Festival für Fortgeschrittene

Letztes Wochenende. Ausfahrt Rust. Jahre ist es her, dass ich diese Abzweigung genommen habe. Am Brückenbauen sind sie dort, Lichtsignale führen uns wie auf einer Landebahn zum Europapark. Es hat kaum Verkehr. Der Vergnügungspark macht offiziell Pause.

Auf dem Beifahrersitz ein total übernächtiger Co-Pilot, he was a DJ last night, aber das Rolling Stone Park-Spektakel wollen wir uns nicht entgehen lassen. Hauptsächlich wegen Bob Mould, vielleicht erinnert ihr euch. Aber da sind auch andere Lieblingskünstler im Line-up, Mark Lanegan und Jon Spencer, to name a few. Und dann verfahren wir uns auf dem riesigen Parkplatzgelände des Europaparks. Also ich mich, der Co-Pilot ist bekanntlich im Schlafmodus. Wir schaffen es noch grad rechtzeitig zum Interviewtermin mit Oliver Polak, dann streunen wir durch das FestivalKonferenzgelände.

Es hat wenig Leute, aber es ist auch noch früh am Nachmittag. Ein paar Leute versammeln sich im Karussell, um Meadows zu lauschen. Ich dachte zuerst, Meadows sei eine Band. Wegen dem Plural-S. Doch da steht nur einer mit Gitarre, das Publikum hockt auf den Zirkuspferdchen und Säulis des Karussells. Ein gelungener musikalischer Einstieg in ein vielversprechendes Festival.

Meadows
Wo ist Meadows?

Bevor die tieferliegenden Gitarren gezupft werden, gehen wir zu Micky Beisenherz und Oliver Polak, die derzeit erfolgreich den Podcast „Juwelen im Morast der Langeweile“ betreiben. Zum ersten Mal machen sie das Live, Humor in der Grauzone, nicht jedem gefällt es, und sobald jemand den Saal verlässt, wird das von Beisenherz und Polak direkt kommentiert. Ich finde das Spektakel zwar lustig, würde aber eigentlich auch gerne vor dem Ende gehen, weil Mark Lanegan gleich spielt. Ich harre aber bis zur letzten Minute aus, weil ich nicht auch verbal zerpflückt werden möchte.

Mark Lanegan spielt in der Arena, auf der Hauptbühne an diesem Festival. Es ist 17.30 Uhr, das Publikumsaufkommen nach wie vor etwas mau. Ach, diese Stimme. Mark lullt mich jedes Mal gekonnt ein. Mit dem Fötelen habe ich in dem schummrigen Licht aber Mühe. Mark mag ja Beleuchtung nicht so.

Mark Lanegan
Blue in the Face

 

Jon Spencer
Praktische Tischchen mit Rollen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Vorteil bei wenig Publikum ist, dass man seinen persönlichen Bartisch direkt vor Jon Spencer & the Hitmakers schieben kann. Wir schieben uns ins Hotel, Powernap, um für Bob fit zu sein.

steiner & madlaina
Soundcheck Swiss Girls

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schweizerinnen Steiner und Madlaina sind beim Soundcheck. Leider spielen sie gleichzeitig wie Bob Mould. Aber sie räumen mehr Publikum ab als unser persönlicher Held.

steiner & madlaina
Mit Publikum.

Ist ja auch mutig von Mould, solo mit E-Gitarre Lärm zu machen. Ohne Schlagzeug und Bass. Wir profitieren davon, am Schluss sind hier nur noch die wahren Bob-Mould-Fans, die konspirative Stimmung: ausgelassen. Wir wissen, wer da auf der Bühne steht. Und der darf alles.

Bob Mould
One-Man-Show

Wir sind nach Bob müde, gehen direkt auf einen Absacker ins Hotel, auch wenn der Headliner Elbow noch spielen würde. Ich bleibe bei der After-Party im Fumoir hängen und lerne zwei Zürcher kennen. Sie sind ansteckend begeistert vom Festival, vor allem die Frauenbands fanden sie herausragend. Innerlich schäme ich mich, dass ich es vor lauter männlicher Helden und einer gewissen Müdigkeit verpasst habe, unbekannte Bands zu entdecken. Auch die anderen Argumente, weshalb dieses Festival überragend sei, lassen sich nicht von der Hand weisen. Ausschliesslich musikbegeistertes Publikum, Hotel, Shuttle, Wellness, ein paar Fahrten auf den Bahnen des Europaparks und ein grandioses Frühstückbuffet. Wir sind halt nicht mehr zwänzgi.

Rolling Stone Park
Gotcha. Bähnlifahrt mit Zürchern. Gesehen auf Facebook.

 

 

 

(Bilder: Dominique/Rolling Stone Park (Frank Embacher))

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