Es klingt so schön nach Völlerei

In Zeiten der fettarmen Milch und der veganen Pizza ist es, aaaaah, so beruhigend, dass eine Band mal wieder so richtig dick aufträgt. Danke Pillar of Salt. 

Ein Intro wie eine Predigt, eine Opernsängerin, ein Indianerruf, schwerfälliger Gesang, Schlagzeug und sehr viel richtig motivierte, richtig geile Gitarre … so in etwa klingt sie, „Die Wolfsstunde“. Schwer, sich etwas darunter vorzustellen, ich weiss. Und ja, der Bieler Sänger und Gitarrist Philippe Delacombaz hat sich mit dieser satten Klangkombi viel vorgenommen. Nicht nur er: Drummer Pieric Grosjean unterstützt den Rockfantasten bei der musikalischen Umsetzung seiner mastigen Ideen, und zusammen schaffen sie Düsterheit, Unheimliches, aber auch sehr Stimmungsvolles, eine Zusammensetzung mehrerer künstlerischer Elemente. „Die Wolfsstunde“ ist nämlich nicht nur ein Rockalbum, sondern auch eine Art Hörbuch, enthält es doch von Delacombaz mit viel Pathos vorgetragene Gedichte der Seeländer Autorin Daniela Hess. Ja, eben, Pillar of Salt gingen gross, als sie dieses Album letzten Sommer veröffentlichten, und es mag nach too much klingen, doch das Gesamtpaket ist haargenau richtig so.

Denn sind wir doch ehrlich, überall wird entschlackt, gepützelt, aufgeräumt. Und das nicht selten auf Kosten des Genusses. Und des Humors. Pillar of Salt, dessen bin ich mir ziemlich sicher, nehmen sich selber nicht so todernst wie sie stellenweise klingen. Vielmehr zelebrieren sie das Privileg, sich austoben zu können, leidenschaftlich zu sein, über die Stränge zu schlagen, auch wenn sie Geschäftlimacher garantiert in die Schranken weisen würden. Und zur Musik (und DVD!) liefern sie dann auch gleich noch ein abgefahrenes Artwork ab. Ein Hoch auf die schadlose Unersättlichkeit.

PILLAR OF SALT: „Die Wolfsstunde“, out (Eigenvertrieb)

(Illustration: Elle Étoile Graphic Design)

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