Bierideen sind eben doch die besten Ideen

Manch einer behauptet felsenfest, Bierideen seien immer die besten Ideen. Im Falle des Saint City Orchestra hat ein bierseliger Abend nach einem FC-St. Gallen-Spiel sogar dazu geführt, dass die Irish Punk Rocker aus der Ostschweiz mittlerweile als DER aufsteigende Schweizer Music Act gehandelt werden. Morgen Abend wird in der Grabenhalle der erste Longplayer getauft, und „Bier hätts also sicher meh als gnueg“. Und weil wir das Album schon gehört haben (häääähääää) gibts bei uns neben einem Gespräch mit den Saints schonmal einige Lyrics zu lesen, so als Gluschtigmacher. 

Zum Glück sagt man Alkohol seine enthemmende Wirkung nicht nur nach – das ein oder andere Bier führt auch in der Realität zu auf den ersten Blick verrückten und auf den zweiten Blick ziemlich guten Ideen. So ganz nüchtern hätte Sandro seinem Kumpel, dem Organisator einer Irish Rocknight, wohl nicht versprochen, innerhalb von nur zwei Monaten ein Irish-Rock-Set auf die Beine zu stellen und (noch) ohne Band einen Gig zu spielen. Aber, den Mutigen gehört eben doch die Welt. Der Rest der Geschichte mutet schon fast märchenhaft an: Der Gig wurde zum Erfolg, und nach einigen Jahren als tingelnde Coverband gilt das Saint City Orchestra als Rising Star der Schweizer Musikszene – und dabei bezeichnen sich die Ostschweizer nicht einmal als wahnsinnig gute Musiker.

Das Chaos lebt

„Man muss aber schon sagen – ganz so einfach, wie es nach aussen erscheint, war es nicht. Wir habe uns sprichwörtlich den Arsch aufgerissen als Coverband“, so Sänger und Gitarrist Sandro beim Gespräch in der Südbar (deren Chef Ruedi Gamper zu den treuesten Fans und ersten Förderern gehörte). Der Erfolg sei nicht so über Nacht gekommen, wie es den Anschein mache. Gefühlt kam man im letzten Jahr kaum am Saint City Orchestra vorbei (die Autorin musste wegen des vollen Kalenders der Band sogar ihre erste Bieridee, die Ostschweizer für ihre Hochzeit zu buchen, in einem Drink ertränken). 2017 und 2018 waren die Ostschweizer in den Line-ups der wichtigsten Schweizer Festivals zu finden, darunter Open Air St. Gallen, Rock the Ring und Summerdays. Sie haben den Mx3 Contest gewonnen und ihre erste EP auf den Markt gebracht. Die Geschwindigkeit, mit der das Saint City Orchestra mittlerweile auf die musikalische Überholspur gebrettert ist, ist auch einem engagierten Manager zu verdanken, der die St. Galler antreibt und pusht. „Kaum war die EP 2017 draussen, hat unser Manger Markus die Deadline für den Longplayer gesetzt – mit mindestens zehn Songs“, lachen Mäsi und Sandro. Mit Erfolg: Morgen wir die Plattentaufe des Erstlings „Chaos“ in der heimischen Grabenhalle begossen.

Hold your head high, keep it strong.
Saint City is never gonna let you down.
Saint City my pride

In nur einer Woche das Album aufgenommen

Das berühmte Glück im Unglück ermöglichte Sandro, innerhalb kürzester Zeit das ganze Album zu schreiben. „Bevor ich mein eigenes Geschäft gegründet habe, wurde ich freigestellt – diese Zeit habe ich genutzt, um mein damaliges Gefühl von Orientierungslosigkeit aber auch den Blick in die Zukunft in Songs niederzuschreiben. Innerhalb von nur einer Woche wurden die zehn Songs des Albums im Little Big Beat Tonstudio im liechtensteinischen Eschen aufgenommen (in Live-Atmosphäre, also die ganze Band in einem Raum). Für die Vorabsingle „Mr & Mrs“ haben sich die St. Galler Support einer aufstrebenden Sängerin aus Los Angeles geholt. „Madyx hat uns auch beim Schreiben unterstützt. Ich wollte mich ja weigern, je einen Love-Song zu schreiben“, so Sänger Sandro energisch. Vom Resultat, das nun auch eine Hommage an seine Ehe ist, hat er sich dann aber doch überzeugen lassen.

You always ask of me to do the things I don’t wanna do
I always listen to you ‚cause I don’t wanna be
Mr. Perfect, who broke Miss I’m so beautiful’s heart
Mr & Mrs.

Guinness in den Adern?

Die Saint Citys bezeichnen ihre Auftritte ja gern als „günstigste Option, nach Dublin zu kommen“. Und wer schon einmal ein Konzert des Quartetts erleben durfte, fragt sich schon, ob die St. Galler Guinness in ihren Adern haben. „Es fällt uns einfach extrem leicht, diese Musik zu spielen – ja, irgendwie haben wir es schon in uns“, so Sandro, der aber auch gern betont, dass St.Gallen ja sowieso einen irische Stadt sei, da durch den irischen Wandermönch Gallus begründet. Für ihren Erfolg machen Sandro, Mäsi, Jerôme und Gabriel aber vor allem ihre unbändige Spielfreude verantwortlich. „Nicht umsonst heisst das Album ‚Chaos‘. Wir sind ein verdammtes Chaos auf der Bühne. Nicht, weil wir keine Setlist hätten – aber weil wir einfach auf das Publikum reagieren, seine Freude in uns aufnehmen und eine unvergessliche Party veranstalten“, so Sandro. Nach einer Show brauche man überlicherweise mindestens eine Stunde, um wieder zu Kräften zu kommen. „Wir sind eigentlich nicht einmal wirklich gute Musiker – aber wir haben verdammt viel Spass da oben!“ Auf der Bühne lieben und leben die Saints ihre ganz eigene Interpretation von irischen Melodien, die auf St.Galler Punk-Attitude treffen. „Wir bezeichnen uns als Irish Punk Band, denn im Herzen sind wir schon eher Punks denn Folk-Musiker“.

If madness is knocking at your door
Don’t run away and face it in it’s core
Cause I’m a punk
I’m a punk

Ausverkaufte Release-Show

In den letzten Tagen mussten die Saints immer wieder schweren Herzens Absagen austeilen, wenn es um Tickets für ihre Release-Party ging. „Die 450 verfügbaren Tickets sind restlos ausverkauft, mehr geht nicht!“, freut sich Sandro und ist sicher: „Die CD-Taufe wird typisch Saint City Orchestra – mit mehr als genug Bier und einer kleinen Überraschung.“ Nicht umsonst haben die St. Galler schliesslich ein Sponsoring der heimischen Schützengarten. Und für alle, die kein Ticket mehr bekommen haben: Auf der Release-Tour gibt es genug Gelegenheiten, einfach mal den Alltag zu vergessen und mit den irischen Punk-Helden abzufeiern. Prost!

Bilder: Saint City Orchestra

 

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