Endlich Bright November

Bright November feiern jeden Like, jedes Herzli auf Instagram – genau wie Rockette. Doch wir finden die Bilder der Berner Band nicht einfach nur mögenswert, wir wollen auch wissen, was genau sie uns erzählen. Endlich mal wieder ein Instaview.

Bevor ich zur Sache komme: Am Wochenende hab ich im Rahmen meines neuen Hobbys „US-Radiostationen-nur-wegen-der-geilen-Jingles-hören“ (Altrok – we’re makin‘ our own gravy since 2002) die Band Pop Will Eat Itself spätentdeckt. Und ich dachte mir, ja, stimmt schon, Pop wird sich möglicherweise irgendwann selbst auffressen. Oder vom Schlager aufgefressen werden. Aber sicher nicht, solange er sich so kraftvoll und klar und nicht sich-selbst-überrumpelnd positioniert wie jener Pop von Bright November.

Und jetzt die Sache: Die Band veröffentlicht diese Woche ihr erstes Album nach der vielbeachteten EP „Seeking the Day“ (2013). Sänger Matthias Guggisberg und Gitarrist Pascal Berger haben mir selbst gesagt, sie hätten das Rad musikalisch gesehen nicht neu erfunden. Wofür ich ihnen sehr dankbar bin, übrigens aus ähnlichen Gründen, wie ich Matto Rules seinerzeit dankbar war. Pop ist Pop ist starke Melodien sind eingängige Refrains sind ein sicherer Wert. Obwohl man die beiden Berner Bands nicht in den haargenau gleichen Topf werfen kann, weil Bright November dann doch sbitzli mehr Gitarre sind, wo Matto Rules sbitzli mehr Synthie.

Warum hab ihr so lange auf euer Debütalbum warten lassen?

Pascal: Nachdem wir unsere EP relativ schnell aufgenommen und rausgehauen hatten, wollten wir was Richtiges machen.
Matthias: Zur Zeit der EP hatten wir vielleicht zwei bis drei Songs mehr im Repertoire als veröffentlicht worden sind. Auf unserem Album hätten wir sicher 25 Songs bringen können, doch wir wollten nicht mehr als zwölf herausgeben.

Die Auswahl scheint euch nicht leicht gefallen zu sein.

Pascal: Es hat viele Diskussionen gegeben, ja. Unser Ziel war es, alles soweit runterzubrechen, dass uns die Auswahl am besten repräsentiert.
Matthias: Wir mussten schmerzliche Trennungen verkraften.

Ziemlich genau vor einem Jahr habt ihr über eure Pläne geredet.

Matthias: Kann es sein, dass wir da entschieden haben, in die Staaten zu gehen? Wir hatten verschiedene Studios in Betracht gezogen … ich glaube, als dieses Foto gemacht wurde, hatten wir uns gerade entschieden, dass wirs wagen und in die Staaten gehen.
Pascal: Es gab sicher in letzter Zeit mehrere visionäre Momente, in denen wir ein Foto hochgeladen haben. Aber die Pläne, die wir in diesem Moment im Kopf hatten, die haben wir auch umgesetzt.

 

Wie seid ihr auf dieses wunderschöne Studio gekommen?

Pascal: Phippu, unser Bassist, ging mit Ben Etter zur Schule. Er ist der Ex-Frontmann von Goodbye Fairbanks und nach Atlanta ausgewandert. Dort hat er sich auf eine Geissart einen huere geilen Job in einem huere geilen Studio geangelt. Zu einem Zeitpunkt, an dem wir uns eigentlich schon für ein Studio in Deutschland entschieden hatten, fragte er uns, ob wir dort hinkommen wollen. Wir dachten, wenn wir schon weg gehen, warum nicht gleich richtig weit weg.

Und so habt ihr letztlich auch dort  Weihnachten gefeiert…

Matthias: Wir haben abgesehen von der Deko nicht viel von Weihnachten mitbekommen.
Pascal: Am 24. sind wir irgendwo in einem Pub gesessen und haben gegessen (und gesungen Anm.d.Red.). Bei 25 Grad und huere lauter Musik.

Was war schöner, die Aufnahmen in diesem Studio in Atlanta oder die im Badezimmer?

Pascal: Das kann man nicht vergleichen. Atlanta war ein ganzheitliches Erlebnis, das hört man dem Album auch an. Wir waren da komplett isoliert, in einer Stadt, in der wir keinen kannten. Wir hätten auch in Zürich aufnehmen und abends im eigenen Bett schlafen können. Das Bild im Bad – war das da, wo ich das Mik an irgendeinen Stuhl geklebt habe?
Matthias: Also wenn es das ist, dann war das bei irgendeiner Vorproduktion. Wir haben immer wieder für uns Versionen aufgenommen. Und ich glaube, das war bei einer Session, in der Päscu seine Gitarre nochmal überdenken musste. Und er dachte, er könne im Bad den besseren Hall rausholen.

2013 habt ihr ein Storyboard für ein Video gemacht. Schon das sah extrem professionell aus. In Anbetracht des schönen neuen Clips und überhaupt des ganzen Artworks komm ich nicht umhin, zu behaupten, dass ihr extrem viel Geld habt.

Matthias: Dass es professionell aussieht, ist erst einmal schön zu hören. Aber dieses aus einem Guss, dieses Visuelle, das kommt von unseren Berufen her.
Pascal: Mätthu ist Grafiker, ich bin Fotograf, wir können ziemlich viel selber machen. Der erste Videoclip („Strain Return„) zum besagten Storyboard war allerdings so ein bisschen ein Kurzschluss. Wir sind kurz zusammengesessen, und alles passierte megamegaspontan. Diesmal waren wir früher dran. Und wir haben den Clip in Deutschland produzieren lassen, von Kollegen, die das beruflich machen.
Matthias: Das Artwork und alles, was damit zusammenhängt, würde natürlich immens viel kosten. Aber wir haben das Geld eben nicht ausgegeben. Phippu, unser Bassist ist übrigens Informatiker und kann unsere Website machen.

Pascal, feierst du deinen Geburstag immer im Bademantel?

Pascal: Wir waren damals in Pontresina, haben in einer kleinen Après-Ski-Bar gespielt, in der die Bühne kaum grösser war als ein Beizentisch. Wir konnten aber in dem 5-Sterne-Hotel mit Wellnessbereich, Whirlpool und Sauna übernachten. Nach dem Soundcheck haben wir das ergiebig ausgekostet, haben es in den Bademänteln so richtig genossen.
Mätthu: Wir waren damals alle im Flash. Wir mussten zwar noch was leisten, aber das war alles so gut, wir lagen noch zehn Minuten vor Konzertbeginn auf dem Bett und schauten „TV Total“. Das war für uns wie ein Ferienwochenende.
Pascal: Es hatte ein übrigens ein WC mit Dusche, wie bei Melanie Winiger in der Werbung, das war ein Ausnahmemoment.

 

 

 

 

BRIGHT NOVEMBER: „IN THIS TOGETHER“, out 25.08.

*** Hier verlosen wir ein signiertes Album im Säckli – je nach verfrühter Novemberlaune mit anderen Goodies wie kaputten Gitarrensaiten oder Altpapier aus Zürich) ***

LIVE: 25.08. Gaskessel, Bern (Plattentaufe)

(Bilder: Greg Scheidegger / Instagram Bright November)

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