Es ist wieder mal schwierig, über Andrea Bignascas neues Album zu schreiben

„Murder“ ist schön. Auch, weil das Album an Vergessenes erinnert. 

Es gab da diese Beiz in Ponte Brolla. Dort an der Kreuzung, wo es eher lärmig ist, Centovallibähnchen, Velofahrer, Tessiner und Deutschschweizer Nummern und ganz viele Biker treffen auf diesem kleinen Fleck aufeinander. Früher stand noch eine alte Zapfsäule an der Strasse, die ins Maggiatal führt, sie ist verschwunden, und überhaupt ist jetzt alles ein bisschen anders (heute ist die Beiz ein hübsches Restaurant, es heisst Osteria all’Orrido, und man kann sogar gut essen. Ich nehme an, die Besitzer haben gewechselt). Langer Rede, kurzer Sinn:

Mir kommt immer Andrea Bignasca in den Sinn, wenn ich dort vorbeifahre. Und die Bikerbar von früher, wenn ich Andrea Bignasca höre (allerdings im Auto, nicht auf dem Töff).

Die Bar, die es nicht mehr gibt, und der Tessiner (aus Lugano, glaub ich) haben, denke ich, nichts miteinander zu tun. Bei mir wecken beide aber diese diffusen Gefühle, die eine Mischung sind aus Verklärung der Vergangenheit und einer Sehnsucht nach der Zukunft, wie es sie wohl nie mehr geben wird.

Weil Andrea Bignascas Bluesrock etwas Ursprüngliches hat. Gitarren, wie man sie kaum mehr hört dieser Tage, eine Stimme, jammernd und doch kräftig, ja, halt … wie Rockmusik einmal gewesen ist. Kann sein, dass der Tessiner mich deshalb so berührt, weil er zurückbringt, was ich verloren glaubte. Gut, vielleicht fand ich sein erstes Album „Gone“ ein bisschen eingängiger, aber „Murder“ ist auch schön.

So. Bevor ich noch mehr Blödsinn erzähle, fahr ich besser wieder los, mit Andrea Bignasca. Bei Song Nummer fünf, „Graced“ muss ich sowieso wieder anhalten. Ich werd da immer ganz melancholisch.

ANDREA BIGNASCA: „MURDER“, out (Radicalis)

Nächstes Konzert: 05.10., Salzhaus, Winterthur. Der Rest: Hier.

(Bilder: Luca Tonello/zvg)

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