… euer Jessi Bradshaw

Nach längerer Schreibpause meldet sich Rockette-Rockstar Jessi mit einem neuen Tagebucheintrag zurück. Und er klärt uns über den Musiker- und Eventjargon auf.

Was ist passiert seit der Veröffentlichung unserer Platte? Wir übten viel, hatten ein paar wunderschöne Konzerte und keine Skandale (das ist ja unser Marketingkonzept). Der Gig im Böröm war wie erwartet geil. Die Jungs, die diesen Club betreiben, sind in der Welt der Veranstalter einzigartig. Ich glaube, wir haben im Böröm schon ungefähr zum siebten Mal gespielt. Und wie es sich so gehört, wenn man zu Freunden geht, wurde getrunken, und das nicht zu knapp. Also der Res war am Limit, ich auch, aber zum Glück nicht drüber. Alle Finger wussten noch, wo sie hingehören und warum sie auf dem Griffbrett was drücken – also meistens.

Der Gig im Sommercasino war dann eher als sonderbar einzustufen. Wir haben uns auf die geile Halle gefreut, wurden bei Ankunft aber direkt in den Keller verfrachtet. Wir wussten gar nicht, dass es den gab. Nach dem ersten Schock kehrte aber schnell die Freude zurück. Der Keller Club ist toll. Da unsere Labelkollegen TAY/SON ihre Plattentaufe feierten, rechneten wir mit einem vollen Laden. Na ja, die Jungs taten mir etwas leid, denn so viele wurden es dann nicht, und das Konzert ging eher unter die Rubrik „Wenn was falsch lief, nicht so schlimm, hat eh keiner gesehen“. Es gibt aber ein Bild von mir und Res auf dem Heimweg – es zeigt wahre Liebe bis zum Äussersten.

True Love: Jessi und Res
Jetzt stehen uns die harten Wochen bevor. Heute Abend, Gig mit Clawfinger im Z7, dann Gig mit Dog Eat Dog im Kofmehl, Gig mit der Bieler Prominenz in der Kufa und die Barbarie kommt auch bald wieder. Wir haben es uns zum Motto gemacht, nur noch mit Bands zu spielen, die noch älter sind als wir. Et voilà, DED und Clawfinger passen da sehr genau in unser Beuteschema. Und obwohl die Bands seit Jahrzehnten unterwegs sind, kostet ein Stehplatz-Ticket für ihre Konzerte nicht 463.75 im Vorverkauf. Dies nur ein kleiner Seitenhieb an die Rolling Stones. Und jeder, der ein Ticket für das Konzert in Zürich kauft, soll bitte daran ersticken. Nichts gegen die Stones, sie haben meine Jugend auch geprägt. Aber wie zur Hölle kann ein Ticket so viel wert sein? Gibt es da pro Zuschauer eine persönliche Oben-ohne-Bewirtung? Mein Wunsch: keiner kauft Karten bis die Herren Millionäre merken, dass es Grenzen gibt, auch wenn sich der Frontmann mit gefühlten 180’000 Jahren immer noch wie ein Karnickel vermehrt. Egal, bin etwas abgeschweift – mea culpa.

Übrigens, für alle, die sich immer als dumm einstufen, weil sie die Musiker- und Eventbegriffe nicht verstehen, der Tinu kann euch jetzt entlasten. Ich habe in unserer internen WhatsApp-Gruppe eine Nachricht geschrieben: VVK Z7 1000. Da kam von ihm die Nachricht zurück: what the fuck ist VVK?. Seht ihr, auch einem Rock’n’Roll-geprüften Frontmann kann man nach 19 Jahren Treekillaz“ noch etwas beibringen. Und weil das so schön ist, habe ich die Liste erweitert, nur so als Absicherung:

VVK: Das ist der Vorverkaufsstand.
TBC: To be confirmed. Heisst es meistens dann, wenn irgend ein Idiot nicht weiss, was er zu schreiben hat.
TBA: To be announced – etwas wird also zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt. Das heisst es, wenn der Idiot keinen Kalender hat oder irgendetwas vom Vertrag nicht bieten kann, das aber so nicht sagen will.
Get in: Die Zeit, zu der die Band da sein sollte. Das Wort sollte hat hier einen ganz hohen Stellenwert, denn meistens kommen die Bands wegen Stau viel später, obwohl es den Stau in den seltensten Fällen gibt.
Curfew: Ist dann, wenn der Veranstalter die Schnauze voll hat von der Band und eigentlich nach Hause möchte. Übrigens heisst eines unserer Alben „Leaving Last“. Der Titel stammt aus der Zeit, in der wir immer und wirklich jedes Mal als Letzte gegangen sind. Das Gaswerk in Winterthur hat uns einmal mit einer Flasche Vodka und einem Kasten Bier rauslocken wollen. Die Getränke haben wir behalten, aber natürlich im Gaswerk gesoffen. Prinzipien sind halt schon wichtig im Leben.
Buscall: Heisst es, wenn man auf grosser Tour ist und das Glück hat, einen Nightliner zu haben. Dann gibt es den berühmten Buscall. Wer nicht da ist, selber schuld. Ich habe es zu meinem Erstaunen noch jedes Mal rechtzeitig geschafft. Aber nicht immer wusste ich, wieso und schon gar nicht, wo ich aufstehe.
So, nachdem ich das Allgemeinwissen aller Rockstar-Tagebuch-Leser bezüglich Abkürzungen und deren Bedeutung auf Vordermann gebracht habe, freue ich mich auf die Gigs mit den Schweden und Amis und melde mich danach wieder. So long.

*** VERLOSUNG ***: Hier könnt ihr 1×2 Tickets für das Konzert von Dog Eat Dog (Support: Treekillaz/Mad Sox) gewinnen.

GUESTLIST: Jessi ist Gitarrist der Bieler Band Treekillaz“ und meisterlicher Erzähler skurrillustiger Geschichten aus dem Leben eines Musikers, der den Rock’n’Roll-Lifestyle mit dem grossen Löffel gegessen hat. Also getrunken. Seine bisherigen Beiträge findet ihr hier.

(Bilder: Presse Treekillaz / Jessi)

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One thought

  • Wir haben die Tix verlöselt und einer hat gewonnen. Der hat jetzt auch eine Mail bekommen. Glückwunsch!
    Rockette Dominique

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