… euer Jessi Bradshaw

Was macht man eigentlich in der letzten Woche vor dem Tod? Also das klingt jetzt schon etwas heftig, Treekillaz“ sind ja (noch) nicht tot, sondern nur fast begraben, am Ende, bald ist aus die Maus, egal, einfach vorbei. Rockstar-Tagebuch-Autor Jessi philosophiert mal wieder.

Hatte gestern mit meinem Lieblingsjournalisten vom Bieler Tagblatt ein Interview, wohl das letzte für Treekillaz“, deshalb hat man uns einen Platz auf der Kulturseite freigeschaufelt. Dies auf Kosten einer Jazzband. Jetzt wissen wir es alle: Treekillaz“ sind Kultur, Jazz gehört auf die lokale Seite. Kennt Ihr eigentlich Jazzwitze? Es gibt ganz viele, leider konnte ich mir nur ein paar merken. Zum Beispiel: Trifft ein Jazzmusiker einen anderen und da meint Jazzmusiker 1, hey, ich habe gestern deine CD gekauft. Sagt Jazzmusiker 2, aha, du warst das 🙂 Gut in der heutigen Zeit könnte man diesen Witz auf fast alle Musiker anwenden, es wird ja eh nur noch gestreamt. Interessiert uns auch nicht mehr, wir werden keine CDs mehr auf den Markt werfen.

Was ich nun aber endlich machen werde in dieser letzten Treekillaz“-Woche, ist, die ominöse Kiste öffnen. Alles, was je mit Treekillaz“ zu tun hatte, habe ich da reingeworfen. Verträge, Fotos, CDs, VHS, MiniDisc, Beta SP, Zeitungsartikel usw. Ich lache mich schief und teile gerne ein paar Impressionen mit euch. Das heisst, die Rockette-Gören sollen entscheiden, was die Welt sehen darf und was nicht.
Übrigens: Ich habe tatsächlich vor ein paar Minuten eine CD gefunden, da steht „Barbarie“ drauf. Dazu weder das Jahr noch sonst eine Info. Bin gerade dabei, die Aufnahmen von damals zu hören, wow, wir waren also früher richtig gut. So in der Hälfte der CD kommt ein Song, ich schwöre beim Grab von Kurt Cobain, ich habe den noch nie gehört. Spielen konnte ich ihn, aber keine Ahnung, woher der stammt oder was aus dem wurde. Ein Coversong scheint es nicht zu sein, dafür ist er zu gut. Für eine Band, die nie gekifft hat, fehlen uns doch einige Momente. Ich schicke den Song mal intern herum, vielleicht kann mir der Honest Martin weiterhelfen. Und jetzt zu den anderen Fundstücken:
Was für eine Frechheit von diesem Dödel. Ich ziehe mich komplett nackt aus in Basel und der Vollpfosten schreibt, Disgroove hätten sich bis auf Unterhosen entkleidet und das Publikum animiert. Nein, das war ich und die Unterhosen waren auch weg. Mann so viel Aufwand ohne Würdigung!
Diese Antwort hat mich in Rage versetzt. Nein, nicht, weil wir kein Geld bekamen, sondern wegen dem mangelnden Ortsbezug. Wir vier Bieler waren zu wenig Biel? Okay, der Res hat noch beim Mami in Orpund gelebt, war ja auch etwas jünger als wir.
Oh mann, so haben unsere Profiplanungen ausgesehen. Ganz interessant, oben rechts „24.5. Chur“. Das war ein Tag vor der Plattentaufe von Indiva. Warner hat sich ganz viel vorgenommen mit uns, so etwa eine Autogrammstunde im Citydisc am Bahnhof. Dass wir, die unsere Gage des Vorabends (1000 Franken) direkt in Chur versoffen und eine Nacht ohne Schlaf verbracht hatten, zu spät zur Autogrammstunde erschienen, und das mit 2 x 10 Pack Bier, hat die liebe Bernadette von Warner an den Rand der Verzweiflung gebracht. Für uns war es einfach geil, die Plattentaufe war auch super, denn ich habe wenig bis gar keine Erinnerung mehr daran.
Nur damit die Rockette-Leserschaft nicht neidisch wird, das ist eine Abrechnung von unserem damaligen Label. Wir zehren noch heute von dieser Überweisung. Ach ne, da steht ja „abziehen von nächster Management-Honorarrechnung“. Man sieht, der Musiker wird immer abgezockt.
 Und hier der unbekannte Barbarie-Song. Wer erinnert sich?

 

(Bilder: Treekillaz / Beitrags- und Jessifoto aus dem Rockette-Fundus)


 

GUESTLIST: Jessi ist Gitarrist der Bieler Band Treekillaz“ und meisterlicher Erzähler skurrillustiger Geschichten aus dem Leben eines Musikers, der den Rock’n’Roll-Lifestyle mit dem grossen Löffel gegessen hat. Also getrunken.
(Hier hat er den letzten Gang seiner Band bereits behandelt – hier sonstiges.)
 
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