Flieg, Adler, flieg!

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Ach, man hat es im Moment nicht leicht, wenn man über die Eagles of Death Metal schreiben will. Da ist diese tragische Nacht letzten November in Paris, in der rund 90 Fans an einem ihrer Konzerte erschossen und viele weitere schwer verletzt worden sind. Auch die Eagles mussten um Leib und Leben fürchten. Sie erlangten über Nacht zweifelhaften Ruhm, wer sie vorher nicht kannte, kennt sie jetzt. Nach einer kurzen Auszeit haben sich die EODM wieder aufgerafft, spielen Konzerte in Europa und auch Paris. Hut ab. Ich hätte wetten können, dass so ein Trauma haften bleibt und Monate wenn nicht Jahre vergehen würden, bis sie wieder eine Bühne betreten.

Wegen dieser Schreckensnacht hat die Band nun automatisch Presse, zwangsläufig werden deren Mitglieder nach Meinungen gefragt und Frontmann Jesse Hughes, sich der Massenwirkung seiner Aussagen womöglich nicht bewusst, spricht Klartext. Und seine Meinung ist in Europa gewiss nicht in allen Kreisen opportun. Im Gegenteil, nach noch mehr Waffen zu schreien verwirrt, viele neue wie alte Fans sind empört, wie ausgerechnet der so was rauslassen kann. Aber, Jesse Hughes hat schon vorher nie einen Hehl aus seinem Leben abseits der Bühne gemacht. Dass er Waffen liebt, Anhänger der Republikaner ist und Donald Trump unterstützt. Dass er gegen dieses und für jenes ist. Er ist ein Redneck wie er im Buche steht. Mit einer sehr konservativen bis eigentümlichen Weltanschauung.

Ich war viele Jahre Fan der Eagles of Death Metal, habe sie an insgesamt fünf Konzerten gefeiert, jenes an den Winterhurer Musikfestwochen werde ich gerne als eines der geilsten ever in Erinnerung behalten. Aber es ist wie bei einem Flirt. Zuerst ist alles neu und aufregend, die rosarote Brille verklärt das Gesamtbild. Je länger je mehr setzt man sich auch mit dem Wesen auseinander, merkt, man passt vielleicht doch nicht in allen Bereichen zueinander. Das Interesse schwindet, man verliert sich. Und doch, es bleiben die guten Erinnerungen. An die Musik, die adrenalingetränkten Konzerte und die ausschweifenden Partynächte.

Trotz oder gerade wegen dieser vergangenen Liebe werde ich ans EODM-Konzert im Komplex Zürich gehen. Weil ich es sackstark finde, dass sie schon wieder auf der Bühne stehen. Weil der Adler wieder fliegen soll. Für den guten, soliden Rock’n‘Roll. Und weil Jesse Hughes uns überhaupt die Möglichkeit gibt, ihn gut oder blöd zu finden. Und seien wir ehrlich, wer kennt schon alle Details aus dem Leben seines Lieblingsmusikers? Es sei denn, der heisse Bono.

EAGLES OF DEATH METAL: 23.02.2016, Komplex 457, Zürich. (ausverkauft)

(Bilder Facebook / EODM)

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