier Hard-On- und zwei Gang-Green-Songs einstudiert, man wollte ja nicht unprofessionell wirken.

An besagtem Konzerttag war ich unglaublich nervös, habe sogar meine Zigarette brennend im Auto liegen lassen. Es sah aus, als würden Cheech und Chong direkt aus Mexico kommen. Wir gingen auf die Bühne, Bucher hatte schon damals so etwas wie Bühnenpräsenz – und ein loses Mundwerk. Exakt 45 Minuten später hat uns ein gewisser Pitsch freundlich von der Bühne gebeten. Wir haben die Welt nicht mehr verstanden, da standen noch mindestens acht Songs auf der Liste, und wir waren uns sicher, dass jeder der rund 500 Anwesenden die auch hören wollte. So hat der liebe Martin dem Pitsch über das Mikro und für alle verständlich erklärt, er sei ein Arschloch und solle sich verpissen. Von da an wussten wir, dass wir Punks sind, und der Pitsch hat sich dann etwas später mit Martin angefreundet. Ja, die beiden haben sogar in der gleichen Band gespielt.

An dieser Stelle: Wir entschuldigen uns für unser Unwissen und den jugendlichen Drang, den wir hatten. Dieser Barbarie-Auftritt war eine geile Erfahrung und der Start in die Welt der grösseren Bühnen.

Jessi, Rockstar-Tagebuchschreiber und Barbarie-Urgestein
– steht morgen wieder mit Tinu und unter dem Namen Treekillaz“ zum zirka
300. Mal auf der Barbarie-Bühne.

 

Wer sonst noch an der Barbarie 2017 (- 02.07.) spielt, seht ihr hier. Über Frankie Safari und Treekillaz“ haben wir schon früher mal ein bisschen was geschrieben. Kikerikiiiiii!!!!

(Bilder: Barbarie)

 

 

 

 

 

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