Rakete in der Flasche

Meine Cousine heisst Kim. Dank dieser Eselsbrücke konnte ich mir „Cousin“ von Kim Janssen merken, bis heute, wo es das Album endlich endlich zu kaufen gibt.

Moment, ich muss kurz die Melancholie aktivieren.

Ich hätte natürlich auch das eine oder andere von Coldplay hören oder eine Dienstagabendromanze schauen können, da werden Songs wie „Bottle Rockets“ zuhauf platziert. Wenn die Szene gerade sehr emotional ist, einer geht, der andere im Regen zurückbleibt und weint, beispielsweise.

Aber „Cousin“ ist letztlich viel mehr als Unterlegungsmusik. Das Album des in Asien gross gewordenen Holländers enthält Musik und Kopfkino in einem. Weil Janssen das Gefühlszentrum aktiviert, Bilder erzeugt, und weil jeder seiner Songs über einen Spannungsbogen verfügt, nicht einfach nur vor sich hinplätschert, sondern auch mal schäumt, mal sanft ist und mal laut, ohne je über die Grenze des Authentischen hinauszuschiessen. Wie eine Rakete in der Flasche.

Der wahre Grund, warum ich mich ein bisschen in Kim Janssen und sein Flair für das Dramaturgische verliebt habe, ist allerdings das Video zum Titelsong „Cousin“. Schaut es euch doch einfach mal an. Da sieht man erst nur den Sänger mit seiner Gitarre, von hinten beleuchtet mit ein bisschen Rot im Gesicht. Um ihn herum, kaum erkennbar, eine vermeintlich kleine Band. Erst allmählich kommen Bläser dazu, eine Pianistin und eine Keyboarderin, ein Teil eines beachtlichen Orchesters, wie der am gleichen Anlass gefilmte „Dynasty„-Clip zeigt. Und zwar ein Orchester, das den Sänger nicht verdrängt wie jemand, der im Bus eineinhalb Sitze für sich beansprucht. Es bleibt unaufdringlich, so wie Janssen, der es schafft, im kleinen Rahmen riesengross zu sein.

KIM JANSSEN: „COUSINS“, out (Snowstar Records)

(Bild: Facebook)

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