11. Dezember: … euer Jessi Bradshaw **Verlosung**

imbus

Es ist eine vergleichsweise ruhige Adventszeit für Tagebuch-Treekilla Jessi. Immerhin gab es Jahre, da flogen ihm die Weihnachtsbäume um die Ohren, und der Diebstahl eines Adventskranzes zum Zwecke der Busverschönerung war noch das Heiligste … lest selbst.

11.12.2016
Wie beim letzten Blog angedroht, kommen jetzt ein paar skurrile Tourgeschichten. Den Anfang machen wir mit unserem Tourstart in Schweden – mit den berühmt-berüchtigten Clawfinger. Der Club hiess Debaser und die erste Frau, die ich am Nachmittag kennengelernt habe (im Backstage), war eine blonde, schöne Schwedin. Ihre Eltern arbeiteten bei Ikea, mehr Klischee geht wohl nicht. Auf jeden Fall war der Saal gut gefüllt, wir hatten in der Heimatstadt von Clawfinger einen sehr gelungenen Auftritt und von einem Besucher sogar das Kompliment erhalten, den Headliner an die Wand gespielt zu haben. Ich selber würde nicht so weit gehen, aber egal.
Nach dem Gig haben wir ordentlich gefeiert und die Backstage-Bar, sprich Kühlschrank, komplett leer gesoffen. Der Tourmanager und Mischer von Clawfinger, Gustav, hatte nach deren Auftritt so viel Freude am leeren Kühlschrank, dass er seine Ablehnung, Abneigung, ja, es war schon fast Hass auf uns, nicht mehr zurückhalten konnte. Wir verstanden erst gar nicht, wieso eine Band wie Clawfinger nicht sowieso unbegrenzt Bier zur Verfügung hat, aber der Fakt, dass ein Bier in Schweden umgerechnet 14 Franken kostet, machte uns im Nachhinein etwas schlauer. Während der 27-tägigen Tour wurden wir trotzdem alle ganz gute Freunde, und der Tourmanager zahlte uns ab und zu ein bisschen was zurück: In einem Club beispielsweise war der ganze Kühlschrank mit der Aufschrift „Clawfinger“ beklebt – und ganz unten waren zwei Colas und drei Bananen, da stand dann „Treekillaz““.  Very funny …
Next story: Auf der Tour mit der deutschen Rockband Blind hatten wir einen dieser schönen grossen Nightliner, das sind diese Cars mit Betten drin. Sehr cool, das heisst, man kann trinken bis zum Umfallen, und das Bett ist immer vor dem Club. Was uns direkt zur Weihnachtsstory mit Blind in Greeven, Deutschland bringt. Joachim, der Sänger von Blind, war ein sehr netter und zurückhaltender Typ. Er hatte auf der ganzen Tour so eine Treppe dabei, damit er auf der Bühne Rockstar spielen konnte. Leider waren die Clubs oder er oder was auch immer selten so gut, dass diese Treppe zum Einsatz hätte kommen können. In Greeven entschieden Tinu und ich, dass wir auf die Nachteile pfeifen, und diese Rockstar-Treppe während ihrer Show auf die Bühne tragen. Joachim war so glücklich – und er wusste noch nicht, dass dieser Abend noch denkwürdiger enden würde.
Nach dem Gig hat sich die Veranstalterin kurz verabschiedet. Ich glaube, sie wollte Gage und Abrechnung machen. Auf jeden Fall fragte uns einer ihrer Mitarbeiter, ob wir „Whiskey Cola des Todes“ kennen. Wir (Treekillaz“) haben verneint, und da kam auch schon dieses 3dl Glas mit 2.9dl Whiskey und einem Schuss Cola gefüllt. Ich persönlich habe mich von dem Treiben entfernt und bin in den zweiten Backstage gegangen, um mit meinem iPhone meine eigene Disco zu veranstalten. Als ich ca. 20 Minuten später zurück in den Saal kam, stellte ich sofort fest, dass der Name „des Todes“ schon seine Richtigkeit hatte. Der Raum war zerstört. Der Schlagzeuger von Blind (Typ Schwarzenegger, sprich sehr kräftig und gross) hatte den ganzen Weihnachtsbaum in der Hand und schwang den im Raum herum. Alles, was im Weg war, ging zu Bruch. Ab und zu musste ich mich reflexartig ducken, denn es kamen auch Stühle geflogen. Die Veranstalterin kam wieder und Blind zahlte die komplette Gage zurück.
Nur so am Rande: Sänger Joachim war schon längst im Bus am schlafen, während der Gitarrist seiner Band dann auch noch einen Weihnachtskranz gestohlen und zwecks Verschönerung des Buses vorne auf das Amaturenbrett gelegt hatte. Zu meinem Vergnügen hat der ahnungslose Joachim daraufhin gesagt: „Hey Jungs, das könnt ihr nicht einfach klauen, sonst ist der Veranstalter nicht glücklich.“ Ich gab ihm dann zu verstehen, dass der Kranz das kleinste Problem des heutigen Abends sei. Er ging in den Club und kam kreidenweiss zurück. Nur zur Info: Treekillaz“ haben sich zu jeder Zeit relativ zurückhaltend verhalten und nein, es wurden keine Tiere, Kinder oder Frauen verletzt.
Das Emmental ist auch immer eine Story wert. In Huttwil am Hutturock hat unser Tinu die Zuschauer vor dem ersten Song gefragt, ob jemand gerne einen „Schriener Chlapf“ hätte. Ein normales Publikum würde dies verneinen. Aber der Emmentaler ist ein anderer Schlag Mensch. Natürlich gab es zwei Herren, die diese Einladung annahmen. Und wusch gab es zwei deftige Waschen an die Birne – und los ging das Konzert. Solche Momente lockern die Beziehung zwischen Band und Publikum immer sehr rasch auf, und so wurde auch dieser Abend zum Fest.
Und noch eine kurze Anekdote, die zeigt, dass auch richtige Rockstars nur Menschen sind. Am Mont Soleil Open Air haben wir auf der zweiten Bühne gespielt, Headliner waren unsere Kumpels von Clawfinger. Da ja der Zak (Sänger oder wie soll man das nennen, Mundartistik-Künstler mit Rap-Historie vielleicht) schon auf unserer Platte „Leaving Last“ bei einem Ramones-Cover den Mittelteil gesungen hatte, war allen klar, dass er diesen Teil an diesem Abend auch zum ersten Mal live darbieten würde. Also kam er während des Songs auf die Bühne. Worauf sich wohl das komplette Publikum fragte, was dieser gstabige, lange Nordländer neben dem wahrhaftigen Rockstar Tinu macht … Nein, Scherz beiseite, es fing alles gut an. Doch kurz vor seinem Part brach Zak fast in Panik aus. Er schrie mir und Tinu die ganze Zeit ins Ohr: „Count me in, count me in“. Der Tinu, nicht bekannt für Zählfähigkeit und Rhythmusgefühl, ebarmte sich, den armen Mann mit einem „one, two, three, four“ an seinen Einsatz heranzuführen. Man sehe: Wir haben zwar weniger Platten verkauft, können aber bei einem 4/4-Takt auf die 1 beginnen. Wir sind eben doch Profis.
Und da wäre noch Holland, da waren wir viel unterwegs. Vom grossen Club bis zur kleinen Bar. Der Chabi (Ex-Bassist) hatte an einem Festival seinen Abschluss mit uns. Und der Chabi war ja immer an allem schuld. Wenn der Schlagzeuger den Anfang falsch spielte, schauten alle zu Chabi rüber, bis auch er das Gefühl hatte, es wäre sein Fehler gewesen. Was auch immer passiert ist während eines Konzerts, man musste nur zum Bassisten rüber schauen und es war allen klar, dass er das Problem war. Aber eben, an seinem Abschluss- Gig war das Zelt gut gefüllt und mitten im Set haben wir dem Publikum erklärt, dass dies der letzte Auftritt von unserem angehenden Rechtsverdreher sein würde. Tinu forderte die Leute auf, laut und deutlich „Fuck you Chabi“ zu schreien. Diese taten wie befohlen – noch viel länger, als wir es uns erhofft hatten. Wir fanden das toll, ein würdiger Abschied. Ich bin mir allerdings bis heute nicht sicher, ob Chabi das auch lustig fand. Ach übrigens, ich vermisse mein iPad, ich könnte mir vorstellen, dass Chabi es aus Wut irgendwo in einem holländischen Berg vergraben hat. Er nimmt auch nur noch selten meine Anrufe entgegen, aber egal: Fuck You Chabi 🙂
A propos Chabi: In Berlin, im SO36, das ist ein ganz geiler Club wo man als Möchtegern-Punk und -Grungeband gar nicht spielen darf, hat unser lieber Ex-Bassist einen kleinen aber entscheidenden Fehler gemacht. Man darf Tinu vor einer Show nicht zu viel erzählen. Denn es macht nur den Anschein, als würde er nicht zuhören oder zumindest alles gleich wieder vergessn. Aber eben: Der Chabi hat beim Abendessen erklärt, dass ihn das SO36 ganz schön nervös mache. Nach ein paar Songs auf der Bühne hat der Tinu der Menschenmenge erklärt, dass unser Bassist nervös sei und sie bitte doch mal alle „Chabi ist nervös“ schreien sollen. Auch Berlin hat, analog zu Holland, richtig gut mitgemacht und diese Phrase länger als geplant geschrien. Ja, das fand dann auch Chabi lustig.
Und wenn wir schon lustig sein wollen, vor einer kleinen DE/NL Tour sind wir mit unserem uralten VW Bus, mit eingebauter Couch, spätabends aus Biel losgedüst. Business as usual. Unser Fahrer meinte dann kurz nach der Grenze „dieses alte Scheissteil“ funktioniert ja gar nicht so schlecht. Und schon hörten wir den Knall, Motorenknaller besser gesagt, und standen auf dem Pannenstreifen. Der Abschleppdienst hat uns ins nächste Dorf gefahren und wir haben uns bei Bier und Zigaretten überlegt, was wir machen könnten. So gegen Mitternacht kam uns die Idee, mal unser Label anzurufen. Sprich, den Ray, der ja nicht weit weg von der deutschen Grenze wohnte und vielleicht einen guten Rat hätte. Zu unserem Ärger hat er das Telefon um Mitternacht nicht abgenommen. Tinu hat es dann noch einmal probiert, allerdings mit einem fiesen Trick, er hat nämlich die Stimme vom damaligen Plüsch-Sänger Richie imitiert (das kann man hier nicht beschreiben doch ich lache mich noch heute krumm). Und siehe da, Ray ging ran. Also so weit ich mich erinnern kann, sang Tinu etwas wie so wit wäg vo de Bärge mit emne Bus ohni Motor… Nathi, Rays Ehefrau, hat uns dann Monate später erklärt, dass sie beide am schlafen waren und den Anrufbeantworter gehört hätten (früher war da nix mit Combox, das waren noch Aufnahmegeräte, bei denen man mithören konnte). Sie habe Ray im Bett geschüttelt und gesagt: Nimm das Telefon ab, Richie von Plüsch will etwas von Dir, ha ha ha so geil, es waren leider nur die Herren Treekillaz“. Übrigens an dieser Stelle noch der nachträglich Dank an Christoph Borer, der „crazy enough“ war, uns seinen superriesengeilen, 7 Meter langen Bus zur Verfügung zu stellen, damit die Tour dann doch noch stattfinden konnte.
Och, ich könnte noch tausend Geschichten erzählen, aber ein andermal…
Soll ich jetzt die Psychoanalyse von allen aktuellen und ehemaligen Treekillaz“-Membern machen oder nicht?
Für Fans: Alle älteren Posts von Jessi findet ihr im Tagebuch-Archiv.

ROCKETTE-WEIHNACHTSSPECIAL: Wir verlosen jetzt schon 5 Exemplare von Jessis Rockstar-Tagebuch, mit allen Beiträgen bis zur Treekillaz“-Plattentaufe am 18.02.2017 (Jessi hat schon irgendwas angekündigt wie, dass er während diesem Konzert auch noch was schreiben will. Geschichte vielleicht, who knows…). Wer sich eins sichern möchte, soll dies unbedingt bis am 24. Dezember an mail@rockette.space schreiben. Für allen Nicht-Gewinner werden wir eine kleine käufliche Auflage parat haben.
(Bild: Rockette / Jessi, höchst privat)
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