Eddie Vedder, die siebte Reihe oder wer ist Alejandro Sanz?

Kürzlich, an einem Freitag, sass ich mit meiner Zürcher Konzert Connection (ZKC) im Flieger zu Eddie Vedder nach Berlin. Wieso, weshalb, warum, kann man sich fragen. Eddie war erst vor zwei Jahren auf Europatournee und es gibt weder von ihm noch von seiner Band Pearl Jam eine neue Platte. Doch es ist mittlerweile zu einer liebgewonnenen Tradition geworden, dieses Konzertpilgern im Zusammenhang mit Pearl Jam und Co.

Vom mittleren Rang aus.

Mich nimmt es vorerst wunder, was es neues aus der Welt von ZKC zu berichten gibt. Aber das bleibt über den Wolken, weil das Zürcher Konzert-Business ist highly confidential, as ever. Jemand fragt mich im Gegenzug über das Vibez-Festival in Biel aus. Ja, die schlechte Presse wurde auch in Zürich gelesen. Doch ich kann aus Zuschauersicht nicht viel Negatives erzählen.

In Berlin sind es geradezu angenehme 18 Grad, im Gegensatz zu den 35 Grad in Zürich eine nette Erfrischung. Wir essen und aperölen uns vom Hotel Richtung Max-Schmeling-Halle. Natürlich müssen wir auch in die Bar mit dem besten Namen aller Zeiten einkehren: „Ick koof mir Dave Lombardo wenn ick reich bin“. Den würde ich mir auch kaufen, wenn ich reich wäre. Und die Bar. Und Eddie, natürlich.

Bar meines Herzens.

Vor der Halle trafen wir uns mit ein paar anderen Pearl-Jam-Fans auf ein Bier. Die vorherrschenden Gesprächsthemen waren die Ticketpreise und die uncharmanten Auftrittsorte der aktuellen EV-Tour. Zwischen 80 und 100 Euro für ein wenig spektakuläres Solo-Konzert des Sängers einer Band zu verlangen, für die sich die Ticketpreise im ähnlichen Rahmen bewegen, ist mutig. Dies in riesige Hallen zu verlegen, die einen Charme wie die Eishalle Wetzikon oder die Dreifach-Turnhalle in Huttwil verströmen, schon fast ein bisschen dreist. Vielleicht war das Konzert auch deshalb nicht ausverkauft. Einziges Plus war das Bier, zehn Euro der Liter, so wird jeder Abend schnell mal lustig.

Unsere Plätze waren in der obersten Reihe des obersten Ranges. Äh ja. Geht besser. Support Glen Hansard langweilte uns wie schon auf der letzten Eddie-Tour vor zwei Jahren, so dass wir den Plan ausheckten, uns irgendwie in die Sitzreihen vor der Bühne vorzuarbeiten. Wir spähten von unserem Adlerhorst nach besseren Plätzen aus. Währenddessen bekam ZKC per Mail die Anfrage, ob ein Konzert von Alejandro Sanz in der Schweiz machbar wäre. Er fragte mich, ob ich den Musiker kenne und ich verneinte. Hat ja auch nur 6,5 Millionen Fans auf Facebook.

Endlich entdeckten unsere Adleraugen freie Plätze, etwa in der siebten Reihe vor der Bühne. Wir schlichen uns an den Platzanweisern vorbei eine Etage runter. Strategisch geschickt positionierten wir uns neben einer Treppe, die uns runter aufs Parkett führte. Inzwischen hat sich ein Glatzkopf in die Mitte der freien Plätze gesetzt. Stinkfrech. Er stellt sich später als „Fish“ aus Jamaica vor, er hat sich ebenfalls in die Reihe gemogelt. Weil er auf unseren auserwählten Plätzen sass, setzten wir uns woanders hin. Und mussten ob unserem Feldzug grinsen. Unsere Freude hielt überraschend lange. Nämlich genau bis drei Minuten vor Konzertbeginn. Da standen zwei Typen vor uns mit den entsprechenden Tickets. Fish winkte uns noch schadenfreudig nach, als wir abzottelten. Wir nahmen wieder die vermeintlich strategisch guten Plätze im Mittelrang ein.

Marcel braucht eine bessere Kamera. (Anm. d. Red.)

Das Konzert begann, genauer gesagt stimmte das begleitende Streichquartett Red Limo eine Instrumentalversion von „Even Flow“ an. Eddie kam dazu auf die Bühne und machte genau nichts. Kein Gesang, keine Gitarre. Er winkte und jubelte bloss dem Publikum zu. Dieses patschte und sang dafür eifrig mit. Die „A Star is Born“-Schmonzette „Maybe it’s Time“, ein Cover von Jason Isbell (Schon wieder Country Check) kam auch relativ früh im Set (Bradley Cooper soll ja seine Filmfigur an Eddie angelehnt haben). Für einige Lieder kam auch Glen Hasard wieder auf die Bühne, um Eddie zu begleiten. Beim „Here Comes the Sun“-Beatles-Cover versöhne ich mich innerlich mit dem Langweiler.

Intimate nature of Eddie Vedder’s solo performances.

Alles in allem war das Konzert tipptopp, die Stimmung auch. Unser Gespräch drehte sich trotzdem hauptsächlich darum, wo Alejandro Sanz sein Konzert in der Schweiz geben könnte. Was ZKC irgendwann zum Satz veranlasste: „Dreht sich das Gespräch an einem Eddie-Vedder-Konzert hauptsächlich darum, wo Alejandro Sanz auftreten könnte, ist die Zeit gekommen dass Pearl Jam zurückkehren“. Treffer versenkt. Bei den zwei letzten Liedern standen wir dann singend und tanzend vor der Bühne. Die Security hatte den Dienst eingestellt, auch filmen und fötelen wurde nicht mehr getadelt.

No more Security.

Beim Hinausgehen sah ich überall gerahmte Plakate der auftretenden Künstler an den Wänden. Ich wollte das von Eddie. Doch vor allen standen Eddie-Fans und machten Fotos von sich und dem Poster. Egal. Ich checkte bei einem den Rahmen aus. So einen ähnlichen hatte ich mal gekauft. Als gerade niemand ein Selfie mit Eddie machte, löste ich höchst gekonnt die Spannfedern und nahm das Poster aus dem Rahmen. Den paar Leuten, die mit offenen Mündern mein Tun beobachteten, schenkte ich mein charmantestes Lächeln und entschwand in der Menge.

PS: Unter allen, die einen möglichen Veranstaltungsort für ein Konzert von Alejandro Sanz in den Kommentaren hinterlassen, verlose ich 2*2 Tickets für ein allfälliges Konzert von ihm. Datum und Ort sind derzeit noch in Planung.

ZKC und Gastautor Marcel waren tags darauf noch auf einer Kundgebung der IG Metall. Dort spielten Silly. Die Beweisfotos sind leider nicht sonderlich scharf. Dafür haben sie hübsche Selfies mit geschnorrten IGM-Schirmmützen geschossen. Es ging hier wohl um Feldschlößchen. Hicks.

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.