… euer Jessi Bradshaw

Vergesst für einen Moment, dass in wenigen Tagen das neue Album von Treekillaz“ erscheint, hier kommt was viel besseres. Ihr werdet nicht glauben, wem Gitarrist und Rockstar-Tagebuch-Autor Jessi an irgendeiner Soundtüftler-Messe in Los Angeles einen Blind Test angedreht hat. Wir sagen nur: Isn’t he lovely?

Unsere Plattentaufe rückt näher und wir üben, haben das Merchandise bestellt, Platten sind an Lager und wir alle aufgeregt. So langsam kommen auch Konzertanfragen rein, wir werden bestimmt wieder geile Sachen erleben in den nächsten zwölf Monaten. Übrigens waren wir nach 19 Jahren Bandgeschichte endlich im SRF3-„Rock Special“ eingeladen (hier kann man die Sendung über die „reifen Rocker“ nachhören). Der Dominique Dillier hat gedacht, wir seien schon öfters da gewesen, dem ist aber nicht so. Obwohl, verdient hätten wirs schon lange. Egal, lieber spät als nie. So lieferten wir am letzten Mittwochabend einen sehr angenehmen Auftritt ohne jegliche Serge-Allüren. Unsere verlosten Platten waren sofort weg und die Liveschaltung zum Hockey-Cup-Final wurde auch immer wieder verschoben. Wen interessieren schon Kloten und Genf?

Zu einem anderen denkwürdigen Tag in den letzten Wochen. Ich musste beruflich in die USA, zu einer gewissen NAMM-Show (National Association of Music Merchants) reisen. Man muss sich das so vorstellen: Ein grosser Stand, ein Podium und Künstler, die Vorträge halten. Und ich bin für das Mischen von Stimme und Sound zuständig. Eigentlich nichts Grosses, doch in Los Angeles ist es laut und man muss schon sehr gut aufpassen. Auf jeden Fall gab es da auch verschiedene Arbeitsstationen, an denen man unsere Produkte testen konnte. An einem Tisch konnten die Besucher sogenannte Blind Tests machen, was bedeutet, dass man verschieden Signale hört und nicht weiss, was es genau ist. Mitten in einem meiner stressigsten Momente kam eine kleine Entourage von vier Männern vorbei. Der in der Mitte war etwas grösser ausgefallen, was im Land der sehr begrenzten Einwanderung nicht sonderlich auffiel. Er fragte mich nach einem gewissen Produkt und ich drehte mich nur kurz um und erklärte dem Herrn, dass es gegenüber eine Arbeitsstation gibt, an der man Blind Tests machen kann. Soweit alles wunderbar. Es vergingen genau fünf Minuten bis mein Chef zu mir kam und sehr verärgert fragte: „Was fällt dir ein, Stevie Wonder einen Blind Test anzubieten?“ Ja, jetzt wo er das so sagte, habe ich den Klavierspieler dann auch erkannt. Wie peinlich.

Ach übrigens: Hier das neue Treekillaz“-Plakat:

Jedenfalls musste ich mich offiziell entschuldigen und hoffen, dass die Zeit Gras über die Sache wachsen lässt. Nur so am Rande, mein Chef fand die Aktion das Geilste, was er je erlebt hat. Aber vor Ort musste er natürlich nach guter US-Manier den starken Mann markieren. Ich wiederum habe gelernt, dass man diese Stars halt einfach kennen sollte, was aber nun wahrlich nicht meine Stärke ist. Das war ja nicht meine einzige Begegnung mit zweifelhaftem Ausgang. Alanis Morissette habe ich in Montreux als die süsse kleine Frau vom Catering abgespeist. Sie fand das aber eher sympathisch, glaube ich jedenfalls. Dem Tremonti (Alter Bridge/Creed) habe ich in Italien an einem Festival erklärt, wie man Gitarre mischt. Er hat sich am Ende des Gesprächs dann vorgestellt, also eigentlich hat er gesagt „Thank you for your input, my name is Mark“ und hinter ihm stand an der Garderoben Tür „Band: Alter Bridge“. Da ging sogar bei mir ein Licht auf.

Zum Glück fand das anschliessende Nachtessen in einem geschützten Rahmen statt. Das heisst, ich wusste, dass da alle wichtig waren. Und hey, einige habe ich sogar erkannt. Mein Tisch war vollbesetzt mit Grammy Awar Winning Producers. Dem Tony Maserati etwa – er produziert ganz viele R&B- und Black-Music-Sachen inkl. Beyoncé, Black Eyed Peas, Mariah Carey, James Brown, Lady Gaga etc – habe ich erklärt, dass er mich immer anrufen kann, falls er mal nicht weiss, wie man mit schwierigen Künstlern umgehen soll. Ich hätte schliesslich 19 Jahre Erfahrung mit Tinu. Er meinte dann nur, who the fuck ist Tinu und okay, I call you. Zum Schluss haben wir uns zu einem gemeinsamen Eishockey-Spiel verabredet. Ich bin nicht zu 100 Prozent überzeugt, dass es je soweit kommen wird, andererseits hätte ich mir auch nie träumen lassen, mit all diesen Leuten an einem Tisch zu sitzen. Ich lebe wohl den „American Dream“ gerade – vom KV-Lehrling zum angehenden Tellerwäscher, oder wie war das? Egal, ich freue mich auf den 18. Februar – nicht mehr lange und wir rocken die Coupole.

Für Fans: Alle älteren Posts von Jessi findet ihr im Tagebuch-Archiv.

Tags:

Schreibe einen Kommentar