Eaglewow und der Stich ins Wespennest

Warum weiss ich, dass man die Mitglieder der Bieler Band Eaglewow extrem nerven kann, wenn man ihnen sagt, ihr neues Album erinnere an die Red Hot Chili Peppers? Weil ich gesagt habe, ihr neues Album erinnere mich an die Red Hot Chili Peppers. 

Am Telefon mit Sänger und Gitarrist Raffael Brina versuchte ich, das zu erklären: U zwar äbe gloub würklech chli wäg däm weisch so wäg denä wäg denä Melodie aso äbe so chli ds Zackige, Gäie u nächär di Refrains, wo de eher eso ines ganz angers Tämpo ine gö (O-Ton auf meinem Handy!). Ach, was weiss ich, bei mir geht bei der Musik nun mal alles über die Gefühlsebene. Plausibel begründen kann ich das nicht.

ABER: „Huere lustig“, erwiderte Brina meine Assoziation. Er habe die Red Hot Chili Peppers, genauso wie seine Bandkollegen Hesä Kunz, Marco Mast und Tom Züttel gehasst. G-E-H-A-S-S-T. Bis er vor zwei Jahren „Scar Tissue“, die Autobiografie von Frontmann Anthony Kiedis gelesen, mit der Band seinen Frieden geschlossen und 2017 sogar das Konzert am Paléo Festival besucht habe. „Das alles passt tatsächlich ziemlich genau in die Zeit, in der ich die Songs für das Album schrieb.“

Gegen meine Vermutung, das Buch habe ihn unterbewusst beeinflusst, wehrte sich Brina, der nach wie vor nicht mehr als eine Best-of der Kalifornier durchhält, vehement. Und sowieso, seiner Band dürfe ich nie von diesem Vergleich erzählen. „Wirklich, sie hassen sie.“

Anderes Thema. Die funkfreie Rockband Eaglewow hat sich mal vorgestellt, ihre Songs seien Tinderprofile. Man habe sie auf die klassischen männlichen sowie weiblichen Attribute untersucht, so der Frontmann. Und sei zum Schluss gekommen, dass „Easy Way Out“, der von der langsamsten zur hymnenhaftesten Nummer anschwellende Titel, und die „cheesy“ (Brina) Single „How I Love The Blues“ Frauensongs, die Säbelrassler „Savour The Feeling“ und „Jackie Lee“ Männersongs sind. So steht es auch in der Pressemitteilung, deshalb habe ich überhaupt erst davon angefangen. Brina relativierte: „Mann mit Axt, Frau mit Röseli – das ist natürlich mehr als Witz gemeint.“

Das Thema Liebe habe ich beim Telefoninterview nicht anschneiden wollen. Es ist auf „Bring me the Sun and the Moon and the Stars“ so omnipräsent, dass es schon fast keinen Spass mehr macht, darüber zu reden. „Let Love Rule“ heisst der Opener, in „Boy“ geht es eher um väterliche, um mütterliche Liebe, das Country-Zwischenspiel „Fell Apart On Me“ handelt von respektvollen und freundschaftlichen Gefühlen nach einer schmerzvollen Trennung. Oder stimmt das etwa gar nicht? „Ich bin immer erstaunt, wie genau die Texte gehört werden, und wie wenige dann aber herausfinden, worum es wirklich geht“, sagte Brina. So liege auch ich falsch, wenn ich „Savour The Feeling“ als geilen Lovesong verstehe. Zumindest gehe es darin nicht um die Liebe zwischen zwei Menschen, sondern um seine Liebe zu seinen Zigaretten.

„Bring me the Sun and the Moon and the Stars“ ist das Debütalbum der Bieler Band. Und das erste von Raffael Brina (ehemals Carnation und The Expectation) seit acht Jahren. „Ich fühle mich wie ein Kindergärteler, der ein neues Spielzeug bekommt.“ Früher sei er in solchen Zeiten viel verbissener gewesen, habe sich von der kleinsten Kritik schon runterziehen lassen. „Mittlerweile denke ich nur noch: mach doch selber.“

*** Am 30. März feiern Eaglewow im Le Singe in Biel Plattentaufe. Dafür üben sie vier Mal. Für normale Konzerte immer nur einmal. Wir verlosen hier 2×2 Tickets für die Party und dazu je eine LP, die man dann vor Ort am Merchstand abholen kann. ***

EAGLEWOW: „Bring me the Sun and the Moon and the Stars“, out today (Oh, homesick. Records)

(Bild: Eaglewow)

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