Ein Versteck für die Seele

Nun hat auch die Ostschweizer Rockette ihre Schreibdepression überwunden. Dank guten Freunden. Und einem magischen Versteck, wo ich eines der wohl besten Debüts einer Schweizer Band finden durfte, das mir je auf die Dropbox gekommen ist. Be still, my heart. Ach nein! Es schlägt viel zu laut.

22:53 Uhr, Monster Ultra intravenös, Karotten im Akkord (während andere Schoggi essen bei Stress, knabbere ich Rüebli wie eine Hase). Nach einem 15-Stunden-Arbeitstag verlangt meine Seele ein paar Streicheleinheiten. Einen Rückzugsort, wo sich das geschundene Hirn wieder entspannen und das Herz im Takt der Musik klopfen darf. Wie passend, dass sich die Band, die heute mein Herz brennen lässt, A Place Left To Hide nennt. Und noch passender, dass die Band sich selbst mit drei der Adjektive beschreibt, die für mich Musik zum ultimativen Seelenfutter machen:

Sanftmütig. Brachial. Seelenvoll.

Über Freunde zu schreiben, ist immer so eine Sache. Aber diesmal fällt es mir so leicht wie selten zuvor. Nach dem ersten Durchhören der drei Songs, die A Place Left To Hide für Ihre Debüt-EP „Sonora“ zusammengestellt haben, ist mir ganz schwindlig. Ja, es ist spät abends und von diversen Koffein-Getränken beflügelt, mag meine Begeisterung noch ein wenig höher fliegen – aber gopfedammi I sägs eu, die EP isch sooo guet, also weisch, sooo mega guet! Man merkt schnell, ich bin in Liebe mit jedem einzelnen Ton, den Drummer Pirmin Kurmann, Sänger und Gitarrist Toby Rüdisühli und Basser Roman Engler in zwei Tagen bei Rino Records aufgenommen haben.

„Feeling like Schindler“ brettert mit einem Schrammelriff los, dem später ein prägnanter Bass im Wechselspiel folgt. Über allem liegt ein Spannungsbogen der Drums, der dem Song ein gewisses Getriebensein gibt.

Während man sich in den ersten Tönen von „Servants“ schon beinahe bei „House of the rising sun“ wähnt, nimmt einen die Reibeisenstimme von Toby Rüdisühli auf eine melancholische Reise mit, die nach knapp 1,5 Minuten von herzklopfenden Drums untermalt wird, bevor eine scharrende, schleifende Gitarre das Klangspiel komplettiert.

Aber mein absoluter Herzenssong auf „Sonora“ ist „Not a burning for a moment“. Irgendwie traurig, irgendwie schön, ein wenig sentimental, eigentlich eine Liebeserklärung, die ohne Kitsch auskommt. Ein absolut perfekter Song, um mit dem Zug durch die Natur zu fahren und den Blick schweifen zu lassen. Zwischendurch erinnern die Gitarren ein bisschen an Biffy Clyro (als sie noch zu meinen Herzensbands gehören, aber das ist eine andere Geschichte). Ich singe jedenfalls ganz laut mit: „We always knewwww whereee we beloooooongggg“.

Ab in die Wüste

Ihr gemeinsames Musikmachen sei „pure Passion“, beschreibt Bassist Roman Engler. Aus allen Ecken der Schweiz zusammengekommen – Luzern, Buchs, Romanshorn – hat es einfach sofort gepasst zwischen den drei Musikern. Ihr persönliches Hideaway ist ihr Proberaum: „Inspiration wird geteilt und Ideen fangen hier an zu klingen. Dieser kreative Prozess und die persönlichen Gespräche machen diesen Ort für uns zur Oase. “ Aber auch das in der Natur sein sei allen Dreien wichtig, weshalb der Gegensatz von Stadt und Natur auch das Bandlogo geprägt hat.

Ein sehr verlassener Ort, um sich zu verstecken, sei für die Band die Wüste Sonora. „Daher der Name für die EP. Es gibt ganz verschiedene Wüsten – für uns ist das der Bezug zur Abwechslung, der Dynamik in unserer Musik. Wir haben auch versucht, mit den drei Songs auf der EP unser breites Klangspektrum, das wir dem menschlichen Genre-Denken zuliebe in Post-Grunge-Rock kategorisiert haben, zu zeigen.“

Wer, wie ich, heute ein Versteckt für seine musikverliebte Seele sucht, sollte sich die EP sofort anhören. Ab heute gibts „Sonora“ auf allen bekannten digitalen Kanälen.

(Bild- und Logo-Credits: A Place Left To Hide)

 

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