… euer Jessi Bradshaw

Free your mind, Jessi, aber vom Inhalt dieses Beitrags will sich Rockette absolut distanzieren. Und zwar nicht zwingend wegen der Sache mit der Verhaftung am Openair Frauenfeld. Übrigens versuchen wir ab heute, die sprudelnden Gedanken unseres Rockstartagebuch-Autors in kleine Kapitel zu gliedern, seht selber …

30.12.2016

Jetzt wollen die verrückten Hühner von Rockette aus meinen Beiträgen ein Buch machen??? Also nicht, dass das nicht immer schon mein Traum gewesen wäre, ich war mir jedoch immer sicher, dass das keine Sau interessiert. Aber gut, es scheint genug gelangweilte Personen zu geben, die nicht nur das Buch von meinem Lieblingsfreund Chris von Rohr lesen wollen. Wenn wir schon beim Thema sind, und sich mein Magen gerade noch nicht gedreht hat, kann ich ja ganz kurz auf diesen Vollpfosten und Möchtegern-Bassisten zu sprechen kommen. Wir hatten mit Treekillaz“ nämlich schon Berührungspunkte. Von Rohr hat sich mal bei Dani Beck ganz schön lustig gemacht über unseren Bandnamen. Irgendetwas im Stile von Tree-Koalas und wir sollten doch Teddybären verschenken. Ich war auf jeden Fall froh, als er vom RCKSTR-Magazin den „Fuck You, You Fuckin‘ Fuck“-Award erhalten hat.

Ich habe ja mal neben ihm am Hellfest in Nantes (FR) gegessen. Er meinte, mein Mix sei sehr geil gewesen. Worauf ich ihn anschnauzte, dass er ja gar nicht dabei gewesen sei  – dann war Ruhe von seiner Seite. Fuck you , you f … Der Tisch war übrigens sehr nett besetzt. Vis-a-vis sass Kiss-Bassist Gene Simmons, irgendwelche Jungs von Korn waren auch dabei, und eben, dieser Gnom mit dem Kopfhudu, der sein Hirn von jeglicher Intelligenz abschirmt.

Bier, Bullen und Backstage-Verbot

Ich habe in meiner letzten Tour- und Konzertreihe etwas ganz Wichtiges vergessen. Ich wurde am Openair Frauenfeld verhaftet. Wie konnte ich diese tolle Story nur unerwähnt lassen? Also eigentlich fing ja alles supergeil an. Warner Music Switzerland hat uns zwar damals nicht viel gebracht, aber ab und zu gab es eben diese etwas grösseren Gigs wie den am Openair Frauenfeld 2004. Mit von der Partie waren damals Adrian Stern (allerdings noch als Rocker und Punker und nicht mit seinem Amerikaschmuseshizzle), Pink, Gentleman, Cypress Hill, Mary J. Blige. Wir hatten einen tollen Auftritt, schauten ab und zu nach links oben, wo wir uns in Übergrösse auf der Leinwand sahen – beängstigend. Der Tinu war super sympathisch, hat viel mit den Leuten geredet und ihnen erklärt, dass wir die letzte Band wären, die ehrliche und ungekünstelte Kommunikation pflegt. Am Ende des Konzerts habe ich mein in eine Pet-Flasche abgefülltes Bier einem Zuschauer geschenkt. Das heisst, ich bin zum Bühnenrand gegangen, dann auf die Knie, und habe dem Zuschauer das Bier mit einem lockeren Schwung zugeworfen. Ca. 30 Minuten später erscheint die Polizei im Backstage und erzählt etwas von einem verletzten Zuschauer. Meine natürliche Reaktion war „Tinu, du hast ein Problem, was hast du wieder gemacht“. Nach kurzer Diskussion wurde mir allerdings klar: Es ging um mein Bier. Der junge Mann hatte es nicht fangen können, brach sich das Jochbein und fiel zu seinem unglaublichen Pech noch auf den einzigen Stein weit und breit, der wiederum eine grosse Platzwunde am Hinterkopf hinterliess.

Ich also mit diesen zwei Superbullen im Auto auf dem Weg in den Verhörraum und was ich da erlebt habe, kann ich kaum in Worte fassen. Da kamen Fragen wie: Sind Ihre Eltern noch zusammen? Hä? Haben Sie oder Ihre Eltern Schulden? Häääää? Sind Sie drogensüchtig? war noch das Normalste. Auf jeden Fall wurde ich nach zwei Stunden der dummen Fragerei endlich wieder entlassen. Ich musste auch noch vehement insistieren, dass sie mich zurückfahren. Ich war ja schliesslich ohne Geld da, hatte meine drei Kleidungsstücke am Leib, und das wars. Die Polizisten hatten glücklicherweise Erbarmen mit mir und fuhren mich zurück. Vielen Dank auch für das Verpassen von Gentleman und Cypress Hill.

Zu guter Letzt durfte ich dann nicht mal mehr mein Zeugs aus dem Backstage holen. Ein dunkler Mann, 3 x 3 Meter gross hat sich als „Personal Security“ von Pink vorgestellt und mir auf eindrückliche Art und Weise erklärt, dass ich bis nach der Pink-Show nicht in meinen Backstage gehen darf. Ich habe ihm zu Verstehen gegeben, dass ich gute Kontakte zu den Bullen habe, was ihn aber nicht zu interessieren schien. Übrigens: Der arme Kerl, der verletzt im Spital lag, hat der Polizei erzählt, dass es sein Fehler gewesen sei und sie mich in Ruhe lassen sollen. Geil, er hat einen 3-Tagespass gekauft und die einzige Band, die er gesehen hat, war Treekillaz“. Sad, sad, sad …

Es ist wahr: Jessi und Tinu haben einen R.E.M.-Song geschrieben

Und jetzt kommen mir gerade wieder reihenweise Geschichten in den Sinn. Wir haben mit Treekillaz“ mal an einem Festival in Holland gespielt. Eine Band fiel aus, und so gaben wir nach unserem Set spontan auch noch ein akustisches Konzert auf der zweiten Bühne – sowas können wir dank unserem Nebenprojekt Diesel Krügen. Auf jeden Fall war der Tinu wieder einmal in Hochform, und weil wir in dieser Duo-Konstellation nur Covers spielen, erfand er bei jedem Song eine Geschichte dazu. Bei „Fire“ von R.E.M. war es der Anruf von Michael Stipe, der gerade eine Schreibblockade hatte und uns fragte, ob wir ihm aushelfen können. Klar können wir sowas – und so haben Tinu und ich eben „Fire“ geschrieben. Das ging ca. eine Stunde lang so weiter und uns war klar, dass das Publikum merken würde, dass wir nur zwei sarkastische und lustige Menschen mit blühender Fantasie sind. Zu unserem Erstaunen gab es aber  etliche Leute, die uns das Ganze abgekauft hatten. Entweder sind wir wahnsinnig talentierte Schauspieler oder die Holländer kiffen eben doch zu viel.

Übrigens war der Techniker bei der Hauptbühne extrem schlecht. Er hat eine geile Band sowas von vermischt, dass Chabi und ich die Sache in die Hand nahmen. Während ihn Chabi mit allerlei dummen Fragen ablenkte, schraubte ich hinter seinem Rücken an allen möglichen Reglern herum, bis es besser klang. Es dauerte etwa 40 Minuten bis er merkte, wie wir ihn verarschen. Oder besser gesagt, wie wir ihm geholfen haben.

Tinu stellt sich als Serge vor: schlechtes Zeichen

Was anderes: Das beste Interview aller Zeiten gaben wir bei Radio 3Fach in Luzern. Wir finden den Sender wirklich klasse, innerhalb kürzester Zeit waren wir gleich zweimal zu Gast. In anderen Worten: gleiche Band, gleicher Moderator und zum Missfallen von Tinu – gleiche Fragen. Nach der zweiten Frage kam dann auch prompt die trockene Antwort von Tinu: „Selbe beschissene Frage wie beim letzten Mal – gleiche beschissene Antwort.“ Bumm das hat gesessen. Es wurde harzig und es war unser letzter Besuch bei 3Fach.
Und wenn wir schon bei Interviews und Tinu sind. Sobald er sich als Serge vorstellt, weiss ich, was er vom Sender oder dem Moderator hält, nämlich gar nichts. So geschehen bei Radio Zürisee, die nicht mal einen Song von uns spielen durften, weil wir zu hart sind. Was für ein Bullshit, als würde der normale Zuhörer wegen drei Minuten Gitarrenmusik impotent werden. Ja, da haben wir sie wieder, die gute alte Punk-Attitüde, die uns nicht immer geholfen, mich persönlich aber immer mit Stolz erfüllt hat.
Für Fans: Alle älteren Posts von Jessi findet ihr im Tagebuch-Archiv.
(Bilder: privat)
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